Samstag, 21. Dezember 2013

ALARRRRRRMMMMMM! Das Kind schläft.

Sobald Ndogo tagsüber mal die Augen zumacht, bricht hier hektische Aktivität aus. Jetzt z.B.: ich war noch kurz im Supermarkt mit ihm, dabei schläft er immer ein, und so lange die Ruhe da unten anhält, will ich versuchen, folgende Punkte von der Liste zu haken: Post schreiben, Weihnachtsplaylist machen, Kuchen backen, Nigellas Union Square Café Nüsschen machen, um sie an nette Nachbarn zu verteilen, Trockner anschmeißen, Waschmaschine anschmeißen, Gästebetten für Familie beziehen und ganz vielleicht sogar noch Staubsaugen. In diesen kostbaren Viertelstunden verwandele ich mich immer in einen dieser Straßenmusiker, die es nur in Karrikaturen gibt: so einen, der gleichzeitig Mundharmonika, Pauke, Rumbarassel und Trompete spielt. Na? Tut sich was?

Nein. Also los.

Laufen war für mich immer eine hoch emotionale, rockymäßig aufgeladene Angelegenheit. Vor der ersten Cantienica-Stunde sollten wir der Kursleiterin schriftlich mitteilen, was genau uns in diesen Kurs treibt. Ich habe geschrieben, ich mache mir seit der Geburt in die Hose, was insgesamt natürlich unerfreulich ist, aber VOR ALLEM deshalb, weil ich so nicht wieder laufen gehen kann. Wer es noch nie erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen, aber nichts ist so verhängnisvoll wie laufen, wenn man ein Pipiproblem hat. Ich könnte mir vorstellen, Springreiten, Trampolinspringen oder Rasensprengen sind weniger schwierig, auch wenn ich noch nichts davon seit der Geburt ausprobiert habe. In dem Kurs habe ich eine Menge gelernt. Z.B., dass richtige, klassische Bauchübungen nach einer Geburt das letzte sind, was man tun sollte: in der Schwangerschaft werden die Bauchmuskeln in der Bauchmitte nach links und rechts gedrückt und brauchen eine Weile, um wieder zurück zu wandern, wenn das Kind auf der Welt ist. Macht man zu früh richtige Bauchübungen, dann bleibt das so: man hat dann quasi ein Loch in der Bauchmitte. Also keine Situps und keine Klappmesser bei Cantienica. Außerdem haben wir den Bauch nicht einfach eingezogen für die Übungen, sondern uns vorgestellt, wir würden ein X mit unserem Bauchnabel machen. Es klingt bescheuert, aber hat man es erst mal gelernt, dann sieht man in einer Sekunde ungefähr fünf Kilo leichter aus und hat tatsächlich das Gefühl, gerade die Muskeln hinter den doch eigentlich auch ziemlich tiefsitzenden Pilates-Muskeln zu trainieren. Ich will nicht alles verraten, schließlich sollen ja auch noch ein paar Damen in die Cantienica-Schule gehen, aber irgendwas daran scheint zu funktionieren, wenn auch anders als gedacht. Eigentlich neige ich zu viel zu frühen und viel zu harschen Urteilen bei solchen Kursen, aber obwohl ich nach wie vor keiner Ubahn fünf Schritte hinterherrennen kann und noch weit entfernt von meinem ersten Lauf im Park bin, habe ich doch das Gefühl, so ganz, ganz langsam tut sich etwas. Und ich weiß jetzt schon, wenn ich irgendwann die Stöpsel in die Ohren stecke, die Nike Frees zuschnüre und tatsächlich eine halbe Stunde locker durch den Park trabe, mit trockener Hose, dann wird das so ungefähr das Gefühl sein wie damals bei Heidi, als Clara wieder laufen konnte. Auch, wenn die Hose trocken bleiben wird, die Augen werden es nicht. (Ich versuche es also auf jeden Fall erst nach Einbruch der Dunkelheit oder vor Sonnenaufgang.) Und auch, wenn einige Damen im Kurs scheinbar nicht so glücklich mit dem Ergebnis waren, würde ich sagen: abenteuerlustige Damen sollen es ruhig mal versuchen. (Es gibt auch einen Cantienica-Kurs, der das Gesicht faltenfrei und straff halten soll. Ich spiele ja mit dem Gedanken...)

Das Kind schläft immer noch, vielleicht mache ich sicherheitshalber schon mal die Playlist für diesen Anlass?

Damit zum nächsten Punkt auf der Liste.

Kommentare:

  1. Hm, also ich mache ganz viele Sachen davon auch wenn unsere Lütte wach ist, wo ist das Problem?
    Kirsten

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    1. Hallo Kirsten, es ist nicht so, dass ich mit wachem Baby komplett handlungsunfähig bin - es geht nur alles eine ganze Nummer fixer, mit weniger Unterbrechungen und entspannter, wenn Ndogo so lange ein Rätzchen macht. Viele Grüße!

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    2. Dann sei frohen Mutes, daß Du zu den glücklichen 1% gehörst, die ein Anfängerbaby haben und wisse es zu schätzen ;)

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    3. War an Kirsten gerichtet, bei Flora hört es sich eher nach Normalo-Baby an :)

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  2. Also unsere Maus (6 Monate alt) ist sehr anhänglich und will viel beschäftigt werden. Ich habe mich in dem Straßenmusiker wiedererkannt und musste lachen. Ja so wusel ich auch durch die Wohnung, vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit.

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