Freitag, 4. Oktober 2013

Das Ende der Pyjamaparty

Ich weiß noch nicht, wie lange die Ruhe aus dem Stubenwagen anhält. Deshalb das Wichtigste zuerst: Ich würde Euch wirklich, wirklich gerne mal wieder bei einem Stammtisch treffen. Letztes Mal waren wir frühstücken, das war sehr nett. Aber wie wäre es mal wieder mit einem Abend? Mit Wein und fettigem Essen?

Seit Neuestem bin ich Mama. Das kommt vielen nicht wie eine Neuigkeit vor, aber für mich ist es eine. Ich bin Mama wie in "Die Mama geht nur schnell die Wäsche anwerfen und ist gleich wieder da." oder in "Pupsi, nicht weinen, die Mama kommt schon." Wie konnte das passieren? Gerade war ich noch ich wie in "Ich lese gerade Zeitung" oder in "Danke, ich nehme lieber roten", jetzt bin ich Mama.

Noch zweieinhalb Wochen, und die Mama geht wieder arbeiten. Ich weiß noch nicht, wie ich mich dabei fühlen soll. Nein, das stimmt nicht, ich weiß genau, wie ich mich dabei fühle: grauenvoll. Im Moment kommt mir wenig verlockender vor als ein Jahr zuhause mit meinem Kind und den Hunden und viel Zeit und Vormittagen im Schlafanzug. Ach, Schlafanzug: ich weiß nicht, wie das kommt, aber bevor ich auch nur meine Zähne geputzt habe, ist es elf. Wie ich demnächst, sehr demnächst sogar, um neun in kundentauglichen Klamotten an meinem Schreibtisch ca. acht Kilometer von hier sitzen soll, ist mir ein Rätsel. Und habe ich das tatsächlich geschafft, dann fühle ich mich vermutlich hundeelend. Ich will hier sein und mit dem Finger das Profil meines Babys entlangfahren. Im Moment sage ich mir zwei Dinge, um mich davon abzuhalten, das Ganze abzublasen:

Erstens. Ich glaube, dass es gut für mich sein wird, hier mal rauszukommen. An etwas Anderes zu denken, mich an etwas Anderem aufzureiben, mit Leuten zu sprechen, die sich nicht für Stillen vs. nicht Stillen interessieren. Etwas zu tun, was ich gut kann, und dafür gut bezahlt zu werden. Vielleicht sogar etwas zu lernen? Und dann nach Hause zu kommen und mich auf Zeit mit Rainer Maria zu freuen.

Zweitens. Zwar wird es anstrengend sein und kompliziert und auch oft furchtbar. Aber lasse ich diesen Job jetzt sausen, ist er weg. Wenn das Jahr dann vorbei ist, müsste ich mich wieder auf den Markt für freie Texter werfen. Und die werden naturgemäß dann gebucht, wenn Not am Mann ist: wenn eine Präsentation bevorsteht und alle schon viel zu spät dran sind, wenn sich die Arbeit seit Wochen stapelt und niemand da ist, der sie erledigt, wenn ein Kunde kurz vor dem Absprung ist. Und das macht aus jedem gebuchten Tag einen Arbeitstag von neun bis Mitternacht oder später. Und das kann ich erst recht nicht mehr. Das will ich auch nicht mehr.

Und drittens, falls erstens und zweitens nicht reichen, sind es nur drei Tage in der Woche.

Und ich weiß, dass ich eigentlich nicht zu viel über Rainer Maria schreiben wollte. Aber heute war der Tag, an dem er einen kleinen, geerbten Teddy gesehen, ihn angestrahlt und mit ihm gesprochen hat und ihn dann mit beiden Händen gegriffen und zu sich herangezogen hat.
Der Teddy hatte übrigens einen Schlafanzug an.



Kommentare:

  1. Liebe Flora,

    ja, zuhause bleiben, den Tag vor sich hin zu leben... das ist aber nicht nur für Dich als Mama herrlich, das wäre es, seien wir ehrlich, für die meisten von uns...
    Deswegen ist es gut, daß Du den realistischen Blick auf die Welt hast, den Du hast!
    Das Leben IST ein Ponyhof (oder wo kriegt ihr noch so viel Mist serviert????), und ein guter Job ist nun mal unsere Altersversicherung. Nicht der Mann, nicht das Baby.
    Slso wieder - Daumen hoch!
    Und Du schaffst das - und häng Dir eine Ersatzbluse und einen Ersatzblazer ins Büro... falls Du vergessen hast, in den Spiegel zu gucken bevor Du aus der Tür bist... und den Milchflakesfleck auf der Schulter daher leider nicht gesehen hast...

