Samstag, 3. August 2013

Der Unterschied zwischen tiefenentspannt und kurz vorm Durchdrehen

Sind in unserem Fall wohl Fläschchen. Seit vorgestern wollten wir es fläschchenfrei probieren. Aber Kalle scheint die Fähigkeit zu haben, Hunger zu speichern und nicht so schnell verzeihen zu können, wenn seine Bedürfnisse nicht sofort befriedigt werden. Ich hatte ihn seitdem fast pausenlos angelegt, Tag und Nacht, aber was auch immer dabei herauskam, es hat nicht gereicht, um ihn zu beruhigen oder gar satt und zufrieden zu machen. Irgendwann hat er nur noch mit dem Köpfchen gehackt und war vor lauter Hunger gar nicht mehr imstande, anzudocken. Und ihm dann ein Fläschchen zu geben... "Nee nee nee, jetzt musst du mir damit auch nicht mehr kommen". Das Ende vom Lied war, dass ich die gleiche Menge Fläschchen zubereitet habe wie am Tag davor, aber trotzdem den ganzen Tag ein schreiendes, verzweifeltes Baby hatte. Mehr getrunken hat er auf diese Weise auch nicht, und zum ersten Mal, seit wir aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen sind, hat er auch nicht zugenommen. Gestern Nachmittag kam die Hebamme, die die Urlaubsvertretung für meine macht. Die sagte nach einem Blick in mein Zombiegesicht: es ist toll, dass wir den Ehrgeiz haben, es nur mit Stillen zu schaffen. Aber wenn nicht, dann nicht. Niemand muss sich hier quälen, weder wir noch das Kind. Dann hat sie mir noch ein paar Stilltricks gezeigt, und nachdem sie weg war, habe ich L. das Baby und ein Fläschen in den Arm gedrückt und habe mich hingelegt. Nur für eine kümmerliche Stunde, aber sie hat mich gerettet wie früher zehn Stunden Schlaf. Danach war ich wieder wach, entspannt und hatte wenigstens etwas stabilere Nerven. Und Kalle hat das sofort gemerkt und war jetzt auch ruhiger. Gegen halb elf gab es die letzte Stillsitzung und das letzte Fläschchen direkt hinterher, und dann hat er geschlafen bis vier. (Brüllen macht vielleicht auch müde. Wobei... Mütter von Brüllbabys da draußen, ihr könnt vermutlich eine andere Geschichte erzählen?)

Aber was wird denn nun mit dem Stillen, wenn er immer noch Fläschchen bekommt? Ehrlich gesagt glaube/hoffe ich, das wird sich finden. Inzwischen trinkt er ganz gut und bekommt auch einiges in den Bauch, heute zumindest habe ich ihn versehentlich erst gewogen, nachdem er auf beiden Seiten getrunken hatte, und der Unterschied zu gestern war so groß, dass die Milch bestimmt einen ordentlichen Anteil davon ausgemacht hat. Außerdem mixe ich ihm jedes Mal ein Fläschchen mit der Menge, die laut Packung für Babys in seinem Alter bei nur-Fläschchenfütterung empfohlen wird (überfüttern kann ich ihn mit PRE-Milch ja angeblich nicht), und er trinkt inzwischen so ungefähr die Hälfte davon - einzige Ausnahme ist das Fläschchen um vier Uhr nachts. Das reicht ihm dann. Aber ganz ohne geht es eben auch nicht. Wenn es so läuft, wie ich mir das denke, dann trinkt er ab jetzt von Tag zu Tag weniger Fläschchenmilch, und irgendwann können wir das auch lassen. Bis dahin bin den Firmen Alete, Beba usw. unendlich dankbar. Ihnen habe ich zu verdanken, dass ich zwischendurch auch mal duschen, aufräumen, kochen, einkaufen, Wäsche aufhängen, Blumen gießen oder einen schnellen Post schreiben kann. Und meinen Hebammen bin ich auch dankbar, dass sie keine verbiesterten Hardcore-Stillsoldatinnen sind und mich das so machen lassen, wie es gut für uns ist.

Kommentare:

  1. Das war bei mir tatsächlich ganz genauso: Trotz stillen den ganzen Tag, war mein Kleiner nie zufrieden. Schließlich haben wir auch jeweils erst gestillt und danach Fläshchen gegeben und er hat richtig viel getrunken. Plötzlich gab es dann sogar sowas wie einen Rhythmus. Er ist inzwischen ein richtig guter Esser und trotzdem schlank. Also mach es so, wie es für Dich am Besten ist, dann seid ihr auch entspannt! Alles Gute weiterhin!

