Dienstag, 4. Februar 2014

Etwas weniger Fusselbauch, bitte.

Sein neuester Knalleffekt: gerade jetzt, wo ich jeden Abend mit Blick auf meinen Menogon-Hort einschlafe und mit den Hufen scharre, wann es nun endlich losgeht, beschert er mir die erste echte Zwischenblutung meines Lebens. Oder? So klar ist es gar nicht. Von der echten Tante Rosa unterscheidet sich dieses Phänomen erst mal durch Menge. (Inzwischen ist es so weit, dass ich zu diesem feierlichen Anlass immer das gummierte Laken unter das normale Laken spanne, das ich zuletzt in Verwendung hatte, als wir minütlich mit der Geburt rechnen mussten. Ihr könnt es euch vorstellen.) Dann durch mangelnde Schmerzen. Und fünf Tage zu früh ist es außerdem. Ein Telefonat mit der Klinik hat nun Folgendes ergeben: ich soll ja sowieso erst ab Tag drei Spritzen, bis dahin beobachte ich und überlege mir, ob das nun falscher Alarm ist oder nicht. Wenn ich beschließe, dass nicht, dann lege ich am dritten Tag los, egal was. Wenn es falscher Alarm ist, bleiben die teuren Ampullen in ihrer Kiste, bis es ernsthaft losgeht.

Die Senkwehen unter den Zyklusstarts.

Inzwischen habe ich den zweiten Fastentag hinter mir, und auch der ging hervorragend. Kann das sein? So einfach? Ich habe jedenfalls beschlossen, meinen Fusselbauch in seine Schranken zu weisen. Und es gibt eine Menge Gründe für Optimismus.

1. Diese Diät liefert das perfekte Mantra für mich gleich mit: "Morgen. Morgen. Morgen. Heute lässt Du die Finger von dieser Schokolade, die böse Menschen ständig durch dein Blickfeld tragen, aber morgen! Morgen darfst Du wieder alles. Wirklich alles."

2. Es ist ganz einfach: 500 Kalorien an zwei Tagen in der Woche. An den anderen fünf Tagen ist alles erlaubt und alles egal. Das überfordert selbst mich nicht.

3. Dass an den anderen fünf Tagen die Diät Pause hat, kann ich gar nicht oft genug loben und preisen. Die paar mühsam abgesparten Extrapünktchen bei Weight Watchers kamen mir immer viel zu wenig vor, viel zu wenig Trost, viel zu wenig Essen, viel zu wenig Motivation. Hier muss ich nur einen Bruchteil meiner Zeit mit dem Quatsch zubringen, der Rest gehört mir und meiner Gier.

4. 500 Kalorien sind so wenig, dass ich gar nicht erst anfangen muss, mich mit dusseligen Light-Produkten auseinander zu setzen, die mir immer die Laune verderben. Viel Gemüse, weniger Obst und dann noch ein bisschen hochwertiges Eiweiß wie Fisch oder Tofu oder mageres Fleisch, das war es. Da müssen wir gar nicht erst diskutieren, ich und mein Bauch. Außerdem erfordert diese klitzekleine Menge, dass ich wirklich aufschreibe und zusammenzähle, nicht über den Daumen rechne und mir denke "Och, noch ein Apfel..."

5. Das mit dem Gemüse, dem Obst und dem Eiweiß habe ich beschlossen, nicht die Diät. Die Diät sagt, es ist ihr völlig wurscht, wofür ich meine 500 Kalorien verwende. Ich kann genau so gut ein Snickers essen, und gut. Ich mache es aber anders, weil ich den Bauch für möglichst wenig möglichst voll kriegen will und die Heißhungerattacken vermeiden will, die ein halbes Kartöffelchen (oder ein Snickers) unweigerlich nach sich ziehen würde.

6. In diesem Buch wird deutlich weniger moralisiert als in anderen Fastenbüchern. Das finde ich sehr schön. Die versuchen nicht, einen besseren Menschen aus mir zu machen. Ich will nicht besser werden, nur dünner.

7. Trotzdem zeigen sich bereits erste willkommene Nebeneffekte. Ich bin nicht mehr ganz so gierig. Jetzt schon! Nach zwei Fastentagen! Ja, ich habe auch gestaunt. Z.B. habe ich mich seit Tagen auf den Samstag gefreut, da wollte ich zu McDonalds gehen und mein bis dato liebstes Fressfest, die Hüttengaudi, feierlich begehen. Ich habe ein volles Tablett zu meinem Platz geschleppt. Und dann leider ungefähr die Hälfte - nein, zwei Drittel - stehen gelassen. Auf einmal war das alles nur noch pappig und fade. Den McRösti hatte ich irgendwie besser in Erinnerung. Die Fritten waren kalt und aus nicht besonders guten Kartoffeln. Der Cheeseburger wäre nicht nötig gewesen. Und die Käsegipfel... vier Stück waren in der Schachtel, zwei habe ich L. aufgenötigt. Nur die Cola habe ich wirklich gerne getrunken. Ziemlich verwundert habe ich den Laden verlassen und werde ihn vermutlich so schnell nicht mehr betreten. Und es war nicht dieses Magersucht-Phänomen, keinen Platz im Bauch zu haben. Das wäre auch lächerlich nach einem Tag. Ich hatte einfach keine Lust drauf. (Schön wäre es gewesen, wenn ich das einfach eine halbe Stunde früher gewusst hätte...). Vom selbst gebackenen Zitronenkuchen habe ich zwei Stücke gegessen, die waren sehr lecker, aber als meine Schwiegermutter gierig auf den Rest guckte, habe ich ihr den in Alufolie gewickelt und mitgegeben. Sollte das tatsächlich die erste Diät sein, die tatsächlich dafür sorgt, dass man gesünder isst, auch wenn man es nicht muss?

