Dienstag, 30. April 2013

Für diesen Tag habe ich heute leider kein Foto

Glitschi-glitschi-glitsch. "Ihr Kind hat aber einen ganz schönen Eierkopf." Glitschidiglitschi-glitsch. "Aber das MUSS natürlich nichts heißen."

Aha. Wieso... na, egal.

Nein, nicht egal: bin ich die erste nervöse Schwangere, die auf dieser Liege liegt? Was heißt das jetzt? "Muss nichts heißen..." Kann aber? Und wenn ja, dann was? Heißt das nur, das Kind kommt nun doch nicht wie erhofft nach L., sondern nach seiner eierköpfigen Mutter? Heißt das, da ist irgendwas im Argen und jetzt hilft nur noch Daumen drücken? Wieso erzählt sie mir sowas? Und dann ist es auch noch zierlich. Zierlich! Letztes Mal war es noch "ein Brummer". Warum bin ich in solchen Momenten nie geistesgegenwärtig genug, zu fragen, innerhalb welcher Spanne wir uns hier mit den Normwerten bewegen? Liegen zwischen Brummer und zierlich jetzt 100 Gramm oder 400? Ein Kilo? Liegt es am Ende nur wieder an dem blöden Kartoffelsalat-Ultraschall? Und wenn der so schief misst, wieso machen wir das hier überhaupt? Ich steige doch auch beim Arzt nicht auf eine Waage, die mal zehn Kilo mehr, mal zehn Kilo weniger misst? Und auf einmal ist mein großes starkes Kind zierlich und hat einen Eierkopf.

Gestern, um es abschließend noch mal zusammenzufassen, war jedenfalls eher einer der mieseren Tage dieser Schwangerschaft. Nicht nur deshalb, weil ich insgesamt vier Stunden in Warte- und Sprechzimmern zugebracht habe und eine weitere auf dem Weg dahin und deshalb am Ende nur einen halben Tag mit meinem Auftraggeber abrechnen konnte, was mich eine solide Anzahlung auf den Kinderwagen gekostet hat.

Aber um beim Thema zu bleiben: im Krankenhaus hatten sie mir vorher telefonisch versprochen, in einer halben Stunde wäre ich mit der Anmeldung durch, sofern ich meine Papiere am Start hätte. Hatte ich. Trotzdem saß ich dann da und saß und saß, und die Laune verfinsterte sich zusehends, nicht nur, weil neben mir ein 65jähriger Unsympath mit seiner 25jährigen Freundin saß, die hochschwanger, mit so vielen Streifen wie ein Zebra und bei 12 Grad bauchfrei unterwegs war. Die erste Stunde habe ich gehofft, er wäre ihr Vater oder Opa. Dann hat er ihr den Arm um die Schulter gelegt und an ihrem Ohr gekaut. Tja nun. Das war wieder eine der Situationen, die man nicht direkt nach einer Abkürzungspleite erleben will. Die Ärztin, die schließlich mit mir sprach, musste sich erst doppelt telefonisch absichern, bevor sie einverstanden war, mich erst mal für eine normale Geburt vorzumerken. Zu hoher Blutdruck, 40, Konisation, schwanger nach Kinderwunschbehandlung, "zierliches" Kind? "Vermutlich werden wir es früher holen müssen. Und bis dahin engmaschig überwachen." Mein Blutdruckmedikament will sie dann auch noch mal umstellen. "Ihre Frauenärztin weiß da aber auch Bescheid." Weiß sie? Hat sie gar nichts von gesagt.

Nee nee nee, das war kein so guter Tag. Und ich hatte mich ehrlich auf die Anmeldung gefreut. Ein Meilenstein! Abkürzungsflora mit dem Gurkenbauch marschiert in ein Krankenhaus, der Bauch ist zwei Minuten vor mir da, und ich melde mich allen Ernstes für eine Geburt an. Nicht eine, sondern meine. Ich dachte, ich lasse eine Flasche alkoholfreien Sekt springen! Danach war mir dann irgendwie nicht mehr. Wieso bin ich eigentlich so leicht aus der Spur zu werfen? Woher diese Stimmungsschwankungen? Wieso reicht eine etwas unsensible Bemerkung, und ich stehe kurz vor einer Panikattacke?

Ach ja. Da war ja was. Mein kleiner, zierlicher, süßer Eierkopf.

p.s. jetzt habe ich noch mal nachgesehen in einer Tabelle. In der 30. Woche wiegen Babys durchschnittlich 1300irgendwas Gramm. Meins wiegt laut Kartoffelsalat-Ultraschall 1267. Ich würde mal sagen, nichts, was das eine oder andere Stündchen Ruhe und der eine oder andere Burger nicht hinkriegen können?

Kommentare:

  1. Hey, tief durchatmen. Alles wird gut. Diese Messungen sind sehr ungenau. Da brauchst nichts darauf geben. Die messen irgendwelche Durchmesser und daraus rechnen die das Gewicht hoch. Da sind Fehlerquellen ohne Ende drin.
    Keine Panik!
    Die Stimmungsschwankungen, ähm das sind die Millionen Hormone... Ich habe nur 10 Minuten vorher ordentlich Terror im Büro gemacht und meinen Kollegen die Meinung gegeigt (was ich im Nichtschwangerzustand nie mache, zumindest nicht in der Deutlichkeit). Dann lese ich Deinen Post und muß über uns beide lachen.
    LG!
    Ute

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  2. Ganz ruhig bleiben! Meine Tochter war laut Ultraschall bis zum Ende "zierlich" und brachte dann stolze 3800g bei 52 cm auf die Waage. Bei einer Freundin hatte sich die Ärztin um ganze 1000g "vertan" und sie ging dann mit einem Über-4kg-Baby aus dem Krankenhaus nach Hause! Und diese Geschichten mit dem "Muss-nichts-heißen" aus dem KKH kenne ich auch: Irgendwie sind die Ärzte auf den Geburtsstationen gern mal skeptisch und neigen zu Panikmache...

