Montag, 28. November 2011

Aus heiterem Himmel

Ich lese ein Buch, das von einer Frau handelt, die zwei Kinder hat und gleichzeitig einen Job, der nichts damit zu tun hat, anderen Leuten Milchcafé zu servieren oder total niedliche Strampler zu gestalten. In dem Buch ist viel die Rede von Schlafentzug, von in letzter Minute vor der Präsentation vollgekotzten Kostümchen, von Schuhen, von frustrierten Ehemännern, von den Supermüttern, die nicht arbeiten und sowieso alles besser machen usw.
Und ich fühle mich sicher, ich mag das Buch, und ich bin froh, mal aus einigermaßen witziger Feder zu lesen, dass es auch gar nicht so schlecht ist, keine Kinder zu haben.

Und dann, so ca. auf Seite 156. Die junge Kollegin sagt, dass sie dann wohl im Zweifel lieber keine Kinder kriegt. Und jetzt, jetzt kommts, das, wofür ich alle, wirklich bisher alle anderen Eltern-Kind-Bücher hasse: der "ohne Kinder ist das Leben nur ein oberflächlicher Scheiß, du stirbst, und nichts bleibt zurück"-Teil.

Warum, warum, warum nur müssen alle Menschen mit Kindern - egal, wie schlüssig sie gerade geschildert haben, wie anstrengend das alles sein kann - am Ende zu diesem Schluss kommen? Ich kann vielleicht wirklich keine Kinder bekommen, und dann? Erschieße ich mich am Besten? Bleibt ja eh nichts übrig?

Ich hab einen düsteren Verdacht. Die müssen das schreiben. Die drehen sonst durch vor Stress, vollgekotzten Kostümen und Schlafentzug.

Kommentare:

  1. Nein, sie müssen das nicht schreiben, sie sind nur feige. Zu feige, um sich einzugestehen, dass Kinder doch nicht der Mittelpunkt des Lebens sind. Unzählige schlaflose Nächte, ein Kind, dass sich im Supermarkt auf den Boden schmeisst, Sex mit dem Partner durch pure Anwesenheit im Ehebett verhindert,nasse Handtücher zusammenknüllt und das teure Designershirt zum Sportunterricht mitnimmt. Und das alles, um am Ende ins Altersheim abgeschoben zu werden.
    Von mir und meinem Mann wird überall etwas zurückbleiben: wir besuchen zweimal im Jahr eine Hauptstadt eines unbekanntes Landes. Ein Viertageliebesurlaub. Und jedesmal das gleiche beknackte Foto: küssend vor einer Sehenswürdigkeit. Und das ist nicht oberflächig.
    Hochachtungsvoll
    S.L.

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  2. Sie müssen es nicht schreiben aber vielleicht fühlen Sie so. Sie denken vielleicht wie du ohne Kinder mit Kindern. Das es genauso wie es ist perfekt ist. Der Sex findet eben dann an anderen spannenden Orten statt und dein Kind ist evtl. so gut erzogen, dass es sich nicht auf den Boden schmeisst :-) Vielleicht findest du aber auch den Weg wie S.L. und wirst ohne Kinder glücklich. Ich kann es mir für mich nicht vorstellen.

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  3. Als der letzte Versuch fehlschlug, habe ich immer wieder laut vor mich hin gesagt, dass es ein totaler Unsinn ist, dass wir uns ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen können. Denn: wir führen bereits all die Jahre ein solches Leben. Heim kommen - ohne schlechtes Gewissen, weil wieder niemand Brot gekauft hat; in die Wanne gehen, wann wir wollen; essen, was und wann wir wollen; die Kleider da liegen lassen, wo sie zu Boden fielen und sich auch gelegentlich schlecht benehmen. Bergtouren machen, den ganzen Tag im Schlafanzug in der Wohnung verbringen...usw. Und trotzdem hätten wir gern solch ein kleines Bündel, eines das uns in den Wahnsinn treibt und auch bekotzt. Is so.
    Juli

