Donnerstag, 16. Juni 2011

Papa mit 41 klingt gut.

Vor einer Minute habe ich eine Runde Snood verloren. Snood ist dieses Spiel, bei dem man kleine runde Monster mit einer schwenkbaren Kanone gegen andere kleine runde Monster schießen muss, und sobald drei oder mehr der gleichen Sorte zusammen kleben bleiben, lösen sie sich auf. Von unten vernichte ich also Snoods, von oben wachsen ständig neue nach. Sind alle Snoods verschwunden, habe ich gewonnen. Beim letzten Spiel ging es um einiges. Um nicht zu sagen, um alles. Ich hatte mit zusammengebissenen Zähnen vor Start der Partie beschlossen, wenn ich es diesmal schaffe, dann klappt es mit dem Kind. Zum Glück hatte ich einen Logik-Kurs an der Uni und war darin noch nicht mal schlecht, so dass ich weiß, das heißt nun nicht zwangsläufig auch, dass ich KEIN Kind bekomme, wenn ich es NICHT schaffen sollte. Trotzdem.... die Vorzeichen scheinen schlecht zu stehen. Nun könnte ich es also eigentlich genau so gut lassen mit dem Hormonzirkus, Snood hat gesprochen. Ohnehin scheint ja der größte Teil der Menschen, die schon Kinder haben oder in deren Lebensplanung Kinder keine Rolle spielen, der Meinung zu sein, das wäre nun mal Schicksal, und unsere IVFs, ICSIs etc. wären ein ziemlich alberner und verbissener Versuch, der Vorsehung, die sich vermutlich etwas dabei gedacht hat, ins Handwerk zu pfuschen.

Aber trotz des Snood-Orakels pfusche ich wohl weiter. Einer der guten Gründe dafür heißt L. und hat heute Geburtstag. Darüber, was für eine Sorte Mama ich abgeben würde, kann man ja geteilter Meinung sein. Es wäre z.B. nicht ausgeschlossen, dass ich eines Tages von Edeka nach Hause komme und mein draußen am Fahrradständer angebundenes Kind vergessen habe. Sowas könnte passieren, vor allem, wo ich jetzt schon so lange kein Kind habe, dass ich es glatt vergessen könnte, wenn ich irgendwann eins hätte! Aus alter Gewohnheit. So, wie man kurz nachdem man seine Monatskarte beim HVV abgegeben hat, noch das eine oder andere Mal im Tran ohne Fahrkarte einsteigt, weil man sich abgewöhnt hat, vorher an den Automaten zu gehen. Es könnte auch passieren, dass meinem Kind auf dem Spielplatz sein Rosinenbrötchen aus der Hand auf die Wiese fällt, und ich es aufhebe, kurz anpuste und ihm wieder in die Hand drücke. Angesichts dessen, dass ich gestern einen Werbefilm gesehen habe, in dem vor Keimen auf Seife gewarnt wurde, ist das natürlich vollkommen daneben. HORRORMUTTER!

L. dagegen ist über jeden Zweifel erhaben. Ich weiß genau, L. wäre der Papa, der mit Sohn oder Tochter am Wochenende zum Fußball geht und sie oder ihn zwei Halbzeiten lang auf seinen Schultern sitzen lassen würde. L. würde mit einer Wolldecke überm Kopf durch das Haus krabbeln und so lange das Monster geben, bis das Kleine vor lauter Glück und Aufregung die Windeln randvoll hätte. Er würde Stöcke schnitzen, Butzen bauen und ihm zeigen, wie man Stockbrötchen backt. Er wäre nie länger als zwei Minuten wütend, und er würde es nur durch diesen gewissen Blick schaffen, dass er auch im dicksten Kindergeburtstagstrubel noch genug Ruhe bekäme, um die Sonntagszeitung zu lesen. Er würde ihm Fahrradfahren beibringen, und wenn er zugucken würde, würde die Wurst sich mit Sicherheit trauen, vom Dreier zu springen. Oder würdevoll unverrichteter Dinge wieder abzusteigen. Er würde mit ihr Bücher mit Dinosauriern drin angucken, ihr die Mütze aufsetzen und sie den ganzen Weg bis zum Kindergarten auf dem Schlitten ziehen. Er würde das toll machen und mit Sicherheit niemals vergessen, sie am Fahrradständer wieder einzusammeln. Und darum hat er außer den ganzen anderen Geburtstagsgeschenken mehr als verdient, dass Snood sich spätestens gleich bei der Revanche einsichtig zeigt.

Kommentare:

  1. Och Liebelein, erstmal solltest Du L. einen Screenshot von diesem Post schenken, dann geht ihm auch ohne Nachwuchs das Herz auf und er weiß (einmal mehr), dass er die richtige Frau an seiner Seite hat. Zum Lieben, Leben, Kinderkriegen.
    Bestell mal herzliche Glückwünsche von Ssssss

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  2. "...unsere IVFs, ICSIs etc. wären ein ziemlich alberner und verbissener Versuch, der Vorsehung, die sich vermutlich etwas dabei gedacht hat, ins Handwerk zu pfuschen."

    Bitttteeeee?

    Sprachlos aus Hessen grüßt
    A.

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  3. Was für eine wundervolle Liebeserklärung

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  4. Schnief.. jetzt heul ich. Nauka

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