    Alles Gute!
    Sabine

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  3. Hier mal ein kleiner Trost von einer Auch-Schwangeren (35. Woche): Ich bin genauso - ich lasse mich auch von kleinesten verunsichern und würde mir genauso viele Gedanken und Sorgen machen, nach so einer doofen Aussage eines Arztes. Ausserdem verliere ich sowohl meine Denkens- wie auch Sprechfähigkeit in Anwesenheit eines Arztes, scheint es... (und freue mich immer wieder, dass mein Mann mich begleitet und dann "meine" Fragen stellt..).

    Zum Glück bin ich mit einer komplikationslosen Schwangerschaft gesegnet und geniesse die reine Hebammenbetreuung ohne Ultraschall, aber auch da gibt es immer wieder Sachen, die mir im Nachhinein noch tage- oder eher nächtelang Gedanken machen... So ist man einfach mit dem Dauer-Hormoncocktail!

    Alles Gute wünsche ich dir - ich lese schon lange still in deinem Blog mit :)

    LG
    Roxi

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  4. Hallo!

    Also bei mir hieß es auch, der Kleine hat nen länglichen Kopf, weil er in Beckenendlage saß und man hat mich auch verrückt gemacht, von wegen der Kleine sei zu leicht. Ich wurde sogar ins Krankenhaus geschickt, um dort die Werte kontrollieren zu lassen. Dort kamen die selben Werte raus, aber die Aerztin konnte mich wenigstens beruhigen. Sie erklärte mir auch, dass die Messungen oft ungenau sind, und gerade wenn die Kopfform etwas oval ist, wird das Gewicht vom Programm falsch berechnet.
    So war es dann bei mir auch. Ich hab mir Sorgen gemacht bis zum Schluss, aber als der Kleine 10 Tage vor ET auf die Welt kam, hatte er 3630g!
    Meine Ärztin hat bis zum Schluss bei jedem Termin nen Doppler gemacht, da wird die Versorgung ueber die Nabelschnur kontrolliert, und die Wete waren immer in Ordnung. Das hat mich ein bisschen beruhigt. Wurde das bei dir auch mal gemacht?
    Was den Eierfoermigen Kopf angeht... Also unser kleiner Mann hatte nen richtig schönen Kopf, da hieß es ja auch vorher, der waere eher länglich.
    Schon doof, wie man da staendig verrückt gemacht wird, aber als ehemalige Abkürzungsdame ist man da vielleicht noch etwas aengstlicher.
    Ich wünsche dir auf jedenfall eine schöne Restschwangerschaft, ohne weitere Sorgen!

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  5. Ja, es ist wirklich seeeehr schwer, sich nicht aus der Bahn schmeißen zu lassen; ich erinnere mich mit stillem Grauen an die SSW-Wochen 28-39, als ich wöchentlich im KH antanzen musste zwecks CTG und Schall und Doppler und blablabla, von wegen zu klein, zu eierköpfig, zu leicht, Fruchtwasser hin und her, weiß der Geier, und ich hatte zwar einen riesigen Bauch, aber ich hab ihnen trotzdem alles geglaubt. Ich konnte es dann kaum fassen, als er groß und schwer genug (die Schätzung lag einen ganzen Kilo drunter) und rundköpfig auf die Welt kam.
    Aber ich glaube, irgendwie spüren Sie eh, dass Ihr Sohn ok ist, und darauf sollten Sie vertrauen!!
    Viele Grüße aus Wien und alle Gute!

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  6. Liebe Flora,

    Ich lese schon lange deinen tollen Blog, und ich musste gerade so lachen über dein Schilderung des Ultraschalles. Ich war jetzt zweimal nach langjährigem Durchlaufen der ganzen Reproduktionsmaschinerie erfolgreich schwanger und mir erging es in beiden Schwangerschaften haargenau so wie dir bei der Geburtsanmeldung im Krankenhaus und überhaubt in den letzten Wochen vor der Geburt: Vorher war alles Sahne, und plötzlich war mein Kind zu zierlich, mein Blutdruck zu hoch und die Durchblutung nur noch lala und mein Nervenkostüm, das mit fortschreitenden Schwangerschaftswochen immer löchriger wurde, litt dabei zusehens und war bei maximaler Größe des Bauches quasi nicht mehr vorhanden bzw. in einen Dauer-Veitstanz gefangen. Bei der zweiten Schwangerschaft wusste ich immerhin vorher, dass ich die letzten Wochen vor Geburt damit verbringen werde, jeden Tag mehrfach in Tränen auszubrechen, gleich nach den Post-Arzttermin-Wutattacken und hysterischen Panikkrisen, es könne auf den letzten Metern noch was schreckliches passieren, geschüttelt zu werden. Und ich glaube,das ist für eine schwangere Ex-Abkürzungsdame voll normal! Eine doofe Zeit, dieses letzte Warten aufs Kind, die Frau ja angeblich genießen soll- wasn Quatsch. Aber sie geht, wie auch immer, vorbei! Und letztlich wird dein Kind kräftig und zierlich und wonneköpfig und einfach großartig und vor allem kerngesund sein, jawoll! Und der Kopf ändert im ersten Lebensjahr eh noch dreimal die Form, also was solls.
    Alles Liebe!

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  7. Schon bei der Geburt wirken solche Kräfte auf den Kopf, danach sieht er eh ganz anders aus. Kaiserschnitt jetzt mal ausgenommen.

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