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  4. Ich halt Dir die Kotztüte...hau raus :-)
    Eigentlich können sie einem doch leid tun. Die Eltern und die Kinder. Müssen sie eine schwere Bürde tragen. Einzig sinnstiftend für das Leben ihrer Eltern verantwortlich zu sein...Ich sag mal so: irgendwann muß sich jeder mit sich selber auseinander setzen. Manche früher und manche später....:-) Wenn ich tatsächlich kinderlos bleiben sollte, (huch, ich hab´s auch ausgesprochen, das böse Wort) hol ich mir ne XXL-Tüte Popcorn und ne Jumbo-Cola, leg die Füße hoch und zieh mir das Schauspiel genüsslich rein, wenn die Blagen das elterliche Haus verlassen...Das Leben liebt jeden...:-) LG

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  5. ...ich ergänze mich: vielleicht passt auch ein guter Rotwein dazu...:-)

    LG und gute Nacht,
    die Funny

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  6. Auch, wenns total arrogant klingt: Man muss das Leben halt so nehmen wie es kommt und das Beste daraus machen! Bleibt einem doch eh nix anderes übrig... Die Kugel geb ich mir nur, wenn ich so wie es ist nicht glücklich bin und das Gefühl habe, es fehlt was. Obs Kinder sind oder die Freiheit der Kinderlosen ist dabei egal!

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  7. Was ich mich nur frage, ist: wieso ist das immer so einseitig? Wieso lese, höre, sehe ich immer wieder diese Botschaft, dass NUR Kinder am Ende das Leben sinnvoll und erfüllt machen? Und selbst in diesen "neuen" Elternbüchern und -Filmen, in denen Kinder eigentlich laute, nervtötende Landplagen sind, kommt immer, wirklich immer irgendwann der Punkt, an dem es heißt: jaja, schon alles schlimm, aber wie traurig, arm und leer wäre unser Leben ohne sie? Wir Kinderlosen, schon gleich dreimal wir ungewollt Kinderlosen, erzählen doch auch nicht dem Rest der Welt, dass das hier die einzig wahre Art zu leben ist und alle anderen einem leid tun können. Herrje.

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  8. ich vermute es ist irgendeine unheilige hormonallianz, die sich ab der zeugung in das mutterherz impft. und dies alles nur damit sich die junge mutter nicht die kugel gibt...das ist ein ganz ausgeklügelter plan der natur...

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  9. Na ja, es hat vielleicht damit zu tun, dass die Kinder der Autoren das Buch ja irgendwann lesen werden und fast niemand will doch seinen Kindern sagen: "ihr wart ein Fehler! Ihr wart nur Stress, ihr habt nur genervt." Deshalb haben doch diejenigen, bei denen es geklappt hat, kaum ne andere Wahl als neben den negativen auch die positiven Seiten zu betonen! Und außerdem redet sich doch jeder sein Leben gern auch ein bißchen schön.
    Es wäre sicher hart, wenn ein Traum nicht in Erfüllung geht (geht er aber,geht er aber, geht er aber), aber ihr wisst doch aus eigener Erfahrung, dass das auch manchmal ungeahnte Türen öffnet. Also ruhig weiter an dem Traum arbeiten, aber sich trotzdem vor Augen halten, dass es natürlich totaler Quatsch ist, dass ein Leben ohne Kinder nichts wert und oberflächlich ist. Auch wenn sie mir politisch nicht nahe steht;-), als besonders plakatives Beispiel: schaut Euch doch zB Angie Merkel an, Selbstverständlich bleibt was von ihr, wenn sie stirbt und es ist doch absolut bewundernswert, wie sie im Moment die Politik eines Kontinents bestimmt. Und auch in
    kleinerem Rahmen stimmt das genauso. Liebe Flora: schmeiß die Bücher, die Du da gerade liest in den Kamin und halt mal -einfach zur Ablenkung- Ausschau nach Büchern starker kinderloser Frauen. Wie wäre es mit Ella Maillart, Verbotene Reise? Oder auch "1000 Places to see before you die"? Und Du hast Recht, die Leute die immer anderen ihre Wahrheit aufzwingen wollen nerven einfach nur. Die Welt ist zum Glück nicht schwarz/ weiß. Lasst Euch nicht ärgern.
    Herzlichst, Y.

