Freitag, 15. Februar 2013

Gibt es eigentlich einen offiziellen Rekord für die längste Zeit, die jemand in einem Bademantel verbracht hat?

Der Tag heute hat eine Menge zu tun: die zwanzigste Woche beginnt, L. ist unterwegs in die Heide, um dort unsere neue Familienkutsche abzuholen, und heute Abend treffe ich mich mit einer Mädchenrunde, die mich nur unschwanger und daher mit einem riesigen Glas Rosé auf Eis in der einen und einer Fluppe, die nicht mit Schokolade gefüllt ist, in der anderen Hand kennt. Während L. vollen Einsatz für die Familie zeigt, liege ich hier im Bademantel herum, pflege meine eigentlich gerade nicht besonders pflegebedürftigen Haare mit einer schönen Ölpackung, habe eine trocknende Schicht Dr.Hauschka-Schlamm im Gesicht, wasche ein bisschen Wäsche, um wenigstens nicht ganz untätig zu sein, gucke mir zum achthundertsten Mal Downton Abbey an und mache zwischendurch als Alibi das Viertelstunden-Workout von meiner Schwangerschaftsgymnastik-DVD. Die Hunde gucken mir hingerissen zu. Im Wintergarten steht der große Topf mit dem eingelegten Sauerbraten, was nach Super-50er-Jahre-Hausfrau-Overkill-als-nächstes-klöppelt-sie-ein-Spitzendeckchen klingt, aber bisher ca. drei Minuten Arbeit erfordert hat (Weinflasche entkorken, Wein in Topf, halbe Flasche Essig in Topf, ein paar Pfefferkörner, Pimentkörner, Wacholderbeeren und Lorbeerblätter dazu, gehacktes tiefgefrorenes Suppengrün dazu, drei Zwiebeln halbiert und dazu, Fleisch rein, Deckel drauf, fertig), an den mach ich mich morgen, heute feiern wir die Ankunft des neuen Autos mit Steak Béarnaise und Spinat, und wieder mal bin ich dankbar für meinen positiven Toxoplasmose-Test. Ich bin überhaupt für vieles dankbar gerade. Ich bin euch dankbar für die vielen vielen Geburtsberichte, denn glaubt mir: ich wollte das wirklich wissen. Ich bin dankbar, dass heute die letzte Woche der ersten Hälfte dieser Schwangerschaft beginnt und ich immer noch schwanger bin, zumindest, soweit ich das beurteilen kann. Ich bin dankbar, dass Momo seit Donnerstag keinen epileptischen Anfall mehr hatte. Ich bin dankbar, dass ich mich endlich zu Klartext durchgerungen habe und jetzt nicht mehr in den Yogakurs gehe. Ich bin dankbar, dass ich diesen Schlumpf-Vormittag für mich habe und meine müden schwangeren Knochen ein bisschen pampern kann. Ich bin dankbar, dass meine Mädchen mich jetzt nicht aufgegeben haben, nachdem ich in den letzten Wochen so oft entweder gar nicht erst aufgetaucht bin oder aber gegen zehn nach dem Taxistand geschielt habe, sondern dass ich heute Abend mitten in einem schnatternden, glitzernden und mit Lipgloss verzierten Haufen sitzen werde. Und ich bin dankbar, dass ich meinen Frieden mit den Sorgen gemacht habe. Auch dabei haben mir die Geburtsberichte geholfen, so komisch das vielleicht auch klingt. Ich habe mir noch mal den dreiteiligen Geburtsbericht des zweiten Kindes von dooce (die ihr in meiner Blogroll findet) angesehen. Irgendwie hatte sie sich diesmal in den Kopf gesetzt, es ohne Schmerzmittel zu versuchen, und hat sich während der Wehen und der Geburt vorgestellt, sie wäre eins dieser hässlichen Gartendinger: eine Kugel, über die Wasser fließt. Sie ist die Kugel, die Schmerzen sind das Wasser. Man kann das Wasser nicht ignorieren, aber es fließt eben einfach über die Kugel und kann ihr nichts anhaben. Und so ähnlich mache ich das gerade mit den Sorgen und Ängsten, das Kind wäre längst in meinem Bauch gestorben, und wenn noch nicht jetzt, dann spätestens übernächste Woche. Die Angst ist da, und kein gutes Zureden und keine Beispiele von anderen Damen, bei denen doch schließlich auch alles gut gegangen ist, können sie vertreiben. Aber ich habe meinen Frieden damit gemacht, und ich lasse sie mal machen, so lange sie mich machen lässt. Das geht ganz gut mit uns beiden seitdem.

