Dienstag, 17. Juli 2012

Einige Erkenntnisse aus den letzten Wochen in ungeordneter Reihenfolge

Ich hatte wirklich Angst vor diesem Adoptionsprozess. Genau so, wie ich vor jedem Unternehmen Angst habe, bei dem eine Behörde, Fristen, Formulare usw. im Spiel sind. Angst ist vielleicht nicht das richtige Wort, eher so eine Art Widerwillen, erstens gegen Behörden und die etwas schlampige, aber trotzdem eiserne Maschinerie, die oft dahintersteckt; und zweitens gegenüber mir und meiner Art, solche Dinge zu versemmeln. Und dann lasse ich es normalerweise wochenlang, wenn nicht monatelang liegen, bis es gar nicht mehr anders geht und die geringste Bammelei tatsächlich zur Katastrophe führt. Ich weiß, das ist doof, aber ich kann nicht anders, dafür kann ich z.B. lecker Kuchen backen, das ist doch auch schön?!? Ich hatte schon wieder den Krach mit L. im Ohr, den wir zweifellos haben würden, wenn ich wieder mal irgend etwas falsch gemacht oder vergessen haben würde. Jetzt waren wir insgesamt schon vier mal da, die Formulare haben wir auch anstandslos hingekriegt, und das ist alles halb so schlimm. Wir hätten das viel früher angehen sollen. Dagegen spricht natürlich, dass die hören wollen, dass man durch ist mit seiner Kinderwunschbehandlung (was ich zwar nachvollziehen kann, aber nach wie vor nicht gut und zu voreilig finde - nicht alles gilt für alle Wunscheltern gleich). Aber das hätten wir ja irgendwie vertuschen können. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich möchte nie wieder diese Diskussion mit jemandem führen darüber, wieso wir uns eigentlich gegenseitig immer noch als Mädchen bezeichnen, obwohl wir alle über 30 sind. Blöde Diskussion. Überflüssige Diskussion. Nervtötende Diskussion. Vor allem, weil jeder, der sie anfängt, sich dabei so gebärdet, als wäre er der erste Mensch auf dem Planeten, dem dieses Phänomen auffällt. Dieser listige Gesichtsausdruck... dieses Schmunzeln... uäch. Mal davon abgesehen, dass dich, lieber Langweiler, das einen feuchten Dreck angeht, wie wir uns nennen. Geh, such dir jemanden, der mit dir darüber reden will, dass das Jahr 2000 eigentlich nicht das Millennium war und Erdbeeren keine Beeren sind.

Laufen in Barfuß-Schuhen mit weicher Sohle und null Pronationsstütze ist ein bisschen so, wie zum ersten Mal in ein Paar Birkenstocks zu steigen: überraschte Füße. Es ist außerdem furchtbar anstrengend, ich bin heilfroh, dass ich gerade nach den letzten Schienbeinzicken und einer miesen Erkältung wieder langsam anfange und gerade so kurz - also wirklich so kurz - um den Park laufe, dass ich euch gar nicht verraten will, wie kurz genau. Und trotzdem habe ich Muskelkater an Stellen, an denen ich noch nie welchen hatte, und ja, ich war schon mal beim Yoga. Außerdem haben sich wundersame Dinge in meinem Leben und meinem Kühlschrank (große Schnittmenge. Größer als bei vielen anderen Menschen.) verändert. Als ich in meinem neuen Laufbauch gelesen habe, Laufen würde die Lust auf Fast Food vertreiben, habe ich laut "HA!" gesagt, wie in "DAS WOLLEN WIR DOCH MAL SEHEN". Und in der Tat: ich könnte jetzt, wie ich hier sitze, ohne mit der Wimper zu zucken zwei riesige Burger samt Fritten, Mayo, Guacamole und ein Vanilleshake dazu verdrücken. Aber das Gute ist: ich habe gleichzeitig auch wieder mehr Lust auf Vollkorn, Gemüse und Obst und Nüsse und Kräutertee, und das nutze ich aus, indem ich mich einfach so schnell bis zum Kragen mit rohen Möhren und dergleichen vollstopfe, so dass trotz aller Bereitschaft kein Burger mehr reinpasst. Das funktioniert ganz gut. Ich kann das nur empfehlen, das mit dem Laufbuch mit dem dämlichen Titel und den Nike free Laufschuhen. (Nu kommt schon. Das letzte Product Placement ist wirklich schon lange her, und Geld kriege ich auch keins dafür.) Ich war noch nie besonders begeistert von meinen angeblich perfekt angepassten dicken hypergefederten Laufschuhen, die immer ein bisschen so aussahen, als wäre ich mit dem Fuß in einen Cassettenrecorder getreten.

