Donnerstag, 1. August 2013

Was hat er nur?

Die Nacht war so entspannt wie bisher jede Nacht, seit wir zuhause sind. Zum Glück. Denn der Tag heute war bis vor einer halben Stunde wild. Irgendwann und irgendwo habe ich mal gelesen, dass Muttermilch in zwei Phasen fließt: die erste ist vor allem gegen den Durst, die fettere Milch, die satt macht, kommt erst danach. Und langsam habe ich den Eindruck, Kalle schafft immer nur die erste Hälfte. Irgendwann am frühen Nachmittag war er so weit, dass er vor lauter Verzweiflung überhaupt nicht mehr trinken konnte, sondern nur noch wild mit seinem Schnäbelchen auf mich einhackte, und zu diesem Zeitpunkt war er auch schon über das Stadium hinaus, in dem man ihn einfach mit einem Fläschchen beruhigen kann. Meine Arme sind heute Abend mit Sicherheit drei Zentimeter länger als heute früh, denn es war nicht daran zu denken, ihn auch nur für drei Minuten in seinen Stubenwagen oder sein Bett zu legen, nur auf dem Arm hat er sich einigermaßen beruhigt. Ihn brüllen zu lassen, bringe ich nicht übers Herz, dazu ist er noch zu klein. Und noch habe ich ein sehr begrenztes Repertoire an Dingen, die ich mit einer Hand tun kann. Kochen z.B. gehört nicht dazu. Wäsche aufhängen auch nicht, genau so wenig wie zur Toilette gehen. Und leider Fläschchen zubereiten auch nicht. Das muss besser werden! Ab morgen wird geübt. Und ich geniere mich ein bisschen, es zuzugeben, aber es hat keine zwei Stunden gedauert, und ich war ziemlich verzweifelt. Sein Fläschchen hatte er gehabt. Gewickelt war er auch. Irgendwann dämmerte es mir: heute war einfach ein sehr anlehnungsbedürftiger Tag. Warum, weiß ich nicht - ob er schlecht geträumt hatte, ob er sich heute einfach sehr klein und allein gefühlt hat, ob er Bauchschmerzen hatte oder ob ihm einfach danach war, aber heute war so ein Tag, an dem es ihm nur gut ging, so lange er mit mir zusammen eingekuschelt auf dem Sofa oder im Bett lag und zwischendurch ein bisschen nuckeln konnte. Also haben wir das gemacht. Und mit neuem Respekt für alle Mütter mit über Wochen und Monate dauerbrüllenden Kindern sitze ich jetzt hier und genieße die ersten dreißig Minuten Frieden heute. Denn jetzt schläft er. Er sieht sogar ganz zufrieden aus, bis in die flaumigen blonden Haarspitzen.
Also gut, Planänderung. Die Hebamme hat gesagt, ich soll nicht mehr abpumpen, und ich tue ja, was man mir sagt. Aber ich werde nicht gleichzeitig versuchen, auf nur Stillen umzustillen. Morgen werde ich ihn immer, wenn er Hunger hat, stillen. Und zwar mit viel Zeit. Und wenn er wirklich fertig ist damit, dann bekommt er noch ein kleines Fläschchen hinterher. Nicht erst dann, wenn er schon vollkommen fertig ist, sondern gleich. Das Stillen müssen wir beide noch lernen, und es geht ja auch mit jedem Tag ein bisschen besser. Aber noch reicht es einfach nicht, damit er sich wohl fühlt in seiner Haut. Und wohlfühlen soll er sich.