Kommentare:

  1. Hallo Flora,
    mir selbst ist es auch zu privat, einen detaillierten Geburtsbericht zu verfassen, aber ich schildere dir mal ein paar Punkte, die aus meiner Sicht hilfreich sind vorher zu wissen:
    - wenn du in eine Klinik mit Kinderintensiv etc. gehst, wirst du die meiste Zeit an ein CTG angeschlossen und bekommst für den Fall der Fälle schonmal einen Zugang in den Handrücken, damit im Notfall kein Anästhesist zwischen Wehen nach einer passenden Vene suchen muss. Egal wie hüsch der Kreissaal ist, es wirkt dann auch wie Krankenhaus
    - die Wehen tun weh, mehr viel mehr als Endo. Dafür sind die Pausen dazwischen völlig schmerzfrei, als wäre nie was gewesen. Irgendwie irre.
    - zu Presswehen sagte meine Hebi im O-Ton:"Stellen Sie sich Ihren schlimmsten Kackreiz mal 1000 vor und Sie kommen langsam in die richtige Region". Recht hatte sie!
    - So furchtbar die Vorstellung ist, während der Geburt selbst, wird ein Dammschnitt dein kleinstes Problem sein. Du wirst ihn nichtmal richtig spüren
    - Das Gefühl, das Baby dann auf der Brust zu haben, ist so unbeschreiblich schön. Da musst du dich einfach noch ein wenig gedulden. Dann weißt du, warum man es nicht beschreiben kann.
    - Erkundige dich lieber vorher schonmal nach dem Wochenfluss nebst Hygienemaßnahmen. Ist nicht schlimm, aber ein bißchen mehr Vorbereitung bei dem Thema ist auch nicht schlecht............

    Schöne und gesunde Schwangerschaft weiterhin, Steffi

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  2. Hallo,

    Viele schreiben, dass zwischen den Wehen nichts wehtut.
    Wenn die Wehen jedoch von Anfang an alle 2 Minuten kommen, dann merkst du diese Pausen nicht. Die nimmst du nicht mehr wahr. Ich hatte immer gleich Angst vor der nächsten Wehe. Und diese kam dann auch direkt. Und das von Anfang an.
    Das ist nicht häufig so, kann aber passieren.
    Also freue dich vielleicht nicht zu sehr auf die Pausen. :)

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  3. Liebe Flora,
    das hört sich doch gut an wie Du einen Weg gefunden hast mit Deinen Ängsten umzugehen! Ich möchte meine Geburten hier auch nicht offiziell schildern (ist ein bißchen so wie über Sex reden, das erzähle ich ja auch nicht jedem), nur so viel: ich hatte vier Geburten, alle ohne irgendwelche Schmerzmittel. So kanns auch gehen, und ich bin sehr dankbar dafür dass ich alles in allem auf wirklich schöne Geburtserlebnisse zurückblicken kann. Und nein, ich bin nicht besonders schmerzempfindlich oder tapfer (und auch nicht besonders vergesslich, ich konnte mich schon noch an die Schmerzen erinnern)! Mit ganz lieben Grüßen und den besten Wünschen,
    N.

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  4. Den Umgang mit der Angst find ich gut, denn etwas anderes bleibt Dir platt gesagt nicht übrig. Nicht vor der Geburt, nicht nach der Geburt, nicht solange du einen Atemzug tust. Du wirst IMMER Angst um dein Kind haben. Stell dir mal vor, wie du dich fühlen wirst, wenn sie/er den Führerschein macht und mit dem Auto zur Disko aufbricht. GAAAAAAHHHHHHH
    Also hilft nur, sich nicht wahnsinnig zu machen und einfach damit zu leben. Augen zu und durch.
    liebe Grüße
    Bernstein

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