Hunde können eine Menge ab. Inzwischen stellt unser Adoptivhund sich schon parat, sobald ich die Chili-Entkernungs-Handschuhe überstreife, um ein bisschen an ihrem Rücken herumzuquetschen. Und so viel Unbekümmertheit ist ansteckend: inzwischen mache ich das einfach so, ohne Schaudern und Würgen, muss ja, und hinterher geht's ihr besser.

Ich habe einen Geschmack gefunden, den ich tatsächlich niemals leid werde. Ich habe seit drei Wochen nicht den geringsten Wunsch nach Abwechslung. Dieser Geschmack ist die Mischung aus Zitrone und Schafskäse. Manchmal ist noch Minze dabei. Oder Melisse. Was sonst noch dazukommt, Tomaten, Hühnchen, Fisch, dicke Bohnen oder auch mal dünne Bohnen oder Kartoffeln, ist mir egal. Wenn das anhält, tut es mir sehr leid für die Mädchen (Genau, die MÄDCHEN!), aber dann werden sie das im Urlaub jeden Tag essen müssen, es sei denn, sie zerren mich mit Gewalt aus der Küche und reißen mir die Fetapackung aus den Händen.

Allen Damen, die sich für Musik interessieren, kann ich die beiden Bands "Au Revoir Simone" und "The Bird and the Bee" empfehlen.

Allen Damen, die genau so traurig wie ich über den Tod von Nora Ephron sind, aber leider schon wieder durch sind mit der Gedächtnislektüre all ihrer Bücher (viel zu wenige, viel zu dünn und viel zu schnell durchgeknuspert), kann ich empfehlen, mal wieder bei Dorothy Parker reinzupieken.

Ich liege auf dem Balkon (also, nicht gerade jetzt, aber theoretisch sehr bald wieder), lese Dorothy Parker, höre "Again and again" von "the bird and the bee" und esse selbstgemachten Flammkuchen mit Schafskäse, Zitrone, Tomaten und Peperoni. Nicht sooo schlecht, das Leben.

Kommentare:

  1. Flora,

    passiert denn mit dem Schafskäse auf mal wieder etwas im Café Flora????

    LG
    S.

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  2. Ich hätte gern das Rezept von dem Flammkuchen :-)

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  3. Den mach ich so aus der Lameng - beim Teig bin ich noch nicht am Ziel meiner Träume. Ich nehme so ca. 150 Gramm Mehl für ein Blech, dazu zwei Esslöffel Öl, 75 ml Wasser (aber erst mal mit 50 anfangen und gucken, ob das schon reicht), Salz und Pfeffer. Den Ofen heize ich auf 250 Grad vor (Ober- und Unterhitze). Die Teigzutaten verkneten, bis sie nicht mehr kleben (notfalls löffelweise mehr Mehl dazu), dann auf ein backblechgroßes Stück Backpapier dünn ausrollen (notfalls mit noch etwas Mehl bestreuen) und dann mitsamt dem Papier auf ein Backblech legen.

    Darauf streiche ich 3/4 Becher saure Sahne, vermischt mit Saft und abgeriebener Schale von 1 Ökozitrone und Salz und Chiliflocken nach Geschmack. Und darauf verteile ich einen zerbröselten Feta, ein paar zerschnittene scharfe Peperoni, eine kleine, halbierte und in hauchdünne Scheibchen geschnittene rote Zwiebel und drei in dünne Scheiben geschnittene Tomaten. Weil ich Salzsüchtig bin, salze ich die Tomaten auch noch mal. Dann mit Oregano bestreuen, ab in den heißen Ofen auf unterster (wichtig!) Schiene, und nach 12 Minuten anfangen, nachzusehen. Manchmal braucht er 12, manchmal 15, manchmal 20 Minuten. Je nachdem, was sonst noch im Kühlschrank ist, hab ich auch schon mal Edamame-Böhnchen oder Zuckerschoten dazugetan. Aber macht ihr, wie ihr meint. Ich finde, das ist eine feine Sache! Guten Appetit!

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  4. Ach ja: wer es nicht ganz so zitronig mag, es schmeckt auch ohne...

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