Dienstag, 1. Januar 2013

Das wurde aber auch verdammt noch mal Zeit

Man sollte meinen, die feine Madame Flora hätte in den langen, verregneten Tagen zwischen Weihnachten und Silvester wenigstens mal für ein halbes Stündchen... aber nein. Nichts! Vermutlich zu beschäftigt damit, die gewaltigen Einkommen aus den Buchverkäufen zu zählen und zu verjuxen oder Pralinen fressend auf dem Sofa zu liegen. Ist das eine Art, mit einem Blog umzugehen, der lange Jahre treue Dienste geleistet hat?

Nein, ich geb's ja zu. Aber ich habe eine Entschuldigung: erstens ist absolut nichts passiert, das berichtenswert gewesen wäre. Wobei... aber dazu, versprochen, in einer Woche. Ich habe nämlich einen Knüller in der Hinterhand. Auch der Knüller ist aber im strengen Sinne nicht in den letzten Tagen passiert, und wenn man zweitens seine Tage im Erkältungsdämmer auf dem Sofa verratzt, dann schießt einem auch wenig durch den Kopf, was man unbedingt dem Internet erzählen will. Dank Aspirinallergie und noch einigem anderen musste ich mit dieser Erkältung ohne andere Unterstützung als Tee und Inhalierstift fertig werden, und das habe ich nicht gut gemacht, gar nicht gut.

Also gut. Vorsätze, oder?

1. Ich bin die Posts der letzten Neujahre noch mal durchgegangen und habe festgestellt, dass ich vor einem Jahr beschlossen hatte, mir für dieses Jahr gar nichts vorzunehmen. Das Erstaunliche ist: dieses Jahr ist trotzdem mehr mit Vorsatzqualität passiert als in den Vorjahren. Vor ein paar Jahren hatte ich z.B. mal an Silvester den Plan gefasst, das kommende Jahr mit 100 Drinks und 10 Zigaretten zu bestreiten. Harrr! Dieses Jahr hatte ich nichts entsprechendes vor und habe seit dem 22. September (Stammtisch, wir erinnern uns, bzw. ihr erinnert euch hoffentlich, ich mich nämlich nur lückenhaft) nichts mehr getrunken. Dazu brauchte es keinen weiteren Anreiz als katerfrei aufzuwachen und täglich einen kleinen bunten Klebepunkt für jeden alkoholfreien Tag in meinen Kalender zu kleben. Welcher Vorsatz folgt daraus? Der, dieses Jahr weniger Energie in Fünfjahrespläne zu stecken und mehr zu machen. Und nach dem gestrigen Abend kann ich euch sagen: Söhnlein Brillant alkoholfrei ist zwar im Vergleich zu live light geschmacklich ein Schritt nach vorne, aber dann. Oh oh, aber dann. Und dabei wollten wir doch dieses Jahr gar nicht ballern, bruharrharr.

2. Was Sport betrifft, bin ich momentan etwas eingeschränkt. Trotzdem will ich immer, wenn ich mich danach fühle und sonst nichts dagegen spricht, meine große bunte Jungs-Sporttasche packen und ins Studio fahren, wo ein gut beheiztes Schwimmbad mit Poolnudeln und Schaumhanteln und Aquajogginggürteln auf mich wartet. In 2013 wird Wasser mein Freund.

3. Abnehmen ist, fürchte ich, dieses Jahr nicht. Und joggen auch nicht, jedenfalls erstmal. Keine gute Kombination. Aber als ich gerade den gestern gekauften Neujahrsberliner nach drei Bissen weggeworfen habe, habe ich mich an einen alten Plan erinnert und beschlossen, an den kann ich mich halten: extrem fettige Lebensmittel sind vollkommen ok, so lange sie wirklich fabelhaft schmecken. Phantastische Fritten: her damit. Mittelmäßige, kalte Fritten aus charakterlosen Kartoffeln mit Salatmayonnaise: stehenlassen.

4. Im Blog ist Fluchen und Austeilen weiterhin erlaubt, im Alltag will ich mir vornehmen, ein bisschen nachsichtiger und großzügiger mit Leuten zu sein, die irgendwie unbeabsichtigt auf meine zarten, hormonverschlackten Füße treten.

5. Um noch mal auf 3. zurückzukommen: Irgendwo tief drinnen habe auch ich dieses Stimmchen, das "tsk, tsk" macht, wenn ich Essen wegwerfe, nur weil es meine Augen nicht zum Leuchten bringt. Natürlich ist niemandem in der Sahelzone mit meinem angebissenen Berliner geholfen, deshalb will ich dieses Jahr mehr an gute Hilfsprojekte spenden. Zum Beispiel das Geld, das ich an der Supermarktkasse für Billigchips oder chemischen Sahnejoghurt spare.

6. Ich will endlich die verdammten Bilder an die verdammten Wände hängen.

7. Ich will jede Woche mindestens drei Stunden damit zubringen, meinen Absprung aus der Werbung nicht nur in bunten Farben zusammenzuphantasieren, sondern voranzubringen.

8. Ich will wenigstens jeden zweiten Sonntag meine Mutter anrufen.

9. Meine Schwester und meinen ältesten Freund ebenfalls.

10. Mein Lieblingsvorsatz von allen auf dieser Liste: ich will in diesem Jahr 100 neue Rezepte ausprobieren.

11. Ich will es schaffen, die vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Vorräte in meiner Vorratskammer in den Griff zu kriegen. Hamsterinstinkte in allen Ehren, aber ich brauche nicht acht Sorten Hülsenfrüchte in Mengen von jeweils über 1 Kilo, sieben koreanische Konserven, deren Inhalt ich leider nicht kenne, weil ich kein Koreanisch kann, und vier angebrochene Tüten Buchweizenmehl. Das Zeug wird aufgebraucht oder kommt weg.

