Dienstag, 13. März 2012

An der ganz, ganz langen Leine

Nach den ersten Krämpfen und Flüchen letzte Woche dachte ich mir irgendwann: wieso rufst du nicht einfach mal in der Klinik an und erkundigst dich, wie es so geht und ob du jetzt irgendwas beachten oder einnehmen musst? Könnte ja mal sein? Und schon nach vier Stunden kam der Rückruf: bitte ja, bitte Valette, bitte einmal täglich und dann in so ca. drei Wochen wieder melden zum nächsten Ultraschall. Und ich denke mir wieder mal: ein Glück mache ich das nicht erst seit gestern. Und bei aller Sympathie für die leicht hippie-eske Note meiner Klinik finde ich doch, ein bisschen mehr Zug könnte drin sein. Und wieso eigentlich erst in drei Wochen Ultraschall? Dieses Rumoren unten links – ist das jetzt ein gutes Zeichen oder ein Zeichen dafür, dass Ilse noch mal zugelegt hat an Gewicht, Bösartigkeit und Sprengkraft?
Kaum bin ich wieder auf Hormonen, schon merke ich, dass sich etwas tut. Das war früher anders, ich war immer auf eine unseriöse Art stolz darauf, wie wenig mich das alles kratzt – eine ähnlich blöde Attitüde wie die von Leuten, die stolz auf ihre Körpergröße sind oder darauf, dass ihre Haare noch nicht dünner werden. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht hat mein Körper sich auch ein bisschen überfressen an all den Abkürzungsmedikamenten: die Hamsterhormonphase ist vorbei, lass uns heute mal lieber Pizza. Täglich ein winzig kleines Pillchen, und schon liege ich nachts wieder wach und zergrübele mir das morsche Hirn, habe einen Bauch wie eine Trommel und friere und schwitze den ganzen Tag gleichzeitig. Und gleichzeitig spüre ich langsam einen gewissen Überdruss. Abkürzungsdamen, ich muss gestehen: nach drei Jahren werde ich langsam müde. Ich finde, es reicht jetzt mal mit Zysten und anderen Gewächsen, Ultraschalls und Spritzen. Ich habe keine Lust mehr, meinen Kalender und mein Budget darauf auszurichten. Und ich habe eigentlich auch keine Lust mehr, darüber zu reden und zu schreiben.
Hapüh. Nach der manischen Miniphase am Wochenende folgt jetzt die süße kleine Pillendepression. Ich freu mich auf einen Abend voller Flüche, Hass und Gekicher mit euch. Und dann ist es hoffentlich auch wieder gut.

Kommentare:

  1. Liebe Flora, diese Phase hast du erst jetzt? Na Hut ab für dein Durchhaltevermögen. Ich denke, die Phase durchleben wir alle. Kopf hoch, die Welt sieht bald wieder schöner aus. Believe me!!!
    Lg, Christina

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  2. Ich schäme mich fast ein bisschen, ich habe erst das zweite Negativ kassiert, nehme ab heute wieder Gonal und habe eben beim Termin gesagt: Nein, dieses Mal keine IUI. Da ergebe ich mich lieber der Illusion, dass es vielleicht "einfach so" klappt und spare mir das Geld doch lieber für eine ICSI, die wohl als nächstes auf dem Programm steht. Wenn ich dann noch Lust darauf habe, Geld, Kalender usw. danach auszurichten. Insofern: Hut ab für dein Durchhaltervemögen. Und: Bitte nicht aufhören, über das alles zu schreiben! Du hast mir schon oft genug den Tag gerettet :-)!
    Grüße,
    Hauptstadtkind

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  3. Ich denke das auch oft. Die Klinik könnte doch... Gut, dass man sich auch ein bißchen selbst informieren kann. Eigentlich kann es doch nicht sein, dass man immer erfragen und selber Ideen Einstreuen muss. Und diese Behandlungsmüdigkeit: Ein Wunder, dass sie dich jetzt erst erwischt. LG, Emma

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  4. Liebe Flora,

    ich bin durch Dein Buch auf Dich aufmerksam geworden und lese seit über einem Jahr Deinen Blog. Ich mag Deine Art, zu schreiben, sehr (habe einen ähnlichen Beruf) und finde sie sehr aufmunternd.
    Mein Mann und ich stecken seit mittlerweile vier Jahren in der KIWU-Behandlung, haben jetzt aber seit fast zwei Jahren nichts mehr "aktiv" vornehmen lassen.
    Ich will jetzt nicht oberlehrerhaft klingen, aber ich habe noch ein weiteres Problem: eine bipolare Störung, früher manisch-drepressive Erkrankung (und NEIN, das ist kein Ausschlusskriterium für die KIWU-Behandlung). Deswegen musste ich, sei nicht böse, ein wenig schlucken, als ich von der "manischen Flora" und ihrer anschließenden "kleinen Pillendepression" las. Wie gesagt, ich finde Deine Art zu schreiben spritzig, und Du scheinst auch zu wissen, worum es sich bei der Erkrankung handelt. Aber diese schrecklichen Phasen wünsche ich wirklich niemandem.
    Nichtsdestotrotz, ich bleibe am Ball und werde Deinen Blog weiter verfolgen.

    Liebe Grüße

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