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  2. Liebe Flora,

    wären beim Stammtisch auch Frauen wie ich willkommen, die noch nie bei einem Stammtisch dabei waren und die noch mitten drin stecken im Kinderwunsch-Zirkus? Weil wenn nämlich ja, dann würde ich unheimlich gerne dabei sein! S.

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  3. Liebe S., immer rein mit Dir! Kinderwunschfrauen mitten im Abkürzungszirkus sind mir nicht nur willkommen, sondern auch extrem wichtig! Freu mich auf Dich!

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  4. Hi Flora,

    du machst das ganz großartig. Lass dich nicht beirren!
    Und: Stammtisch ist ein tolle Idee.
    Mal ein bisschen off-topic: gibt es irgendeine Möglichkeit direkt eine Email zu bekommen, wenn du einen neuen Post hochstellst? Könntest du eventuell kurz so etwas wie den feedburner einrichten, damit jeder deinen Blog abbonieren kann? Danke!

    Liebe Grüße!

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  5. Hi Flora,
    ich habe erst gestern meine erste ICSI-Achterbahnfahrt gestartet (auf die allererste selbst gesetzte Spritze bin ich stolz wie Oscar), verfolge Deinen Blog aber bereits seit klar ist, dass wir eine ICSI machen müssen, um unseren Kinderwunsch Realität werden zu lassen. Nachdem ich bei einer Google-Suche nach "irgendetwas, was mal wieder mit dem Thema Kinderwunsch und -behandlung zu tun hat" über Deinen Blog gestolpert bin, habe ich bei Deinen ersten Schritten im Eiertanz-Blog angefangen und lese nun immernoch mit Begeisterung mit, obwohl oder gerade weil Du jetzt das Ergebnis Deiner Mühen schon in den Armen halten darfst. Dein Blog hat mich zum Lachen gebracht und mir geholfen, mich für diese Zeit zu wappnen. Zwar ist es noch immer ein Sprung ins kalte Wasser, aber ich habe nun zumindest eine Ahnung, was da noch alles so auf mich zukommt. Außerdem habe ich mich von Dir inspirieren lassen, selbst einen Blog zu beginnen, der mir wirklich hilft meine Gedanken zu ordnen und meinen "L." entlastet. Für das alles möchte ich Dir ganz herzlich danken!!!
    Würde eigentlich auch gern mal an einem Stammtisch teilnehmen - bin mir allerdings noch nicht sicher, ob ich die Courage dafür aufbringen kann. Vielleicht kannst Du mich ja für Deine Planung in Klammern und mit Fragezeichen versehen im Hinterkopf behalten?
    Viele Grüße
    Desideria

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  6. Liebe Flora,
    auch ich sehne mich nach einem Stammtisch! Dein Blog begleitet mich seit Anfang des Jahres und Dein Humor und Optimismus hat mich aus so manchem Gedankenkarussel befreit.
    Klönen und Weinchen trinken mit gleichgesinnten Damen, nicht nur zum Erfahrungsaustausch, das wäre wunderbar!
    Würde mich freuen, auch dabei ein zu dürfen,
    Nina aus HH

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  7. Bin wieder dabei, der letzte Stammtisch am Abend war doch sehr lustig!

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  8. Hallo Flora, seitdem wir das erste mal in einer KiWu Klinik waren, lese ich deinen Blog (seit Anfang des Jahres). Ich muss oft schmunzeln und mag deine offene und ehrliche Art.
    Ich würde mich sehr freuen mich mit anderen "Spritzengeplagten" beim Stammtisch auszutauschen:-)
    LG, Jennifer

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  9. Liebe Flora, liebe 'Mitstreiterinnen', seit etwa einem Jahr darf ich mich nun auch zu den sogenannten Abkürzungsdamen zählen. Seit einem halben Jahr bin ich stille Mitleserin in Floras Blog und hab mir so gedacht, bei der nächsten Stammtisch-Ankündigung melde ich mich mal zu Wort. Da es ja nun so aussieht, als würde es eine gute Mischung aus alten und neuen Gesichtern werden, würde ich mich auch gern dazugesellen. Jede hat ihre eigene Geschichte und es tut sicher gut, sich einmal auszutauschen. Ausserdem interessiert es mich brennend, die 'fusselhirnige' Flora, die nun tatsächlich und 'in echt' Mama geworden ist, einmal in natura zu treffen :)
    Werden Ort und Zeit hier in den Kommentaren vereinbart?
    LG K aus HH

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  10. Liebe Flora,

    auch ich wäre gerne wieder dabei. Der Frühstücksstammtisch vor einiger Zeit war sehr gemütlich!
    Fanny E.