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  2. Hallo Flora,

    ganz herzlichen Glückwunsch zu Klein-Boje!!

    Ich bin selber Hebamme. Bitte suche dir ganz schnell eine Stillberaterin bzw. sprich noch mal mit deiner Hebamme dass du gerne Voll Stillen würdest. Wenn du jetzt nicht schnell deine Milchmenge steigerst (durch Stillen plus Pumpen und evtl. auch zusätzlich das Brusternährungsset) dann wirst du wahrscheinlich auch langfristig nicht genug Milch haben.

    Die ersten Wochen sind entscheidend um die Milchmenge anzukurbeln. Ist zwar anstrengend mit Pumpen, aber lieber jetzt 1-3 anstrengende Wochen und dafür dann für etliche Monate vieel weniger Stress für dich und mehr Gesundheit für Boje:-)

    Alles Gute!

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    1. Ähhm....dazu kann ich nur sagen: Leider Nein!!

      Habe in den ersten Wochen wie eine Wahnsinnige gepumpt und angelegt,sämtliche Stilltees ausprobiert,Bockshornkleekapseln geschluckt ,bis es bei uns zu Hause durch meine Ausdünstungen nach schlechtem indischen Essen gestunken hat ...jeändert hat's nüscht.

      Entspann Dich Flora!

      Lass Dir die erste schöne "Sich-gegenseitig-einfach-nur-anstarren"- Zeit nicht durch rigerose Pumporgien und stundenlange Stillseancen kaputt machen.



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    2. Dem stimme ich zu. Ich hätte mir die ersten paar Wochen auch nicht mit der blöden Pumperei kaputt machen wollen, mir haben da die ersten paar Tage beim ersten Kind genügt. Hätte ich ein paar Wochen pumpen müssen, hätte ich aufgehört zu stillen. Und ich habe beide Kinder dann sehr lange gestillt, nur muss das ganze noch in einem Verhältnis stehen.

      Gesund bleiben Flaschenkinder dem Vernehmen nach auch, und die ersten Wochen vielmehr in die Bindung und ein möglichst entspanntes gegenseitiges Kennenlernen zu investieren als in die nervige Pumperei, scheint mir nicht minder wertvoll für Mutter und Kind.

      LG, S.andra

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  3. Manchmal sind diese Zwischenlösungen auch wirklich die idealen. Und bei manchen Babys ist das halt so, wie es ist, und so klappt's dann auch. Ich denke, dein Plan, erst mal so zu machen, wie es für euch am besten ist, ist gut.. und vielleicht der einzig richtige.

    Und deine Hebamme ist toll, denn in der Tat sollte sich niemand mit dem Stillen quälen müssen und auf Teufel komm raus stillen, wenn es auch einfacher geht (sage ich, als absolute Stillbefürworterin, aber halt nicht um jeden Preis...). Die Anfangszeit ist auch so schon anstrengend genug, da muss man sich nicht noch zusätzlich Druck machen. Ihr macht das schon und findet sicher euren Wohlfühlzwischenton zwischen Schwarz und Weiß!

    Liebe Grüße, S.andra

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  4. Lass Dich nicht unterkriegen!
    Ich hab am Anfang auch Fläschchen nach dem Stillen gegeben und dann brauchte er immer weniger und weniger davon, irgendwann war es noch eine Flasche vor dem Schlafengehen und dann gar keine mehr... Da war er zwei Monate. Ich hab dann voll gestillt bis er sechs Monate und zwei Wochen war. Es ist also noch alles drin!

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  5. Hallo Flora, hier war es die ersten sechs Wochen ganz genauso wie bei dir, und danach konnte ich - Simsalabim - vollstillen. Zu der Zeit habe ich Bockshornklee genommen, aber ob das eine Wirkung hatte... Gepumpt habe ich übrigens nie :-).
    Liebe Grüße und alles Gute,
    Christina

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    1. Bockshornkleesamen-Kapseln sind das einzige "Hausmittel", was laut Studie effektiv wirkt. (Medikamente wie Domperidon gehen auch, haben aber Nebenwirkungen.)