12. L., mein Liebster, soll wieder merken, dass ich seine Liebste bin und nicht seine Mutti. Vielleicht bekommt er dieses Jahr ein bisschen weniger Kaffee von mir gekocht und Essen vor die Nase gesetzt. Aber dafür werfe ich mich für ihn auch wieder etwas mehr in Schale, hebe mir meine fünfstündigen Ölkuren für die Frisur für Tage auf, an denen er außer Haus ist, und lackiere meine Nägel frisch, wenn die abgesplitterte Fläche größer ist als die lackierte.

13. Ich kaufe mir eine Hundehose, so ein knisterndes Plastikding, das ich über meine andere Hose ziehe, bevor ich mit den Hunden aufbreche. Ihr ahnt nicht, wie viele Nerven, Waschmittel, Strom und Wasser, Outfitwechsel in letzter Sekunde, Flüche und unwiderbringlich versaute Kleidungsstücke mich meine und fremde Hunde im letzten Jahr gekostet haben. Wenn meine Garderobe zu retten bedeutet, dieses Jahr in Croqs und Plaste durch die Gegend zu stapfen, um es sonst in Samt und Seide tun zu können, dann mache ich das eben.

14. Ich will mindestens einmal im Monat ins Kino gehen und mindestens einmal im Monat meine Mittagspause in einem Restaurant verbringen, das keinen Take-Out-Service anbietet.

Und ihr? Verratet ihr mir eure Vorsätze?

Kommentare:

  1. Die üblichen Vorsätze wie abnehmen und mehr Sport machen kommen in dem Jahr kommt dank Schwangerschaft bei mir auch nicht in Frage.
    Welche schöne Nebenwirkung!
    Mein Vorsatz für 2013 ist wieder etwas achtsamer für die mich umgebenden Menschen zu werden. Nachdem 2012 sehr von Kinderwunsch und ICSI Behandlung geprägt war, war ich wohl meistens ziemlich unfähig empathisch zu sein und viel zu sehr mit mir selber beschäftigt.

    Übrigens mein Vorschlag für Deine Beschäftigung ausserhalb der Werbebranche: Bücher schreiben! Ich kaufe sie alle!
    LG

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  2. Bei den aktuellen Autorenverträgen bekommen die beiden Eiertanzdamen wohl um die 60 Cent pro Buch. Da muss man schon viele Bücher verkaufen, bis der Kühlschrank voll ist.......

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  3. Liebe Flora,

    auch Dir ein bombastisches neues Jahr mit diesmal mehr Höhen als Tiefen, vielen Glücksmomenten und Gesundheit. Einziger Vorsatz meinerseits: Das Leben genießen und die "Shits" der letzten 3 Jahre endlich abhaken. Ich hoffe, Du machst die Welt mit Deinem Blog auch 2013 bunter. Ich freue mich jedenfalls über neue Einträge aus dem "normalen Leben" und über Gedanken zum Thema Kinderwunsch bis Kinde und Mutter-Dasein. Danke für all Deine Zeilen und Offenheit -ohne, die die Abkürzungszeit um einiges trauriger gewesen wäre. birgit

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  4. Liebe Flora,
    ich muss gestehen, dass manche deiner Vorsätze (erschreckend viele um genau zu sein) durchaus auch auf mich zutreffen. Bloß lautet mein Vorsatz für 2013: KEINE Vorsätze!
    2008 wollte ich schwanger werden
    2009 wollte ich schwanger werden
    2010 wollte ich schwanger werden
    2011 wollte ich schwanger werden
    2012 wollte ich schwanger werden und freute mich irrsinnig auf meine erste (und nicht einzige) Kiwu-Behandlung

    2013. Tja 2013 weiß ich nun nicht so recht wohin mit mir. Mein Kinderwunsch ist zwar nicht schwächer, meine Hoffnungslosigkeit jedoch ein wenig größer geworden.
    Ich werde daher:
    Den Kopf nach vorne richten,
    meine Perspektiven erweitern,
    endlich entscheiden, ob ich meinen Schreiberlingjob aufgebe, um Gärtnerin, Landschaftsplanerin, Marmeladen- und Chutneyköchin, Tortendekorateurin, freie Journalistin, Lokalbesitzerin oder was auch immer werde,
    Kraft in mein derzeit unbewohnbares Landhaus stecken,
    meine Kochbücher nicht nur als Bilderbücher benützen,
    endlich einen Blog schreiben,
    etwas mehr lachen und Glück in kleinen Dingen suchen,
    öfter hier vorbei schauen,
    schwanger werden.

    Habe ich etwas vergessen? Sicher!

    Alles Liebe Rose

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  5. Liebe Flora,

    im Gegensatz zu max kruemelchen stehen für mich die üblichen Vorsätze wie abnehmen und mehr Sport GERADE dank Schwangerschaft auf dem Plan, denn jetzt muss ich nicht "nur" für mich fit und gesund sein! :-D

    Alles Liebe

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  6. ich habe so ein knisterndes plastikding zum gassigehen und ich kann dir sagen, ich lieeebe es! Frohes neues jahr!!!

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