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  10. Als zweifache Mutter mit langer Kinderwunschgeschichte versuche ich es mal so: Die schreiben das, weil es genau den Empfindungen entspricht. Nichts auf der Welt vorher hat einen je so genervt und an den Rand des Wahnsinns getrieben, wie die eigenen Kinder. Aber ein Leben ohne die Quälgeister ist nicht mehr vorstellbar, leer, sinnlos und nie hat man irgendjemanden so geliebt wie eigene Kinder!
    Das zu schreiben spricht wohl jeder Mutter aus der Seele, nur denkt keiner daran, wie sich die Kinderwunschlerinnen dabei fühlen.
    Ich für meinen Teil habe einfach das "Glück" zu wissen, wie es mir während der Behandlung beim Lesen solcher Bücher, Belauschen solcher Gespräche etc. innerlich ging.
    Nur seid Euch sicher, wenn es bei Euch geklappt hat, werdet Ihr nicht anders, nur vielleicht wegen Eurer Vorgeschichte eben vosichtiger, weil Ihr die Wirkung Eurer Worte auf andere Frauen abschätzen könnt.
    Keinesfalls glaube ich, dass man sich den Strick nehmen sollte, falls man kinderlos bleibt und kein glückliches Leben mehr haben kann. Nur dieses paradoxe, das Genervtsein und die Anstrengung einerseits sowie die unmenschliche Liebe und Zuneigung andererseits, sind so überwältigend, dass Frauen sich darüber auslassen, um nicht zu platzen.
    LG Steffi

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  11. Flora,
    öffnest Du gerade die Büchse der Pandorra :-)
    auch wenn eigentlich heute sämtliche Familienformen vorherrschen, orientiert sich doch Vieles nach wie vor am normativen Familienideal (Mama-Papa-leibliches Kind).
    Vom Staat, von beliebigen Institutionen, von der Werbung (wem sag ich das) etc. pp begeistert aufgegriffen (aus vielerlei Gründen) - und es wirken bis heute traditionelle Geschlechterbilder.
    Kinder als Grundlage menschlicher Existenz und "Leben zeugen" eine in allen Kulturen und Religionen definierte quasi heilige Pflicht.
    Eltern stehen somit also auf der vermeintlich richtigen Seite und am Ende des Tages überwiegt geprägt und erzogen durch all das, das zufriedene Gefühl, etwas so durch und durch richtiges und groß(artiges) vollbracht zu haben, dass andere Lebenskonzepte zwangsläufig minderwertiger gesehen werden (müssen).

    Brauchst Du nicht mal Bücher für: machst Du Fernseher an und guckst in die aktuelle Werbung: "was wäre Weihnachten ohne kinder?"
    Ja, was wäre es wohl, Arschloch? :-)
    Immer noch Weihnachten....

    In diesem Zusammenhang kann man sich übrigens auch gerne mal selber hinterfragen, wie autonom eigentlich die eigenen Entscheidung pro Repromed. ist (mich an die eigene Nase fassend) Gilt doch die sogenannte reproduktive Autonomie als Basis des Informed Consent und wird von der Repromedizin und der Bioethik ach so gerne angeführt, wenn es um die Legitimierung der potentiellen Gefahren der Repro geht. Letztlich ist Autonomie sehr relativ.
    Ich schwof ab...:-)

    Fakt ist aber doch: alle Studien zur Lebenszufriedenheit ergeben, dass Elternschaft nicht zufriedener und glücklicher macht, als Kinderlosigkeit. SO !

    Kann man übrigens noch toppen, den Käse mit dem: "das Leben ohne Kinder ist total sinnlos".
    Indem einem, gerne Mehrfach-Eltern, in stolzer, grenzdebiler Selbstgefälligkeit den Satz hinter o.g. Feststellung herschieben:

    "selbstverständlich hätte ich mich damit aber abgefunden (mit diesem sinnlosen Leben)."
    "Großartig, Du Heldin" (denken)….(Antworten:) "Wieso jetzt eigentlich sinnlos…??Meinst Du nicht, dass…."
    Obwohl: Kürzt es einfach ab und antwortet gerne: "LmaA" .... oder sowas in der Art.

