Dienstag, 9. Juli 2013

Elf Fragezeichen

Was, wenn wir noch nicht sofort wissen, wie Würmchen heißen soll, und daraufhin wird er im Krankenhaus vertauscht, und wir bekommen das grauenvolle Kind eines grässlichen, dämlichen, schlecht riechenden Paares, während die unser Würmchen mit nach Hause nehmen dürfen? Und wir sehen ihn nie wieder?

Was, wenn er eines Tages eine Freundin mit angeklebten Nägeln hat, die den ganzen Tag mit offenem Mund Kaugummi kaut?

Was, wenn er einen dieser Freunde hat, die immer sagen, sie hätten nichts getrunken, während sie in Wirklichkeit bumsvoll sind? Und er glaubt ihm und steigt zu ihm ins Auto?

Was, wenn er eines Nachts mit seinen Jungs am Baggersee ist, und alle springen von dem alten rostigen Kran, und er denkt, er muss das jetzt auch machen?

Was, wenn wir nur einmal, nur ein einziges Mal, vergessen, das Fenster zuzumachen oder die Balkontür, nur ein einziges Mal den Topf auf der vorderen Herdplatte stehen lassen oder das Messer neben der Spüle liegen lassen, und dieses eine Mal reicht schon?

Was, wenn ich mir diese ganze Schwangerschaft nur eingebildet habe, und am Freitag holen sie aus meinem Bauch das größte Myom aller Zeiten?

Was, wenn sich jetzt gerade auf irgend einem Klettergerüst oder in einem Kaninchenbau oder an einem Softeisstand die Todesbakterie gemütlich niederlässt, die sich dort vermehren und ihn eines Tages erwischen wird?

Was, wenn heute Abend seine zukünftige Kindergärtnerin den Typen kennenlernt, wegen dem sie in den nächsten Monaten ein massives Drogenproblem entwickeln wird? Ohne dass irgendwer, geschweige denn ihr Arbeitgeber, irgend etwas davon mitbekommt?

Was, wenn in dem wuscheligen Fell unserer Hunde zwei Killermaschinen stecken, die nur auf eine passende Gelegenheit warten?

Was, wenn ich das Baby bekomme, der Himmel ist babyblau, die Sonne lacht, alles ist gut, und dann überfährt mich im Stilltran ein Bus, und L. muss mit allem allein fertig werden?

Was, wenn wir wirklich, wirklich, aber wirklich miserable Eltern abgeben?

Man braucht wirklich nicht viel Phantasie, um kurz vor der Geburt die fieseste Sorte davon zu entwickeln. Brrrrrrrrr.





Kommentare:

  1. Zu Frage 6: Nennt ihn doch einfach Mio, das erste eigenständig lebensfähige Myom.
    Alle anderen Sorgen, was das myom in späteren Jahren machen wird, kann ich gut nachvollziehen. Ich hatte in den ersten drei Monaten ständig Panikanfälle, was meinem Sohn alles passieren könnte und habe mich grauenhaft überfordert gefühlt. am schlimmsten war es, als EHEC die Welt mit Angst und Schrecken überzogen hat. Ich wollte nicht mehr raus. Kein Essen anfassen. Nicht mal an Gurken denken. Und esse heute noch ungern Sprossen aus Angst vor der Todessprosse.
    Wird aber besser mit den Sorgen, finde ich.
    Alles Gute fürs Warten wünscht die Tina

    AntwortenLöschen
  2. Bedeutung: Sorgen = sich Sorgen machen, besorgt, in Sorge sein sich um jemandes Wohlergehen kümmern, die Pflichten auf sich nehmen, die zur Erhaltung oder zum Gedeihen einer Sache erfüllt werden müssen, sich bemühen, dass etwas vorhanden ist, erreicht wird... (sagt der Duden)
    Der Spruch: "Ein Kind zu haben bedeutet, ab nun sein Herz außerhalb des Körpers zu tragen" trifft es schon ziemlich gut.
    Ich denke ihr werdet das super machen mit dem Kleinen. Lieber jetzt einmal zu viele Sorgen machen als nachher zuwenig. Wenn ich mit meiner Nichte (6 Monate)alleine spazieren fahre, sehe ich auch überall Gefahren und schaue alle paar Minuten, ob sie noch atmet. Meine Schwägerin meinte, dass es besser wird mit den Jahren.

    Das wird schon werden..
    LG

    Kaya

    AntwortenLöschen
  3. Ich muss leider sehr lachen und das solltest Du auch. Wer so unendlich viel auf sich nimmt, um ein Kind zu bekommen und sich so unendlich viele Gedanken um das Glück seines noch ungeborenen Nachwuchses macht, wird ganz bestimmt keine schlechte Mutter.
    Alles Gute und eine entspannte restliche Wartezeit!
    K. aus F.