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  6. Liebe Flora, erst mal möchte ich dir auch noch von ganzen Herzen zur Geburt eures süßen kleinen Jungen gratulieren! Ich lese deinen Blog schon so lange, war selbst in einer Kinderwunschklinik in Behandlung und habe auch einen kleinen Sohn bekommen. :-)
    Hast du denn schon mal versucht, mit Stillhütchen zu stillen? Ist nur so ne Idee, aber unser kleiner Mann konnte am Anfang auch nicht richtig trinken, hat nach 5 Minuten aufgehört zu saugen und gebrüllt wie am Spieß. Die Hebammen im Krankenhaus haben mir dann ein Stillhütchen gebracht und siehe da, das klappte auf einmal wunderbar! Unser Schatz hat 20 Minuten und länger getrunken und war danach satt.
    Vielleicht habt ihr das ja schon probiert, wenn nicht, wäre es ja noch ne Alternative.
    Ich habe übrigens danach 8 1/2 Monate mit Stillhütchen gestillt, ohne konnte der Kleine es einfach nicht, aber das war überhaupt kein Problem für uns. Die Milch wurde dadurch auch nicht weniger, weil manche deshalb Stillhütchen ablehnen.

    Ich wünsche euch auf jedenfall eine schöne erste Zeit mit dem kleinen Boje, und dass ihr einen Weg findet, mit dem ihr alle glücklich seit!

    Liebe Grüße
    Anja

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  7. Hi Flora, auch bei mir wars anfangs genauso und ich konnte nach ca. 3-4 Wochen auf die Fläschchen verzichten. Ich habe dann allerdings 1 ganzes Jahr lang voll gestillt und ein weiteres Jahr dann noch abends und nachts, was ich mir so nicht vorgestellt/gewünscht hatte.. Bin nämlich ganz sicher keine Still-Soldatin :) Aber mein Kind wollte -nach den ersten Wochen mit zusätzlichen Fläschchen- partout nichts anderes mehr als die Brust.
    Deshalb hab ich mir vorgenommen beim nächsten Kind, soweit möglich, ! das mit dem zusätzlichen Fläschchen hin und wieder zumindest nicht absichtlich abzuschaffen, wenn nicht sogar absichtlich beizubehalten. Wie Du ja auch selbst schreibst , eröffnet das einfach ein paar Freiräume.
    Das nur als Gedankenanstoß, am wichtigsten ist, dass Du es so machst, wie es für euch Drei gut ist, besonders natürlich für den Kleinsten.

    Lg von Jo

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  8. Aufräumen, Kochen, Wäsche und Blumen sind in dieser für Dich extrem anstrengenden Zeit (Stillen sowie Wochenbett) dem Mann vorbehalten!! Ja, auch er muß tagsüber arbeiten. Aber Du auch. Stillen und Baby versorgen erfordern viel Energie.
    Bitte brich nicht unter überzogenen Ansprüchen an Dich selber zusammen. Den Haushalt hat noch keine Neumama vernünftig geschafft!

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    1. Das Wochenbett heißt übrigens nicht umsonst WochenBETT! ;)

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  9. Wow, wie viele Beispiele es gibt, dass es geht, wieder von den Fläschchen wegzukommen und dann voll zu stillen. Ich habe bei meinen Kindern auch angefangen zuzufüttern, nachdem wir aus dem KH nach Hause kamen, weil es anfangs nicht gereicht hat und ich die Situation schlecht aushalten konnte. Vielleicht hätte ich beide dann tagelang herumtragen müssen, um die Zeit bis zur vollständigen Milchbildung zu überbrücken aber ich dachte immer:"oh Gott, mein Kind verhungert und warum soll ich uns beiden den Stress antun mit der ungewissen Aussicht des Vollstillens.
    Jedenfalls hatte ich keine Beispiele im Umfeld, wo es geklappt hatte, von den Fläschchen wieder wegzukommen und auch meine Hebamme machte mir da wenig Hoffnung (so wie die Hebammen-Kommentatorin weiter oben von wegen diffiziles Gebilde von Angebot und Nachfrage, das man dadurch durcheinander bringt).
    Vielleicht hätte ich einfach ein paar positive Beidpiele gebraucht, um es zu schaffen? Aber auch bei diesem Gedanken kommen mir Zweifel, weil es mir schon einleuchtet, dass viele Babies dann das einfacher zu leerende Fläschchen vorziehen und die Brust nur noch zum Nuckeln benutzen und dich quasi selbst abstillen.
    Ich bin jedenfalls gespannt, wie es bei Boje und Dir mit den zusätzlichen Fläschchen weitergeht und wünsche Dir nur das Beste! Eumelberta

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