Donnerstag, 4. April 2013

Liebes Würmchen,

heute morgen war zum ersten Mal unsere Hebamme zu Besuch, eine rundliche, freundliche und sehr herzliche Frau, genau so, wie ich mir eine Hebamme immer vorgestellt hatte. Und auf einmal war es fast so, als wärst Du schon da: ganz geschäftig und mit hochgekrempelten Ärmeln ging sie mit mir durch, was alles in den ersten acht Wochen nach der Geburt auf uns zukommt. Wie Dein Nabel langsam vertrocknen und dann irgendwann abfallen wird. Wie wir auf jeden Fall genügend Spucktücher brauchen werden, falls mal Milch unaufgefordert läuft, Du aufstoßen musst oder sonstwas daneben geht. Dass wir auch im Hochsommer Baumwollmützchen für Dich brauchen, dagegen auf Bodylotion, Babyöl, Puder und Babywaschgel verzichten können oder sogar sollen. Ein Teil von mir hätte gerne mitgeschrieben (besser wär's, seit ca. zwei Wochen kann ich mir überhaupt nichts mehr merken, aber wozu habe ich andererseits einen Blog, in dem ich mir alles Wichtige notieren kann?), aber ich war einfach zu beschäftigt damit, gebannt an ihren Lippen zu hängen und ständig zu denken "Unsere Hebamme. Das ist unsere Hebamme. Die ist hier, weil ich schwanger bin. Und wir demnächst ein Baby bekommen. Unsere Hebamme." Das nächste Mal sehen wir sie entweder zur geburtsvorbereitenden Akupunktur, falls ich die machen möchte, oder wir rufen sie einen Tag an, bevor wir mit Dir im Arm nach Hause kommen. Und weil ich auf die Akupunktur wohl doch verzichten werde (glaube ich jedenfalls, wenn ich bedenke, dass die Akupunktur-Zeit exakt mit der Zeit meiner größten Hormonpleiten zu Abkürzungszeiten zusammenfällt - so mies lief es selten) und stattdessen lieber noch ein paarmal zu meiner feinen Osteopathin gehen werde, sehe ich sie jetzt erst wieder, wenn ich Dich endlich zum ersten Mal gesehen habe.
Draußen wird es Frühling, die Nachbarn haben schon Krokusse unter der großen Eiche, vielleicht spendiere ich nachher L. und mir ein Eis zur Feier des Wochenendes und den Hunden die Hörnchen dazu, und je sonniger es vor dem Fenster wird, desto mehr kann ich mir das alles vorstellen. In vier Wochen hängt meine Winterjacke längst auf dem Speicher, in noch mal vier Wochen hängt mein Frühjahrscape daneben, und dann noch mal vier Wochen, und Du bist fast schon da. Gestern habe ich ausgerechnet, dass ich - zwei Mini-Urlaube ab- und unvorhergesehene Zusatzbuchungen nicht dazugerechnet - noch siebzehn Arbeitstage vor mir habe, bis im Juni der Mutterschutz beginnt. Siebzehn: angenommen, ich könnte mich mit Müesli und Special Ks bescheiden, dann müsste ich für den Rest der Zeit außer Milch wohl kein Arbeitsproviant mehr kaufen. Auch mit dem koffeinfreien Schwarztee käme ich hin. (Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, und meine Fressvorräte sind extrem wichtig für mich, um bei der Stange zu bleiben - auch wenn es nur noch für kümmerliche siebzehn Tage ist. Wenn Du willst, interpretier das ruhig so, dass ich Dich kaum noch erwarten kann. Leider hat es aber genau so viel mit meinem armen Steiß zu tun wie mit mütterlichen Gefühlen.)
Wir wissen immer noch nicht, wie Du heißen sollst, und nennen Dich deshalb jeden Tag anders. Vielleicht bleibt einer der Namen ja an Dir kleben? Meistens läuft es so, dass Dein Vater mir zum Beispiel etwas aus der Zeitung vorliest, und da kommt dann ein Polizeihauptmeister Augustin irgendwas vor, und ich sage "Augustin?" Oder mir fällt beim Aufräumen ein Buch von Lessing auf die Zehen, und Dein Vater sagt "Gotthold Ephraim?" Heute ist also Augustin dran. (Bisher klebt er nicht, Du musst also noch nicht in Panik geraten.)

Die Blogdamen müssen übrigens gar nicht erst nängern, genau wie die Familie erfahren sie den Namen dann, wenn Du ihn auch erfährst. Also eines schönen Tages, kurz bevor ich diese ausgezeichnete Schwangerschaftsjeans auf den Speicher hänge.

Ein dickes Küsschen von Deiner Mutter.

Kommentare:

  1. Liebe Flora,

    ich bin eine bisher stille Mitleserin deines Blogs - und dies schon seit Jahren. Ich freue mich so sehr mit dir, dass du endlich schwanger geworden bist und diese Schwangerschaft bisher gut verläuft - und du somit noch hoffentlich lange "brüten" kannst.
    Wir haben einen kleinen 4jährigen Sohn. Am Anfang wollte ich auch unbedingt ein Mädchen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie es so sein wird, mit einem Jungen. Glaube mir, es ist toll. Dieses süße Schlitzohr würde ich gegen kein Mädchen mehr eintauschen wollen. Es war Liebe von der ersten Sekunde an.
    Nach einer Eileiterschwangerschaft mit Eileiterentfernung klappt es jetzt leider seit 2 Jahren nicht mehr mit dem schwanger werden. Auch ich bin "schon" 38 und somit wird dieses Kind wohl leider Gottes unser einziges sein.
    Ich wünsche euch alles Gute und freue mich, weiterhin von dir bzw. später dann hoffentlich von eurem Leben zu dritt zu hören. Du schreibst doch hoffentlich weiter, oder?
    Ganz viele Grüße aus dem Rheinland,
    Stephanie

    AntwortenLöschen
  2. Liebste Flora,

    auch ich bin bisher nur stille Leserin. Zu Weihnachten habe ich dein/euer fabelhaftes Buch von meinem Mann geschenkt bekommen und bin von der ersten Seite an- ein Fan (zuletzt war das zu Kelly Family Zeiten der Fall :-) Ja, ich war total uncool)!

    Ich freue mich unendlich für dich und L. denn das Leben braucht dringend Happy Ends!
    Ich gönne es euch von ganzem Herzen.
    Jede Begeisterung, Angst und Vorfreude kann ich total nachempfinden & auch ich hoffe ganz bald mein persönliches Happy End im Arm halten zu dürfen...und völlig baff sein zu können, dass mir dieses Wunder tatsächlich zuteil wurde!

    Es gibt so viele materielle Wünsche & Bedürfnisse auf dieser Welt, aber ich wünsche mir "nur" eins: In einer Deckenhöhle sitzen und meinem persönlichen Wunder Astrid Lindgren vorlesen bis ich heiser bin. Wie es meine Mutter schon tat.

    In diesem Sinne...auf eine WUNDERvolle Zeit, lass es dir gut gehen & bleib so wie du bist (entgegen mancher nörgeliger Kommentardamen :-))

    Und allen anderen Damen in der Warteschleife ebenfalls jede Menge Happy Ends!!!

    Apfelbäckchen

    AntwortenLöschen