    AntwortenLöschen
  4. Ich musste auch total lachen. In den letzten Tagen vor meinem ET habe ich geträumt, dass ich in einem Zug sitze, der immer schneller in einen Tunnel fährt und bei dem sich herausstellt, dass die Bremsen kaputt sind...haha, sogar meine Metaphern sind einfach gestrickt. Das mit dem Sorgenmachen um das Kind und seine Zukunft kam dann erst in den Nächten, als er da war. Im Geburtsvorbereitungskurs hat sie uns gesagt, dass wir uns jetzt für immer Sorgen machen werden, auch noch, wenn z.B. unser Sohn mit 60 in Frührente gehen will. Du wirst genauso viel und wenig falsch machen wie alle motivierten Eltern und ich wünsche Euch Dreien alles Glück dieser Welt!! Ich traue Dir auch zu, mit einer Freundin und angeklebten Nägeln klarzukommen;-) c aus K

    AntwortenLöschen
  5. Du bist bald Mama und als Mama ist Frau dauerbesorgt...Freunde aus kinderlosen Zeiten erkennen mich manchmal nicht wieder. Der kleine Mensch ist Lebensmittelpunkt, Wunder, Glück, unendlich kostbar und so schutzbedürftig. Viel Spaß und alles gute :-)

    AntwortenLöschen
  6. Beruhigend zu lesen, dass es anderen auch so ergeht. Ich bin fast sicher, dass auch dieses übermäßige Sorgen-machen von den Hormonen kommt.
    Ganz schlimm ist ca. das erste halbe Jahr nach der Geburt - da konnte ich kaum den Fernseher anmachen oder die Zeitung aufschlagen. - Zu hoch das Risiko, dass irgendeine Meldung über ein schwerkrankes, entführtes, misshandeltes oder getötetes Kind mich völlig aus der Fassung brachte. Solche Meldungen sind natürlich immer schwer erträglich, aber in der Endschwangerschaft und kurz nach der Geburt führten sie -zumindest bei mir- zu wirklich schweren Krisen mit Schlaflosigkeit und Tränenfluten.. alle Abgeklärtheit und Abgrenzungsfähigkeit war dahin. Aber es geht einigermaßen vorbei. Bestimmte Zeitungsmeldungen lese ich aber nach wie vor nicht mehr, seit ich ein Kind habe.

    Meine Empfehlung, liebe Flora: pack dich ruhig eine Zeitlang ein bisschen in Watte, so "alles- wird-gut-mäßig". Versuch deinen Verstand etwas runterzudrosseln, der hormonbedingt heißläuft und alle (un)möglichen Gefahren in Endlosschleife runterrattert. Schau ein bisschen Rosi Pilcher statt Monitor, das muss jetzt mal erlaubt sein,
    findet
    Jo

    AntwortenLöschen
  7. Ah, noch ein Highlight zum Thema Sorgen machen...
    Bei Baby Nummer zwei habe ich genau deswegen abgestillt...nein, keine Angst vor Umweltgiften ect...
    Jedesmal beim Stillen habe ich mir die schrecklichsten Dinge ausgemalt, die Mini - oder uns allen zusammen - zustoßen könnten, und war anschliessend in Tränen aufgelöst.
    Meine Hebamme meinte, das sein keine postnatale Depression, sondern das könne durchaus vom beim Stillen entfesselten Hormonorkan ausgelöst werden...Oxytozin läßt grüssen.
    Es wurde aber nicht besser, sondern immer schlimmer... also bin ich auf Salbeitee umgestiegen, der Zwerg auf HA Pre - und alle waren happy...
    PS... Dann kam der nächste Schock...Grüner Stuhlgang bei Kind ... "nö, das ist bei HA Pre normal....
    LG Svea

    AntwortenLöschen
  8. :-) - willkommen im Leben als sich sorgende Mutter! Ja, über irgendwas kannst Du Dir immer Sorgen machen, aber ich würde mit den Punkten 2-4 warten, bis sie dran sind. Das kann dann auch alles noch ganz anders kommen, glaube mir.
    Vorerst konzentrierst Du Dich am besten auf die naheliegenden Dinge und vor allem - entspann Dich! Das wird schon! Und von allen möglichen Möglichkeiten passieren selten die schlimmsten - das ist echt so, sonst gäbe es längst keine Menschen mehr.
    In der Tat habe ich auch vor fast 20 Jahren meine Sorgen- und Ängstekarriere angefangen - das Schöne ist, wir leben alle noch ;-). Zwar ist manches anders gelaufen, als ich dachte oder wollte und vor allem die Pubertät hält für alle Seite tolle Überraschungen bereit, aber - Du hast ja Zeit, da hinein zu wachsen.

    LG, Kpunkt (die nur ein bisschen älter ist als Du und zwei von drei Kinder bereits durch die Pubertät gebracht hat)

    AntwortenLöschen
  9. I have so been there!! ;) Das ist alles ganz normal. Und Sorgen werden fortan dein ständiger Begleiter sein, aber man kann sich auch dran gewöhnen...

    Alles Gute für den Endspurt, S.

    AntwortenLöschen