Sonntag, 26. Mai 2013

34. Woche

Heute mal ohne Foto, ich fürchte, in meinem Telefon würde irgend eine wichtige Elektrode durchschmoren, wenn ich heute morgen ein Foto von mir machen würde. Die Nacht war hart. Zwar war ich um elf zuhause nach einem gemütlichen Rumhock-Abend in einer Mädchenküche, aber L. hat es erst so gegen drei geschafft und war dann bis vier nicht zum Schlafen zu kriegen. Und während L. im Bad mit dem beschäftigt war, was ein Mann manchmal so tun muss, wenn er vorher bei Freunden mit gut bestückter Hausbar zu Gast war, hatte Momo, unser wolliger Pflegehund, einen Anfall. In der Mädchenküche hatte ich noch voller Stolz berichtet, ihr letzter wäre bestimmt schon über vier Wochen her, und jetzt das. Wir müssen jetzt feste hoffen, dass es wieder für eine Weile der einzige bleibt, sonst muss sie wieder in diese blöde Klinik und an den noch blöderen Tropf. Entsprechend unruhig und schreckhaft habe ich geschlafen, daneben der mit seinem Fähnchen wedelnde L., um sieben habe ich die Hunde ins Auto gepackt und war mit ihnen auf der leinenfreien und deshalb schwangerentauglichen Strecke spazieren, und jetzt hänge ich hier hundemüde zwischen Stillkissen und mit Hundematsch beschmierter Decke auf dem Sofa und überlege, ob ich lieber versuchen soll, noch mal einzuschlafen, oder mir jetzt einen strammen Tee koche und den Tag mit halb geschlossenen Augen angehe. Ehrlich, hätte ich bis drei Uhr früh und ein paar alkoholfreien Bieren mehr durchgehalten, könnte ich jetzt auch nicht müder sein.

L. ist übrigens ohne Auto zurück gekommen (was ich ihm auch geraten haben wollte), das steht noch bei seinem Freund mit der heute etwas dezimierten Hausbar und ist laut L. bis unter die Dachkante vollgepackt mit "hardware", worunter in diesem Fall wohl ein Baby-Bay, eine Wickelkommode, eine nagelneue Milchpumpe und ähnlicher Kram zu verstehen ist. Meine Gefühle dazu sind etwas durchwachsen: einerseits freue ich mich natürlich, dass L.s Freund uns großzügigerweise die komplette Baby-Ausstattung seiner zwei Mädchen überlässt, das spart Geld, Fahrerei und Nerven. Andererseits hatte ich mich ehrlich gesagt darauf gefreut, Geld, Fahrerei und Nerven in meinen ersten und vielleicht ja auch letzten Baby-Einkaufsbummel zu investieren. Ich dachte, das wird nett, sich die Erfahrungsberichte irgendwelcher Milchpumpenbesitzerinnen durchzulesen und dann zu entscheiden. Ob eine Baby-Bay wirklich so praktisch ist oder ob sie eher die schlaue französische Pausenregel untergräbt, weiß ich nicht, da hätte ich gerne noch ein bisschen was zu gelesen. Und auf meinen Plan mit ohne Wickelkommode, dafür aber mit Värde war ich auch ein bisschen stolz. Dazu kommt noch, dass L. sich zeitweise geweigert hat, die Anschaffung von all solchen Dingen mit mir auch nur zu diskutieren. Noch gestern mittag wollte er z.B. von Milchpumpen nichts hören. Wenige Stunden später ruft er mich an und berichtet voller Freude davon, dass jetzt eine davon in seinem Kofferraum liegt. "Väter haben es auch nicht leicht", schreiben alle. Für sie ist der Übergang noch schwieriger, so ganz ohne Bauch und darin strampelndes Kind, das ihnen stündlich vor Augen führt, dass sich jetzt einiges ändern wird. Mit ein bisschen Gerumpel war also zu rechnen. Blöd nur, wenn so alles gleichzeitig rumpelt. Heute nacht, während L. im Bad zugange war und ich den zuckenden Hund in den Armen gehalten habe, dachte ich, was jetzt noch fehlt, ist eine geplatzte Fruchtblase.
Und dabei waren wir gerade so weit, dass ich dachte, wir könnten den Hund auch mal wieder alleine lassen. Nicht lange, aber wir könnten. Und wir könnten sie vielleicht sogar mal über Nacht in einer Hundepension unseres Vertrauens unterbringen. Demnächst zum Beispiel, wenn wir auf der Berliner Hochzeit sind. Wie wir das jetzt machen, keine Ahnung. Vielleicht ist ja meine Schwiegermutter bereit, Momo zu nehmen, und nur Lili wird in die Pension (die sie über alles liebt) geschickt. Oder einer von uns muss zuhause bleiben, das wäre dann L., denn an dieser Hochzeit habe ich die älteren Rechte.