    Fröhliche Mittagsgrüße
    die Funny

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  12. Da kann ich mich der Funny voll und ganz anschließen! Als ehemalige Abkürzungsdame,und seit vergangenem März mit einem Sohn "belohnt",muss auch ich sagen ,dass ich jetzt,als Neu-Mutter, ebenfalls das Gefühl habe mehr angesehen und akzeptiert zu sein. So, als wäre man vorher nur ein unbedeutender Wicht gewesen und hätte der Gesellschaft ja noch keinen Dienst erwiesen. Und jetzt? Dreht sich Alles!!!! nur um das Kind..: Wie geht's denn H. ? Was macht denn der Kleine? Hat er schon Zähne? Schläft er schon durch? Danke der Nachfrage, mir geht's auch so einigermaßen ,habe seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr durchgeschlafen,
    Einen Zahn hat er mich auch gekostet und einen Garantieschein ,dass er länger lebt als ich, um mich auch im Altenheim zu besuchen und der Nachwelt von mir zu erzählen ,damit "etwas bleibt",hat er auch nicht dabei gehabt.
    Liebste Flora,was ich damit sagen will ist:
    Es ist absoluter Blödsinn,dass nichts von Dir bleibt,aber WIR SIND ALLE NEIDISCH AUF EUER LEBEN OHNE KINDER!!!!Und können es nicht sehen ,wenn jemand unbeschwert in den Tag hineinlebt!Und das müssen wir Euch halt irgendwie madig machen,dieses Leben.Nie mehr werde ich so sehr bei mir sein ,wie ohne Kinder.Nie wieder steht man so im Zentrum des Seins ,wie ohne Kinder. Bitte genießt Euer Leben wie es ist! Keiner garantiert Euch,dass das Kind ,was da vielleicht bald kommt all Eure, an ihn gestellten Erwartungen, erfüllt.
    Denn eines ist garantiert: Die Sorgen werden MIT Kind nicht weniger! Sie verändern sich nur und werden sogar noch mehr!
    Oje,das war jetzt alles sehr wirr,viel und hier und da wohl auch unvollständig,aber so ist das mit einem quirligen 9 monatigem im Hintergrund...

    Neidische Grüße ;)
    Claudia

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  13. Hallo Flora,

    irgendwie kommt das bei mir "ein bisschen seltsam" an: Dein Blog dreht sich fast ausschließlich darum, welche möglichen und schier unmöglichen Dinge man auf sich nimmt um endlich, endlich zu einem Kind zu kommen....

    Aber dann, wenn man schon Kinder hat, darf man nicht sagen: "Es ist großartig! Ohne war's nicht ganz so toll?"
    Da muss man das Elternsein "schrecklich anstrengend" oder sonst was finden?
    Sollen alle, die schon Eltern sind ihre Elternschaft jetzt wenigstens ein bisschen "doof" finden, damit Du Dich besser fühlst???
    Wenn Kinder eines von ihren Eltern brauchen, dann doch wohl das Gefühl, dass sie unverzichtbar für ihre Eltern sind.
    Warum willst Du unbedingt ein Kind, wenn es hinterher dann doch nicht "so toll" sein darf?
    Wenn es ohne Kind genauso "gut" ist wie mit Kind, warum sollte man dann eins bekommen?
    Zur Selbstverherrlichung?
    Damit andere es toll finden?
    Damit man dann einen Blog über das Kinder-Haben schreiben kann und wie anstrengend das ist?
    Begreif ich nicht.

    Kinder zu haben verändert die Sicht auf viele Dinge. WIE, das kann man sich tatsächlich VORHER nicht vorstellen!
    Kinder haben ist toll - mit allen Höhen und Tiefen - und tatsächlich ist es mit nichts anderem auf der Welt zu vergleichen - weder dem Rotwein, der tollen Reise oder dem sonntäglichen Ausschlafen.
    Denn ein neuer Mensch, ein Kind, welches Du liebst erweitert Dein Leben in jede Richtung.
    Das Leben ohne Kinder ist nicht "schlecht" - nur wenn es "gut genug" wäre, warum willst Du dann ein Kind?

