Montag, 10. September 2012

Ich weiß ja nicht, was ihr heute so treibt.

Und was ich vorhabe, weiß ich auch noch nicht so genau. Vielleicht arbeite ich heute länger, genug zu tun ist auf jeden Fall. Vielleicht mache ich einen langen Spaziergang mit den Hunden. Oder ich befolge den Tipp mit dem Rotwein, lese die Zeitung oder gehe zum Sport. Wo ich jedenfalls nicht sein werde, ist in meiner Gruppe. L. hat vorgestern den Programmzettel wiedergefunden: nachdem es in Stunde Nr.1 schwerpunktmäßig um Autismus, Alkoholspätfolgen und Ablehnung der Eltern ging und in Stunde Nr.2 um Kinder, die bis zur Pubertät in die Windel machen, wird es heute in Stunde Nr.3 zur Abwechslung um Problemfälle, um besondere Kinder und um besondere Herausforderungen gehen, und zwar um die, die man zum Zeitpunkt der Adoption noch nicht erkennen kann.

Es tut mir leid - nein, ich nehm das zurück, man soll ja ehrlich bleiben in diesem Prozess, es tut mir überhaupt nicht leid, sondern heute bleibe ich einfach weg, und nach langem Gegrübel habe ich deshalb auch kein schlechtes Gewissen. Ehrlich, was soll das nützen? Ein Termin, bei dem wir (zum ca. zwölften Mal) darüber informiert werden, dass auch ein auf den ersten, zweiten und dritten Blick quietschfideles Baby sich zu einem schwer gestörten Kind weiterentwickeln kann? Und jetzt? Wenn uns das passiert - und ich hoffe so sehr, dass wir nach vier Jahren KiWuKack endlich auch mal Glück haben - dann ist es immer noch früh genug, meine Psychoallergie runterzuschlucken. Dann werden wir noch mehr Zeit als genug in irgendwelchen Stuhlkreisen verbringen. Andere mögen das anders sehen und da anders veranlagt sein, aber ich habe keine Lust mehr, mir zähneknirschend diesen Unfug von angespannten Bauchdecken und der willensgesteuerten Empfängnis anzuhören (das hat mich schon bei Berichten über den amerikanischen Wahlkampf zur Weißglut gebracht), zumal wir dadurch keinerlei Erkenntnis zu erwarten haben, die uns irgendwie weiterbringt, sondern nur SCHON WIEDER hören, dass eine Menge schief gehen kann und es bei diesem Weg zum Kind keine Methode gibt, sich davor zu schützen. Heute wird geschwänzt.

Kommentare:

  1. Ich glaube, das ist die richtige Entscheidung. Jedes Kind ist ein Überraschungspaket. Und niemand weiß, was passiert. Gönn dir ne Stuhlkreispause! :)

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  2. Richtig so, ich würde da an deiner Stelle überhaupt nicht mehr hingehen. Die spinnen doch wirklich!

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    1. Nein, "die spinnen nicht". Die möchten nur zukünftige Eltern von potentiell stärker gefährdeten Kindern darauf vorbereiten, was alles kommen kann. Wenn Flora sich entscheidet, nicht hinzugehen, ist das ihre Sache. Das heißt aber nicht, dass es für viele Leute nicht doch sinnvoll ist, zu wissen, dass bei Ado nicht alles rosa ponny sonnenschein sein muss. Das hat mit spinnen nicht viel zu tun.

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    2. Ich finde auch nicht, dass die spinnen, ich fühle mich nur inzwischen wirklich mehr als ausreichend gewarnt. In der letzten Sitzung gab es genau eine nützliche Information: dass es unter Umständen dem Kind bei der Eingewöhnung helfen kann, wenn es ein getragenes Unterhemd der leiblichen Mutter mitbekommt und im Bettchen hat. Diese Information hat ca. 45 Sekunden eingenommen. Die restliche Zeit ging es ausschließlich um für die Adoptiveltern unkontrollierbare, unbeeinflussbare und vorab nicht erkennbare Schäden. Mir reicht es jetzt einfach. Und nachdem der zuständige Psychologe mich ebenfalls innerhalb kürzester Zeit auf die Palme gebracht hat, habe ich jetzt genug. Niemand geht davon aus, dass das alles rosa Ponyhof wird. Ich weiß es jetzt ja. Damit gut.