Kommentare:

  1. Ich sag nur Tragetuch bzw. Manduca: zufriedenes Kind und 2 einsatzfähige Hände...

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  2. Das hört sich doch toll an. :-) Ich kann das gut verstehen, zum Glück haben meine Kinder einen normalen Schreipegel. Hut ab vor den Müttern die es den ganzen Tag über Wochen hören. Es zerrt.... Aber mehr als dann da sein kann man manchmal nicht machen. Ich finde auch, dass meine Kleinen manchmal mehr schreien, wenn sie einen Schub haben. Was hältst du denn vielleicht von einem Tragetuch oder Tragegeschirr wie zB: Manduca? Das hat uns bei unserer ersten Tochter echt geholfen. Ich konnte so viel nebenbei erledigen und sie hatte ihre Kuscheleinheiten. Wir haben sie viel getragen.
    Und ist heute auch kein verzogenes Kind was nicht laufen mag. Ganz im Gegenteil. :-) Aber am Anfang hat sie den Körperkontakt gebraucht. Muss ja auch komisch sein für so einen kleinen Wurm. Erst 9 Monate kuschelig eng und dann ist alles soooo groß. :-) Wünsche euch weiterhin viel Feude und Kraft. Ich freue mich sehr für euch. L.

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  3. Er wird immer zu klein sein, um ihn schreien zu lassen :)
    Hol dir ne Tragehilfe oder ein Tuch, letzteres lässt sich ganz ideal binden. Dann ist er gaaanz nah bei dir, wird gemütlich geschuckelt und du hast die Hände frei.

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  4. Hallo Flora, erstmal noch herzlichen Glückwunsch zu Eurem süssen Wurm. Das mit dem Stillen, Abpumpen war bei mir ähnlich. Aber leider hats mit Stillen gar nicht geklappt. Am Anfang war es so, dass ich erst versucht habe zu stillen, ging nicht gut, Kind am Brüllen, dann schnell Milch abpumpen, das hat aber nicht gereicht und dann noch Pulvermilch nachgemacht...puuuhhh. Also, das ging gar nicht und irgendwann hab ich nur noch abgepumpt und zwischendurch Pulvermilch und nach 4 Wochen dann das Abpumpen ganz sein lassen. Tja, ich hoffe, Du bist erfolgreicher!
    Übrigens meine Tochter war von Anfang an eine gute Schläferin und schläft jetzt mit 12 Wochen 8-10 Stunden durch, danach trinkt sie was und schläft dann nochmal 3- 4 Stunden. Du bist die erste Mutter, der ich das erzähle. Ich rechne auch ständig damit, dass sich das ändert. Aber noch macht sie keine Anstalten.
    LG

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  5. Hast du eine Stillberaterin, die du hinzuziehen könntest? Erfahrungsgemäß können so Fläschchen zwischendurch die Produktion bzw. die Regulation von Angebot und Nachfrage ganz schön durcheinander bringen... Wenn du ihm die sättigende Milch mit dem Fläschchen nachfütterst, muss er ja nicht mehr lernen, von selbst dran zu kommen.. wäre so mein Ansatz, aber kommt natürlich auch drauf an, ob du voll stillen willst, oder ob du beim Zufüttern bleiben willst.

    Zum Thema Schreien sag ich zwei Wörter: Tragetuch und Gebärmutterheimweh (Cooles Wort, oder? Hab ich mal in einem Blog gefunden, und ich finde es eine allumfassende und hinreichende Erklärung mit implizitem Lösungsansatz...). Und nö, schön blöd wärst du, wenn du dein Neugeborenes schreien lassen würdest.

    Ohne Tragetuch wäre ich in der Anfangszeit verhungert. Und ich habe das auch so in Erinnerung, dass das richtige Gebrüll erst ca. zwei Wochen nach der Geburt begonnen hat... wahrscheinlich verschalten sich da irgendwelche Synapsen. Meist hört das mit drei Monaten wieder auf.. *duckundweg*

    Hast du mal einen Schnuller versucht? Mein Sohn hat oft gebrüllt, wenn er an der Brust war, weil er einfach nur nuckeln wollte und genervt war, dass da immer was rauskam.. nur so ein Gedanke...