    Kein Kind zu haben ist ein Verlust.
    Ist es falsch das zu sagen, nur weil es wehtut? Mit diesem Verlust (womöglich dauerhaft) zu leben ist schwer und zeitweise sehr schmerzhaft.
    Mit dem Sinn oder dem Wert Deines Lebens hat das aber nichts zu tun.

    Nebenbei bemerkt (wenn auch ein Allgemeinplatz):
    Das perfekte Leben gibt es weder mit noch ohne Kind
    - und seit wann sagt Dir Deine Umwelt, was DU brauchst um glücklich zu sein???

    Vielleicht sind es Deine eigenen Bewertungen, die Dich "unglücklich" machen?

    Grüße von
    Lizzie

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  14. Bin ich nicht Flora - aber ich krieg grad Puls und kann mich nicht auf die Finger setzen.

    Es geht doch für mein Verständnis hier überhaupt nicht darum, dass man das Leben mit Kind nicht toll finden darf - sondern darum, dass es ohne Kind nicht lebenswert sein soll...dat is ein ziemlicher Unterschied lüpstä Lizzy.

    Ich zitier Dich mal:
    "Das Leben ohne Kinder ist nicht "schlecht" - nur wenn es "gut genug" wäre, warum willst Du dann ein Kind? und
    Wenn es ohne Kind genauso "gut" ist wie mit Kind, warum sollte man dann eins bekommen?
    Zur Selbstverherrlichung?
    Damit andere es toll finden?
    "

    MIR stellst Du die Fragen ja nicht, aber ich beantworte sie Dir trotzdem :-)

    Ich will kein Kind, weil mein Leben nicht gut genug wäre. Und ja, ich glaube, mit Kind kann es genauso gut oder schlecht sein, wie ohne Kind. Tatsächlich.

    Ich will ein Kind, weil es so ist. Der Kinderwunsch ist einfach - aus sich selbst heraus, verstehste? Feddich. Die Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
    Und erfüllt sich diese nicht, dann ist die Trauer riesengroß - und jede hier hat sicherlich schon mehr als einmal mit dem Hinterm auf dem Grund des Abgrunds gesessen...

    Aber deshalb ist mein Leben mal noch lange nicht sinnlos, wenn ich kinderlos bleibe.
    Und wer sich ein Kind wünscht, einzig damit sein Leben einen Sinn bekommt, oder gar "besser wird", der sollte lieber nochmal drüber nachdenken. Da, meine liebe Lizzy verbergen sich nämlich dann eine Menge extrinsische Motivationen.

    Not funny,
    die Funny

    schuldigung, Flora...bin schon wech....:-)

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  15. So, ich schreib nun auch nochmal etwas dazu. Ich gehöre ebenfalls zu den Frauen, die ungewollt kinderlos sind.

    Letztens hat eine ehemalige Arbeitskollegin auf Facebook etwas gepostet, wo es um etwas ähnliches ging: was Kinderlose alles verpassen und nie erleben werden und wwie man auf solche Erfahrungen bloß verzichten kann usw usw.

    Mich regen solche Sachen nicht mehr auf.

    Was mein Leben (auch ggf. ohne Kinder) betrifft: ich lebe es aus. Mache, wozu ich Lust habe. Treffe, helfe, tröste und sorge mich um liebe Freunde.

    Ich bin gesund, kann Sport machen, habe Arbeit, leiste gute Arbeit.

    Meine Beziehung ist toll, ich hab den besten Kerl der Welt! :) Der steht alles mit mir durch!

    Reise, feiere, schlafe, esse wann ich will und wo ich will. Alles ist einfach wunderbar, so wie es ist.

    Das ist doch kein oberfläches Leben, oder liebe Mädels?

    Zufrieden zu leben (egal unter welchen Voraussetzungen!): das ist für mich ein sinniges Leben!

    LG mit einem mehr als zufriedenen Lächeln!

