Mittwoch, 6. Mai 2009

Goldene Regeln für den nächsten IVF-Zyklus, Teil 1

Die großen Hormonferien sind bald zu Ende. Zeit für ein paar Tipps, erstens an die Frauen, für die es demnächst das Erste Mal sein wird, und zweitens an mich, damit ich nicht vergesse, mich daran zu erinnern, wenn die Hormone mir wieder das Hirn vernebeln.

1.Im Laufe dieser Sache wirst du jede Menge Papierkram bekommen. Von deiner Krankenkasse, von deinem Arzt, von deinem anderen Arzt, von den Sprechstundenhilfen. Hebe das alles gut auf, am besten ganz spießig in einer großen Mappe. Und bring die jedes Mal mit, wenn du mit irgend einem Arzt sprichst, egal worum es geht. Denn sie wollen jedes Mal irgend etwas aus der Mappe sehen, und sie bitten dich vorher nie darum, es mitzubringen. Und wenn es so weit ist, dann kannst du lässig wie die Toffifee-Mutter sagen: klar, hab ich!
2.Hab keine Angst vor den Spritzen. Ich hatte Angst vor den Spritzen, ganz schreckliche Angst sogar, und dann hatte ich keine mehr, und das war alles gar nicht schlimm.
3.Wenn du in die Apotheke gehst und deine Bestellung rüberreichst, und die Apothekerin holt erst eine ganz, ganz große Tüte und fängt an, hin und her zu laufen und Sachen einzutippen, und am Ende erscheint in der Kasse ein Betrag, der über 500 Euro hinausgeht: Das soll so. Die hat sich nicht vertippt. Du wirst dir in den nächsten Tagen die Schuhe in den Bauch spritzen, die du dir nie leisten wolltest.
4.Du kannst nicht verhindern, dass du dich verrückt machst. Aber du kannst dich davon abhalten, Dinge zu tun, die dafür sorgen, dass du vollkommen durchdrehst. Schwangerschaftstests aus der Drogerie sind so ein Ding. Oder die frühen Anzeichen einer Schwangerschaft zu googeln. Oder 80 Blogs zu lesen und sie nicht als persönliche Ansichten zu verstehen, die oft unter hohem emotionalen Druck geschrieben werden, sondern als das und genau das, was dir passieren wird.
5.Wenn du nicht willst, dass die Leute es wissen, erzähle es nicht. Aber denk dir kein Alibi aus. Du brauchst kein Alibi. Willst du auf einer Firmenfeier keinen Alkohol trinken, während du sonst gerne die Veranstaltungsvollste warst, dann erzähl nicht irgend eine Geschichte von Antibiotika, sondern lass dir trotzdem ein Glas geben, halte es eine Weile in der Hand und stell es dann irgendwo ab. Irgendwer wird es schon trinken. Im Zweifel die neue Veranstaltungsvollste. Davon abgesehen: Wir sind alle viel zu egozentrisch. Niemand fragt sich wirklich, warum zum Teufel du dein Steak gut durch möchtest oder warum du deinen Salat ohne Mozzarella willst. Die überlegen selber gerade, was auf ihre Pizza soll.
6.Wenn die große Maschine erst mal anläuft, fallen dir plötzlich ein paar Sachen ein, die du gerne noch kinderlos erlebt hättest. Reisen, Weltraumflüge, dieser japanische Kugelfisch. Entspann dich: erstens kannst du vorher nie alles schaffen, irgendwas fällt dir immer noch ein. Das heißt nicht, dass du nicht gelebt hast. (Oder doch? Mein Gott!). Und außerdem: die Chancen bei jedem einzelnen Versuch sind nicht gerade überwältigend. Du kannst dich also beruhigen mit der Vorstellung, dass du in ein paar Wochen immer noch diese Sache mit dem Krokodil, der Rakete und den Netzstrumpfhosen durchziehen kannst. Und wenn nicht, bist du schwanger. Auch nicht schlecht!

Kommentare:

  1. Einer der besten Artikel zu dem Thema seit langem! Danke! Das macht meine WS leichter!

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  2. Perfekt!!! Dies ist zum ersten Mal der vernünftigste Bericht zu diesem Thema. Denn...Punkt Nr. 4 habe ich heute komplett durchlebt und wurde immer unsicherer. Nun bin ich wieder optimistisch. Danke!

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  3. Super ! Der Artikel ist der Hammer und zeigt, dass es entspannter viel leichter ist/wäre. Danke !

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  4. Danke, Flora. Das hilft!

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