Was gibt es vom Würmchen? Obwohl ich jeden Tag das Gefühl habe, er wächst und wächst, und obwohl ich eine meiner ersten Schwangerschafts-Fressmacken durchlebe (Smacks in riesigen Mengen) habe ich seit letzter Woche nicht zugenommen. Ich nehme jetzt Methyldopa statt Metoprolol, und die Umstellung war ehrlich gesagt ein bisschen hart. Es hat nicht sofort angeschlagen, und anfangs war mir ständig schwindelig, das hat bestimmt drei Tage angehalten. Jetzt geht's besser, der Blutdruck ist auch da, wo er soll, ich bin gespannt, was die Ärztin am Mittwoch sagt. Würmchen zappelt mehr als in den letzten paar Wochen zusammen, und man sieht es sogar jetzt, durch eine Bettdecke und ein Nachthemd hindurch. Kleine Beulen, die so schnell wieder verschwinden, wie sie kommen. Der Kopf ist nach meiner Laienmeinung immer noch irgendwo hinterm Bauchnabel, wo die Plazenta sich rumtreibt, kann ich nur vermuten. Außerdem frage ich mich gerade: bin ich eigentlich immer noch im achten Monat, oder ist das jetzt schon der neunte? Der neunte Monat war für mich als Kind immer ein Zustand, der schätzungsweise fünf Minuten anhält und dann unmittelbar in eine wilde Jagd zum Krankenhaus übergeht. Da werde ich wohl doch mal langsam meine Tasche packen, nüing?

Und dann habe ich noch einen Aufruf an die Abkürzungsdamen unter euch: eine sehr nette Journalistin vom ORF möchte ein Radiointerview mit mir aufnehmen. Sie macht eine ganze Serie zu dem Thema. Sie wird vom 10. bis zum 12.6. eigens zu diesem Zweck in Hamburg sein. Da bleibt noch massig freie Zeit, und die würde sie gerne nutzen, um außer mir noch jemanden zu interviewen - vorzugsweise eben eine Abkürzungsdame, die noch in den Behandlungen steckt und bei der es bisher noch nicht geklappt hat. Natürlich kann die betreffende Dame das Interview gerne unter Pseudonym geben, und bevor es gesendet wird, bekommt sie es selbstverständlich zur Freigabe vorgelegt. Hat jemand unter den Hamburger Damen Lust und Zeit?

p.s. neunter Monat. Tatsächlich. Und zwar schon seit einer Woche. Laut der Wikipedia-Einteilung beginnt der neunte Monat mit der 33. Woche.

Kommentare:

  1. Also, ich liebe das Babybay - so sehr sogar, dass wir uns das Maxi gekauft haben, nachdem das geliehene Midi zu klein wurde. Mein Zwerg wird nachts so oft wach, wenn ich da aufstehen muesste, bekaeme ich gar keinen Schlaf mehr. So kann ich ihn oft im Halbschlaf rueberziehen und andocken. Aber im Endeffekt hilft nur: ausprobieren.
    Kann Deine Ambivalenz bzgl der ueberraschend geliehenen Sachen verstehen.