    Liebe Grüße, S.andra

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  6. *linknachreich* ..

    http://www.zockt.com/vonguteneltern/?p=633

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  7. Meine Tochter hat von Anfang an gut geschlafen. Ich hab immer damit gerechnet, dass sich das mal ändert. Tja, sie ist jetzt sechs Jahre alt.
    Mein Sohn hat auch am Anfang gut geschlafen. Mit ca. 4 Monaten änderte es sich und erst mit einem Jahr schlief er wieder einigermaßen durch.
    Aber Du schreibst: "Die Nacht war entspannt" - ich finde, auch eine Nacht mit Wachphasen und Gewühle in der Bettmitte kann leidlich entspannt sein, wenn man sich nicht stressen lässt und die ganze Zeit nur denkt "Schlaf ein, schlaf ein...", sondern es so hinnimmt. Er ist wach und schreit vielleicht. Ich bin wach. Was Schlimmeres passiert nicht! Es ist wie es ist und die Kinder sind unterschiedlich! Und dann sind da auch keine Stresshormone, die sich aufs Kind übertragen und es am Einschlafen hindern.
    Also, viel Glück!

    Liebe Grüße, Anna aus HH

    PS Zum Glück ist mein Sohn das 2. Kind!

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  8. Wenn unsere Kleine ohne feststellbaren Grund nicht aufhören kann zu schreien, dann hilft ein Föhn wahre Wunder. Einfach an machen und durch das Geräusch beruhigt sie sich in Sekunden. Probier's aus! Muss auch irgendwas mit der Geräuschkulisse im Mutterleib zu tun haben. Verrückt, die kleinen Mäuse!
    LG E.

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    1. Nur bei den kleinen Jungs nicht von vorne, wenn sie nackt sind! Darüber machen sich Mädchenmütter halt keinen Gedankren...

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    2. Oder Mädchenmütter gehen davon aus, dass auch Jungsmütter mitdenken können.

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    3. Es gibt da auch so eine App "Lull Baby"....wirkt Wunder!

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    4. Die Geräusche sin auch schon alle bei youtube zu finden. Stundenlang. Dann gibts auch keine Pinkel-Stromschlag-Unfälle.

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  9. Hallo!
    Hatte auch die Sorge, dass meine Kleine da sie immer nur recht kurz getrunken hat an zu wenig "fette" Milch rankommt. Meine Stillberaterin meinte damals, dass ein gutes Anzeichen dafür, dass sie nur Vormilch erwischen auch sei, dass sich der Stuhl "grünlich" einfärbt. Der Hinweis hat mich dann wieder beruhigt. Gegen die Unruhe beim Trinken halfen bei uns zwei Sitzungen beim Osteopathen, da ja grad bei schwierigeren Geburten oft Blockaden bleiben....
    Mit Deinem Bauchgefühl liegst Du sicher goldrichtig :-).
    Alles Gute und herzliche Grüße aus Wien!
    G.

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    1. HA-Pre-Nahrung ergibt auch grünen Stuhl. Hinweis, da Flora die auch zufüttert.

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  10. Liebe Flora,

    auch von mir die allerbesten Glückwünsche zur Geburt Eures Kleinen! Ich finde, Boje ist ein wunderschöner, toller und individueller Name, der ihn sein ganzes Leben positiv begleiten wird. Ich glaube nicht, dass er den Namen ändern möchte :-)

    Bei mir hat es mit dem Stillen gar nicht gut geklappt nach dem Kaiserschnitt wg. Beckenendlage. Ich habe dann eine Laktationsberaterin gehabt (Tolles Wort, oder? So heißen die wirklich), die mir zu Hause geholfen hat, u.a. mit Fingerfeeding (doch, auch das gibt’s). Ist aber sehr aufwendig, und im Nachhinein habe ich für mich entschieden, dass das nix für uns ist. Meine Kleine ist drei Wochen zu früh gekommen und war einfach nicht sehr kräftig. Da sie nicht zugenommen hat, bin ich nach vier Monaten Abpumpen, Stillen und Zufüttern auf die Flasche umgestiegen. So hatte sie wenigstens etwas Muttermilch bekommen.

    Meine Stillberaterin hat mir aber eines gesagt: Es kann bis zu drei Wochen dauern, bis sich der „Milchvorrat“ der Mutter aufgebaut hat. In dieser Zeit möglichst Anlegen, Anlegen, Anlegen, auch wenn es lange dauert. Bei mir hat es leider nicht mehr geklappt, da ich anfangs eine wirklich (so ist es leider) schlechte Hebamme hatte, die mir in punkto Stillen immer nur gesagt hat: Dann fütter doch zu, wenn sie nicht satt wird. Und nach den ersten zwei Monaten war es dann zu spät, um wirklich viel Muttermilch zu haben (trotz Pumpen).
    Und: Wer mag, findet in Hamburg viele Stillgruppen, wo man alle Fragen rund ums Thema Stillen besprechen kann.