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    3. Das verstehe ich ja, Flora. Ich denke auch, dass Du ein ausreichend realistisches Bild von dem hast, was Dich erwarten kann. Deshalb zielt so ein Kurs evtl. gar nicht auf Dich ab. Für andere ist der Schock aber vielleicht "heilsam". Insofern hat mich Mucs Formulierung einfach aufgeregt. Aber nichts gegen Dich und Deine Entscheidung, die Infos ab jetzt selektiver aufzunehmen. Man muss sich ja auch nicht völlig demotivieren, bevor es überhaupt angefangen hat. :)

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  3. Moin,

    ein langer Spaziergang, eine heiße Dusche, danach ein Wohlfühloutfit, ein gemütliches Sofa, Schnittchen und ne Glas Wein klingt für mich nach nem guten Plan!

    Gruß Karo

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  4. Liebe Flora,

    ich hätte da mal eine technische Frage: ich würde auch gerne einen Blog schreiben, aber es müßte sichergestellt sein, dass ich anonym bleibe. Hast Du da für mich einen Tip?

    Herzlichen Dank! Ich schätze Deinen Blog sehr!!!!
    Gruß, Birgit

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  5. Liebe Birgit (DIE Birgit vom Stammtisch? Oder eine Neue? Und falls ersteres, sehen wir uns am Donnerstag? Würde mich freuen!),

    eigentlich ist das ganz einfach: Du meldest Dich auf einem Blogportal an, denkst Dir einen Usernamen aus, der möglichst wenig mit Deinem echten Namen zu tun hat, legst Dir eine entsprechende Emailadresse bei yahoo, gmx oder web.de zu und los geht's. Und wie viele Details, die Rückschlüsse auf Dein "echtes" Leben zulassen, Du dann noch verraten und beschreiben willst, das liegt an Dir. Eigentlich sollte es so sicher sein. Liebe Grüße und viel Spaß beim Bloggen!

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    1. Danke, liebe Flora!
      So mach ich es!

      Da ich aus München bin, wird´s leider nix mit Stammtisch ;-).
      Liebe Grüße!

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    2. Liebe Flora,
      ne - das war nicht ich :-) Und zum Stammtisch diesmal klappt es leider nicht bei mir. In ein paar Tagen geht es endlich in den Urlaub...und da müssen noch viele Dinge vorher erledigt werden. Also, vergrault hast Du mich auf gar keinen Fall. Hätte Dir gern etwas von unseren ersten Adoptionsgesprächen berichtet. Deshalb an dieser Stelle schnell noch ein paar Worte zu pessimitischen Prognosen von Adoptionskindern und "ominösen Stuhlkreisen". Mein Mann und ich hatten zwar erst zwei Beratungstermine für eine Adoption, aber die hätten unterschiedlicher nicht sein können. Der eine beim Jugendamt: Gefühlt ging es 1 Stunde nur um Probleme, auf die man sich bei einer Adoption einlässt: Das Problembaby im Mutterleib, die Problemmutter, das Problemkind im Kindergarten, das Problemschulkind und ja auch im hohen Alter haben viele immer noch ein Problem damit, dass sie adoptiert wurden. Ach ja, und sie sind ja hier, weil sie alle ein Problem haben und keine Kinder kriegen können. Damit sollten sie abgeschlossen haben, bevor sie sich anderen Problemen widmen. Das nur in Kurzform hier. Wir fühlten uns schon ohne Adoptionskind völlig problemgeladen nach diesem Termin. Ich habe also eine grobe Ahnung wie die Problemdiskussion im Stuhlkreis eine Fortsetzung bekommt. Aber da war auch der andere Termin. Bei einem freien Träger, die sowohl Inlands- als Auslandsadoptionen und Pflegekinder vermitteln. Hier war alles so viel positiver - und auch sie haben auf Probleme hingewiesen. Die es geben KANN. Ja, und die sich lösen lassen. Ja, und tatsächlich hatten sie auch viele positive Beispiele, dass sich Adoptivkinder sehr wohl integrieren, sehr glücklich sein können, sogar wenn sie eine andere Hautfarbe haben und auf dem Dorf aufwachsen. Es gab Sätze wie, Adoptivfamilien sind glückliche Familien, wie andere auch. Und Sie haben Eltern vorgestellt, die bereits 3 Kinder adoptiert hatten, weils beim ersten Mal so gut lief. Und eine Patchworkfamilie aus Adoptiv- und Pflegekinder. Die Eltern wirkten sehr entspannt und glücklich ...und würden es immer wieder tun. Sie haben Hürden gemeistert und führen ein "ganz normales" Familienleben. Ja, sowas soll es auch geben. Und ich bin froh, dass dieser Termin so anders war und Optimismus für das Projekt Adoption ist wohl auch nicht die schlechteste Vorraussetzung. Liebe Flora, lass Dich nicht verrückt machen. Ich hoffe, wie sehen uns bald wieder. birgit

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    3. Schade, dass es diesmal nicht klappt - aber nächstes Mal, und dann musst Du unbedingt vom freien Träger erzählen!

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