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  16. Manchmal bin ich völlig verblüfft, auf welche Posts hin plötzlich die Hölle los ist und auf welche hin sich gar nichts muckst. Das hier ist auch so ein Überraschungspost gewesen. Liebe Lizzie, ich dachte eigentlich nicht, dass es da irgend etwas in den falschen Hals zu kriegen gibt - ja, ich wünsche mir ein Kind, also bin ich, auch ja, offensichtlich und bei dem beträchtlichen Aufwand, den ich betreibe, um mir diesen Wunsch zu erfüllen, auch der Ansicht, mein Leben könnte noch schöner sein mit Kind als ohne. Ich will nur nicht mehr aus der Feder oder dem Mund von Leuten lesen, die Kinder haben, dass das Leben vorher und das Leben der bemitleidenswerten Leute ohne Kind so unfassbar leer und sinnlos ist. Sicher haben wir alle Mechanismen, wie wir uns das, was gerade ist, erträglicher und besser
    deuten. Aber dass das auch gleich diesen Automatismus, die anderen wären doch pauschal ganz arme Schweine, einschließen muss , das kenne ich eigentlich nur in die Richtung Leute mit Kinder - Leute ohne Kinder. Es kann sein, dass mir trotz heftigem Kinderwunsch mal eine Mutter von zwei unausstehlichen Kleinkindern leid tut, die gerade mit hochrotem Kopf ihre Brut nicht in den Griff bekommt. Deshalb denke ich aber nicht gleich "Du arme Sau, mein Leben ist viel besser als deins" oder sogar "diese grauenvoll gestraften Menschen mit Kindern, wie kann man nur" sondern höchstens so was wie "in deiner Haut, meine Liebe, möchte ich jetzt gerade nicht stecken". Es ist nicht die Ansicht, das eigene Leben wäre mit Kindern schöner als ohne, die ich übel nehme. Das kann ich sofort verstehen. Es ist diese Einstellung, dass das Leben grundsätzlich erst mit der Geburt von eigenem Nachwuchs einen Sinn und Inhalt bekommt und alles vorher nur Selbstverleugnung und Augenwischerei war. So. Und nun verspreche ich auch, muckse ich mich nicht mehr zu diesem Thema. Jedenfalls nicht zu diesem Post. Herzlichst,

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  17. An alle kinderlosen Abkürzungsdamen: wer mal einen Hauch einer Ahnung davon haben will, was Eltern meinen könnten, wenn sie sagen, Kinder seien das Tollste und nicht mehr wegzudenken, der höre sich in einer faulen Stunde (aber keinesfalls nach einem "Negativ") die CD "Mein Apfelbäumchen" von Reinhard Mey an.
    Was ich damit sagen will... der Unterschied zwischen Eltern und ungewollt Kinderlosen bezogen auf den Inhalt dieser Diskussion liegt meines Erachtens darin, dass Eltern sowohl den ideellen Wert eines Kindes als auch den von Freiheit, Flexibilität, Ausschlafen und Rumlungern kennen und deswegen schätzen können. Sie kennen beide Seiten. Wir ungewollt Kinderlosen haben maximal eine Art Idee davon, wie das Leben mit einem Kind tatsächlich ist. Wir kennen uns auf der anderen Seite prima aus und machen es uns dort inzwischen (oder auch etwas länger :-( ) so schön wie es nur geht. Und manchmal haben wir sogar Zweifel, ob wir überhaupt gute Eltern wären und den schönen Alltagswahnsinn überhaupt meistern würden. Ich denke schon, dass wir klar im Nachteil sind. Und wir bezahlen eine Menge Geld, um diesen Nachteil auszugleichen. Weil wir unbedingt wissen wollen,wie das ist, da auf der anderen Seite. Bei den Eltern. Für uns hat man noch nicht mal eine adäquate Bezeichnung gefunden. Eine die weniger nachteilig klingt. Ungewollt Kinderlose. Kinderlose. Pfff. Übrigens: in der Süddeutschen schreiben sie heute wieder über uns...