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  2. Babybay ist super, reicht allerdings nur ein paar Monate. Daher ist es gar nicht schlecht, das teure Teil nur geliehen zu haben.
    Deinen Plan mit der Wickelkommode kannst Du ja trotzdem durchziehe, denn ihr habt ja zwei Etagen. Da macht es sich ganz gut, in jeder Etage eine zu haben, z.B. eine im Bad und eine im Wohnzimmer. Oder Schlafzimmer ist auch immer gut, wegen anfangs nachts wickeln. Jedenfalls sparst Du Dir dann öfters mal Treppe laufen.
    Da fällt dann die schon vorhandene Milchpumpe nicht so ins Gewicht ;) Als Trost kannst Du noch nach Muttermilchgefrierbeuteln suchen, da gibts extra sterile usw. in den Apotheken. Oder Du nimmst kleine Fläschchen. Da hast Du wieder was zum Entscheiden ;)

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  3. Ein Babybay ja! Definitiv beste Anschaffung, weil man dann in der Nacht nicht aufstehen muss.
    Ein Baby-Björn - nein! Definitiv schlechte Sitzhaltung fürs Baby, erst recht bei Jungen (Stichwort: auf den Hoden sitzen, aua). Lieber einen Meitei, Manduca, emeibaby oder Ergo-Carrrier. Dazu kannst du dich wirklich nochmal im Netz belesen. Und nein, der neue Baby-Björn ist trotz 'besserer' Sitzhaltung trotzdem noch im Meilen schlechter, als die o.g. Tragen. Der Babybjörnwipper ist allerdings genial. Die beste Wippe auf dem Markt!
    Windeleimer braucht man ab Beiskoststart - ab dem ersten Fleisch stinken die Windeln bestialisch.
    Winkeltische kann man ruhig zwei haben, also kannst du deine Ikea-Kommode trotzdem kaufen. Wir hatten eine im Schlafzimmer und eine im Bad.
    Wenn du gern noch Geld ausgeben willst: eine Federwiege ist die beste Anschaffung, die man machen kann. (Alternativ ein Petzi-Ball zum Draufsitzen und Wippen). Und ein Pucksack, z.B. ein Swaddle Me. Der Cool-Twister hat mir trotz Vollstillens gute Dienste geleistet, ich hätte ihn nicht missen wollen. Der Baby-Björn-Wipper Balance ist wirklich toll. Ganz cool, aber sehr anstrengend: ein Mama-Board von TfK für den Kinderwagen. (Braucht man nicht, ist aber ein lustiges Gadget.) Medela Still-BHs. Lansinoh Stilleinlagen.

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  4. Liebe Flora,
    wenn die Journalistin noch immer Bedarf an weiteren Abkürzungsdamen hat, kannst du gern meine Mail-Adresse weitergeben ( das.kat[at]email.de ). Allerdings bin ich noch nicht allzu lange in der Abkürzungswelt unterwegs - habe gerade erst den 1. Versuch beendet und hänge nun in der Warteschleife.
    Viele Grüße

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    1. Das mache ich gleich, vielen Dank! Die wird sich freuen! Liebe Grüße!

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  5. Schön, daß Du das so entspannt sehen kannst... daß L. da einfach so zugegriffen hat. Klar, aus männlicher Sicht logisch, prima, alles erledigt, und ohne ein Geschäft betreten zu müssen.
    Toll. Ich hätte meinem Engel den Kopf abgerissen - der Satz "ich muß mal mit meiner Frau reden" hätte ihn ja nicht umgebracht.
    Jetzt hast Du Zeugs, das Du vielleicht garnicht willst, und kommst die blöd vor, wenn Du das grundsätzlich selbe Dings in der Dir genehmen Variante kaufst.
    Und ein kleiner Tipp - in den ersten Tagen nützt Dich ein Babybay garnix, denn das Letzte, was Du mit Kaiserschnitt willst: beim Hinlegen von der anderen Seite her über das Bett zu Deiner Matratze robben , weil auf Deiner Seite das Babybay steht. Da soll man schön der Papa aufstehen, und Dir den Zwerg reichen.
    Und la pause funktioniert natürlich auch mit Babybay... einfach nicht sofort rüberzerren.

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