    Euch alles, alles Gute!!
    Liebe Grüße von Fanny!

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  11. Der beste Hinweis darauf, ob die Milch reicht, ist doch, wenn das Kind ausreichend zunimmt. Tut er das denn? Mein zweiter Sohn tat es nicht. Nach 3,5 Wochen vergeblichen Stillversuchen und einem 5-tägigen Krankenhausaufenthalt, weil er schon so schwach war, dass er an die Hintermilch wohl nicht mehr dran kam, haben wir auf Flasche umgestellt. Und siehe da: sofort war Ruhe, der Kleine schlief tief ein, wog am nächsten Morgen 100 g mehr. Was ich damit sagen will: es ist super, in der ersten Zeit das Stillen zu probieren, ABER: wenn man kein gutes Gefühl dabei hat, weil die Milch dem Kind einfach nicht zu reichen scheint, ist es überhaupt nicht verwerflich, bereits früh wieder abzustillen und auf Milchpulver umzusteigen! Ich finde, dass der Druck auf Mütter, ihr Kind mindestens 4-6 Monate voll zu stillen, gerade in Deutschland sehr hoch ist, und das völlig zu Unrecht!

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  12. Hi Flora, ich hatte mit meinem Sohn am Anfang auch Stillprobleme. Schwangerschaftsvergiftung, Kaiserschnitt, 4 Wochen zu früh, keine Unterstützung beim Stillen im KH. Und dann kam meine Hebamme mit dem Brusternährungsset von Medela. Das war unsere Rettung. Ich habe abgepumpt und die abgepumpte Milch mit dem Set gefüttert. Nach 2 Wochen haben wir es nicht mehr gebraucht und ich hatte ein zufriedenes, entspanntes Stillkind.

    Alles Gute aus Aschaffenburg,
    Y

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  13. Hier noch der Link zum Brusternährungsset von Medela:
    http://www.medela.com/DE/de/breastfeeding/products/breastmilk-feeding/special-feeding-devices.html

    P.S. Nein, ich bekmme keine Provision, bin nur total begeistert von dem Ding! ;-)

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  14. Liebe Flora,

    Ich habe es genau so gemacht wie du. Brust, andere Brust, Flasche. Wenn das Kind zunimmt scheint mir das richtig. Und nach drei Wochen, war die Flasche von einen Tag auf den anderen weg.

    Was uns geholfen hat: Ich hab regelrechte Bett-Tage geplant. Nur stillen, kuscheln, stillen, schlummern stillen. Wenn man die Tage von vornherein so vorsieht, muss das Kind nicht fordern und es war ein super Stilltraining.

    Was noch geholfen hat: Lange Spaziergänge, mit dollem Geschuckel im Kinderwagen, bei dem man gut schlafen kann. Danach trinkt ein gut ausgeschlafenes, hungriges Kind automatisch effektiver.

    Ich hab begonnen wie du und finde im Nachgang nix falsch dran, von daher kann ich nur raten, vertrau dir, deinem Bauchgefühl und der Boje :-).

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  15. Mach dich nicht verrückt und lass dir ja nicht einreden, nur stillen ist gut für das Kind. Quatsch! Es ist bei jedem Kind und jeder Mama anders. Ich habe früh mit dem stillen aufgegeben, war bei uns so ähnlich wie bei euch. Meinem Kind hat die Flasche nicht geschadet, ist gesund, nicht übergewichtig, liebt mich trotzdem ;-) (es gibt ja Mamas, die behaupten, nur durch stillen kann man eine innige Beziehung aufbauen, würg....) und wir beide hatten weniger Stress. Wie auch immer, Hör auf dein bauchgefühl, nichts ist falsch oder das einzig wahre......

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  16. Noch eine Stimme fürs Tragetuch/Tragesitz. Sonst kommt man zu nix.

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