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  11. Liebe Flora,
    den Stammtisch würde ich auch super finden, bin aber nicht sicher, ob ich willkommen bin, da ich zw. 2. Ivf und 1. Icsi spontan schwanger geworden bin.
    Alles Liebe
    Kat

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    1. Hallo Kat, das ist doch wunderbar! Dann kennst Du ja "beide Seiten". Und die Warterei, das Fällen von schwierigen Entscheidungen usw. hört ja nicht auf. Das sind doch auch wichtige Themen, die mich als (Noch?) Nichtschwangere interessieren.
      Alles Liebe, Nina

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  12. Arbeiten gehen ist gar nicht so schlecht. Ich bin nach 4 Monaten und 10 Tagen wieder arbeiten gegangen- Vollzeit und im Schichtdienst. Der erste Tag ist Ausnahmezustand, keine Frage, ich hing mehr am Telefon als am Arbeitscomputer. Aber dann war es fast wie vorher. Mir geht's gut, dem Kind geht's gut. Es ist zwar anstrengend. Aber man freut sich auch so sehr, zu seiner Familie nach Hause zu kommen. Das klappt schon!

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  13. Dann höre auf dein Gefühl! Die Zeit die du mit deinem Baby verbingst ist wertvoll und kommt nicht zurück.
    Nimm dir ein Jahr und mache nicht den Fehler den meine Freundin gemacht hat. Die Arbeit ist nicht das wichtigste, andere Eltern schaffen es auch die Elternzeit zu nutzen. Ihr habt darum gekämpft ein Baby zu bekommen- über Jahre- unter beschwerten Bedingungen- Meine Freundin hat es zutiefst bereut das erste Lebensjahr unseres Kindes mit vergleichsweise unwichtigem Tun zu verbringen anstatt diese Zeit für die Kleine da zu sein.

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  14. Da stimme ich voll zu: Hat man ein Baby ist die Arbeit (zumindest im ersten Jahr, in dem sooo viel passiert) wirklich vergleichsweise absolut unwichtig! Man verpasst die wunderbarsten Dinge und das lässt sich dann auch Leider nie mehr rückgängig machen! Kann das ehrlich gesagt nicht so ganz verstehen, wenn man jahrelang unendlich viel dafür tut, ein Baby zu bekommen und dann diese einmalige wunderschöne Zeit dann möglichst schnell im Büro zu vergeuden... Und ein Jahr Elternzeit wirkt sich sicher nicht so katastrophal auf die spätere Rente oder Altersvorsorge aus! Sorry, aber das ist meine Meinung! Entscheiden muss das jeder für sich selber!

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    1. Als Info: Mit Elternzeit erarbeitet man sich auch Rentenansprüche. (Viel härter, meiner Meinung nach.)

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    2. Stimmt stimmt stimmt. Im ersten Jahr braucht dich der Zwerg doch noch am meisten und Elternzeit ist ein Job, ein sehr harter Job, der bezahlt wird. Ich möchte keinen Tag missen und hätte mein baby dass so hart erkämpft war schmerzlich vermisst. Und Mamas, wann hat man schon mal die Chance, bezahlte Auszeit vom arbeitsleben zu nehmen? Ich fand es toll und hab mich nie gelangweilt.

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    3. Gelangweilt? Im Gegenteil: Ich hab jede Sekunde mit dem kleinen Frosch genossen! Kann das nicht nachvollziehen, wenn jemand schon ein paar Wochen nach der Geburt schreibt: Es ist gut für mich hier mal rauszukommen... Was soll denn "da draussen" wichtiger sein als das eigene Baby, auf das man auch noch sooo lange gewartet hat?! Das ist doch eine einmalige wunderbare Zeit für Mama und Baby!

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  15. Das Thema Arbeit scheint ähnlich zu polarisieren, wie das Stillen.
    Jeder nach seiner Façon. Leben und leben lassen, Mädels. Flora hat mehrfach erwähnt, dass sie diesen Blog nicht schreibt, um Rat zu suchen. Also lasst sie doch bitte machen, was sie und L. für richtig erachten.

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  16. Sollen ja auch keine Ratschläge sein (?!?) - jeder hat zu diesem Thema eine eigene Meinung, die man eben auch in diesem Zusammenhang äussern darf! Mehr nicht!

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  17. Ich habe als mein Kind 1 1/2 Jahre alt war wieder auf einer Viertelstelle angefangen. Ich bin furchtbar gerne bei meinem Kind daheim - und geniesse es auf der anderen Seite auch sehr, mal wieder rauszukommen und ein bisschen geistigen Anspruch und erwachsene Ansprechpartner mit anderen Themen als Baby zu haben! Für uns war das so die perfekte Mischung - die Zeit daheim mit Kind intensiv genossen und trotzdem nach einer angemessenen Zeit wieder ein bisschen "raus".

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