    Juli

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  18. Liebe Flora, liebe andere Frauen,

    Danke für die Antworten auf mein Post.
    Ich bin sonst keine Schreiberin, sondern eine Leserin.
    Deswegen habe ich mich (vielleicht) ungeschickt oder sonst wie "angreifend" ausgedrückt.

    Meine Sicht:
    1. Nö, die Hölle ist nicht los - nur eben mal die Ausnahme zu "die Flora, die hat immer Recht und drückt sich nie falsch aus".
    Auch eine tolle Schreiberin kann durchaus mal dem Einen oder Anderen auf die Füße treten.

    2. Der Sinn des Lebens und der Wert des Lebens hängt nicht vom Kinderhaben ab. (Dachte, dass ich das weiter oben schon geschrieben habe.)

    3. Das Leben ist manchmal großartig. Ohne Kinder und mit Kindern.

    4. Das Leben ist manchmal furchtbar. Ohne Kinder und mit Kindern.

    5. Ungewollt keine Kinder zu haben ist eine ziemliche Sch...-Situation.
    Die "Kinderlosen" gibt es eigentlich nicht, denn das ist kein persönliches Attribut (ist das wohl das richtige Wort?) sondern eine Situation. Ich empfinde Mitgefühl für diese Situation, aber kein Mitleid oder Herablassung, weil einem kinderlosen Leben angeblich der Sinn fehlt...

    6. Kinder großzuziehen ist für mich eine große und tolle Sache, die ich nicht mehr gegen etwas anderes eintauschen möchte.
    Ich schätze, dass ein Großteil der Eltern dieses Gefühl teilt.
    Das ist kein Affront gegen Leute ohne Kinder oder Mitleid mit ihnen.

    So, eh mir jetzt noch hundert andere kalenderblattreife Allgemeinplätze einfallen, höre ich lieber auf, denn ich vermute, ich bin schon wieder dabei anderen auf den Füßen rumzustehen.

    Grüße von
    Lizzie

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  19. Der Unterschied ist ganz einfach:
    Als Kinderlose steht man selbst im Zentrum, die Partnerschaft, der Job, alles was man gern tut und kann machen und lassen was man will. Das macht ungemein glücklich und zufrieden.

    Als Eltern steht das Kind im Zentraum (bei manchen fast pathologisch, auch nicht gut) und man selbst steckt m.o.w. zurück. Wird eher zum Geber als zum Nehmer. Und ganz ehrlich glaub ich, das ist das, was glücklich macht.
    Und rückblickend denkt man als Eltern dann oft, dass das Leben vorher sinnlos war, da man jetzt ein Zentrum hat, das damals einfach fehlte. Man fragt sich, was man eigentlich gemacht hat die ganze Zeit und auch wenn man super glücklich war (und das war ich!) im Rückblick und NUR im Rückblick, weiß man, da fehlte was, das würde mir jetzt ganz subjektiv öd und leer vorkommen.
    Auch wenn man sich manchmal fragt, wer eingentlich die blöde Idee hatte, Kinder zu wollen, am Ende ist das alles egal, wenn einen der Fratz anstrahlt. Da steht die Welt halt still. Das ist einfach so.
    Und das ahnen auch Kinderlose, warum würden wir sonst diese blöde Spritzerei über uns ergehen lassen?

    Lena

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  20. liebe lizzy, liebe lena,
    als mehrfache stiefmutter von unterschiedlich großen kindern
    (ich kenne kleinkindergekotze und durchwachte nächte) denke ich auch, dass es so oder so ein gutes leben gibt. und es gibt ein so oder so pathologisches gehabe - bei kinderwunschfrauen, die darauf fixiert sind, endlich schwanger zu werden, und bei monstermüttern, die nur noch muttermilch im hirn haben. BEIDE übrigens gerne in ihrer kommunikation hormongesteuert. und ja - es ist auch für ein paar eine ungemein verbindende angelegenheit, gemeinsame kinder zu haben. als zeichen von liebe und was auch immer. damit beschmutze ich das nest der kinderwunschdamen aufs gröbste, aber mir fällt leider nichts verbindenderes ein als ein gemeinsames blag. mein mann und ich wären beide sehr traurig, wenn's keines mehr würde.

    hilfreich wäre, wenn man kinderlosen nicht automatisch unterstellen würde, dass sie es freiwillig sind. aber das ist mit vielen anderen dingen auch so - viele menschen sind einfach wenig sensibel und/oder wenig mitdenkend......auch für die bedürfnisse von müttern...oder vätern..
    in diesem sinne: alles gute!