8. Ich habe ein klares Ziel: ich weiß genau, bis wann ich wie viel abnehmen will. Und noch habe ich das Gefühl, ich könnte das wirklich schaffen.

9. Dass der erste Fastentag der Woche der Montag ist, sorgt dafür, dass ich mich die ganze Woche fühle, als wäre ich schon morgens joggen gewesen. Zum Start gleich was richtig gemacht - schön.

So. Zweiter Tag diese Woche ist entweder Mittwoch (einziges Problem: abends Treffen mit Freundinnen) oder Donnerstag. Ich bin wirklich, wirklich bester Dinge. Wer hätte gedacht, dass eine Diät bei mir für so gute Laune sorgt?

Kommentare:

  1. Liebe Flora, wie heißt das Diät-Buch? Ich will das auch probieren.
    Lg gonal

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    1. Hallo! Das Buch heißt "the fast diet" ("fast" wie in Fasten, nicht wie in schnell) und ist von Mimi Spencer und Michael Mosley. Im April soll es auf Deutsch erscheinen. Es geht aber mit ein bisschen googeln und einer Kalorientabelle auch wunderbar ohne. Viele Grüße, Flora

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  2. Liebe Flora, alles Gute für die Versuche- also Abkürzung und Diät!! Ich kann im Moment nicht aufhören zu futtern. Mag auch an dem Frust nach der letzten Runde liegen- nach 2 Monaten Cycloprogynova um den FSH Wert zu senken und ein paar Tagen 6 Ampullen spritzen ( will auch ne Gold-Karte von meiner Apotheke- aber was kriegen wir dann als brauchbare Goodies?) hatte sich einfach nichts brauchbares entwickelt, das war dann doch sehr enttäuschend. Will auch nicht undankbar sein, da wir ja unsere Kleine haben. Habe Angst vor dem nächsten Termin, vielleicht heißt es dann, endgültig Realitäten akzeptieren.....
    Aber erst mal Dir toitoitoi und herzlichst Y.

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  3. Mal eine Frage an die erfahrenen Abkürzungsdamen: Wir haben nächsten Montag unseren ersten Termin im Kiwuzentrum. Wir probieren es noch gar nicht soooo lange aber ich bin 41 und habe Angst, dass es irgendwann zu spät ist, wenn wir noch lange warten. Allerdings habe ich jetzt schon von meheren Seiten gehört (u.a. vom Urologen meines Mannes), dass die Kiwukliniken, wenn sie einen erst mal "in den Fängen haben", schon sehr auf künstliche Befruchtung drängen und ziemlich Druck ausüben. Wie habt Ihr das empfunden? Ich bin echt ziemlich verunsichert, da man sich ja gern auf seinen Arzt verlassen möchte.

    Tina aus HH

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    1. Hallo liebe Tina,

      ich bin in HH im Endokrinologikum Lornsenstraße und hatte nie das Gefühl, dass ich zu einer künstlichen Befruchtung gedrängt wurde. Das wir jetzt doch mitten in einer ICSI stecken war unsere Entscheidung, da man nach über 6 Jahren Kinderwunsch einfach mal vorankommen möchte.
      In der Klinik wird man kompetent beraten, es werden am Anfang sicher viele Untersuchungen gemacht, aber es hat mir nie jemand versucht ein paar Extra-Sachen aufzuschwatzen.
      Sicher werden die Ärzte euch dort sagen, welche Behandlung Sinn macht oder nicht. Es geht halt darum den Aufwand und den Nutzen (die Chancen) abzuwägen.

      LG und viel Spaß!

      Kaya

      PS:_ Schreib dir einfach alle Fragen auf, die du hast. Dann vergisst man nichts....

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  4. Ich war in der Altonaer Straße und hatte auch nie das Gefühl in die Richtung gedrängt worden zu sein. Ganz im Gegenteil, haben erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft und als wir gerade zur künstlichen wechseln wollten hat die letzte stimulierte Insemination geklappt :-). LG Anja

    PS: Ist evtl ein nächster Stammtisch in Planung (hier oder von den anderen Ladies)?

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  5. Tausend Dank für Eure Antworten und sorry Flora, dass ich Deinen Blog kurz mal missbraucht habe ;)

    Stammtischmäßig wäre ich auch wieder gern dabei!

    LG Tina

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