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  21. Liebe Steffi, liebe Claudia, danke für Euren Post, ihr seht es aus beiden Perspektiven, jetzt mit Kindern und vorher mit Kinderwunschgeschichte. Es tut wirklich gut, dies von Euch zu lesen. Es fühlt sich ja wirklich so an, wie Flora es beschreibt. Und ich hoffe, ich hoffe so, dass ich auch mit Wunschkind ich selbst bleibe und mein Leben mein Leben bleibt. Und dass mir jemand rechtzeitig Bescheid sagt, wenn ich plötzlich so werde, wie sooo viele... LG L.

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  22. Auch ich bin ungewollt kinderlos. Der Grund liegt darin, dass ich so richtig ordentlich in die Scheiße gegriffen und Krebs und dann ne Chemo bekommen habe. Was ich aus meinen Behandlungen und dieser sagenhaft beschissenen Zeit gelernt habe, ist, dass der Mensch an sich ein Anpassungskünstler ist. Ob mit oder ohne Kinder: man gewöhnt sich.

    Wenn man ein Baby bekommt, dann gewöhnt man sich wahrscheinlich eben einfach an den neuen Mitbewohner. Manchmal findet man's doof, manchmal ist es das tollste auf der Welt. Manche finden es vielleicht immer toll oder müssen anderen erzählen, wie toll es ist, weil es vielleicht doch nicht so toll ist. Aber egal, wie es ist, wenn man nicht gerade eine Depression bekommt, wird man immer irgendwie Lebensqualität haben. Das weiß ich ganz sicher!

    Und wenn dann das/die Kind/er aus dem Haus sind, wird man sich daran eben auch gewöhnen.

    Es geht nur eben nicht immer alles sofort, dafür braucht es gewisse Zeit, wie lang die ist, kann einem vorher keiner sagen, da muss man dann eben durch.

    Das versuche ich mir immer wieder selbst klarzumachen, wenn ich mal wieder Panik schiebe, dass es bei uns mit den Kindern noch klappen könnte und im selben AUgenblick Panik habe, dass es nicht mehr klappen könnte ;-)

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  23. In meinem Umfeld haben in den letzten zwei Jahren irgendwie fast alle Paare, mit denen wir viel zu tun haben, Kinder bekommen.

    Ich selber bin noch arg hin und her gerissen, ob wir denn nun auch "loslegen" wollen oder nicht. Um mir bei der Entscheidungsfindung helfen zu lassen, habe ich sehr viel, sehr oft und sehr ausführlich mit besagten Paaren geredet.

    Und auch wenn die Situationen, Persönlichkeiten und Planungsgrade bei der Familiengründung immer sehr unterschiedlich waren, stimmen alle in einem zu 100% überein: Ein Kind ändert die Prioritäten im Leben komplett.

    Das wurde mir im Großen und Ganzen so erklärt:: Ja, alle Sachen, die einem als Nicht-Eltern wichtig waren, sind mit Kind nicht mehr so einfach oder gar unmöglich (schlafen, feiern, unangekotzt aus dem Haus gehen etc). Aber: Man hat einen komplett anderen Blick darauf und schätzt sie nicht mehr so hoch ein. Diesen Blick bekommt man aber eben nur und ausschließlich durch ein eigenes Kind.

    Deshalb können Nicht-Eltern diese verklärt wirkende Sichtweise nicht nachvollziehen (und oft auch nicht ganz glauben). Und andersrum fällt es den Eltern rückblickend schwer, zu glauben, dass ihnen all diese Dinge auch einmal so wichtig waren.

    Ich schließe daraus: Beide Parteien schätzen das gegenseitige Leben immer als irgendwie weniger glücklich ein - obwohl sie einfach nur anders glücklich sind.

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