Donnerstag, 27. Juni 2013

Sogar die verdammte Tastatur ist eingestaubt. Und der Rechner war zugeklappt. Zugeklappt!

Würmchen wiegt jetzt 3.200 Gramm und kann laut Ärztin jederzeit kommen, auch wenn sie noch kein konkretes Anzeichen entdecken konnte, dass es in den nächsten zehn Minuten losgeht. Der Wehenschreiber war unauffällig, er zappelt immer noch kräftig, und die Senkwehen können zwar alles mögliche gewesen sein, aber eben keine Senkwehen, denn der Kopf sitzt immer noch nicht fest im Becken. Was bedeutet, wenn es losgeht und die Fruchtblase platzt, muss ich im Liegen und damit im Krankenwagen ins Krankenhaus. Morgen fahre ich aber erst mal in meiner eigenen schäbbigen Schüssel und sitzend da hin, denn dann habe ich einen weiteren Termin, bei dem festgestellt werden soll, wie tief genau die Plazenta nun sitzt und was das heißt. Meine Ärztin war nicht begeistert von ihrer Lage, hat sich noch mit einem Kollegen besprochen und ist zu der Ansicht gelangt, dass das die Füchse aus der Geburtshilfe besser beurteilen können. Den nächsten regulären Arzttermin habe ich am Stichtag, das heißt am 12.7., und ab da muss ich alle zwei Tage kommen, es sei denn, Würmchen bequemt sich. Ich war außerdem begeistert zu hören, dass in meiner neuen Praxis längstens sieben Tage über Termin gewartet wird, dann schicken sie einen ins Krankenhaus zur Einleitung. Die Vorstellung, fast zwei Wochen auf glühendem Klinikkoffer zu sitzen, fand ich noch nie verlockend. Auch wenn hier immer noch... aber das ist eine andere Geschichte.

Ich wundere mich inzwischen, dass man nicht öfter in der Zeitung liest von Menschen, die sich von hinten an Handwerker heranschleichen und sie mit Bademantelgürteln, Bratpfannen oder Flaschen zur Strecke bringen. Ich neige nicht zu körperlicher Gewalt, aber der Impuls ist inzwischen da. "In einer Woche schaffen wir es wohl nicht" hatte der beflissene Projektleiter damals im Dezember zu uns gesagt. "Aber in zwei auf JEDEN Fall." Jetzt sind die Fensterfüchse die sechste Woche hier, und ein Ende ist nicht abzusehen. Gestern kamen plötzlich statt der inzwischen schon vertrauten anderen Vögel ein ca. zwölfjähriger Gehilfe und ein mir noch fremder Mann, die uns vorgestellt wurden als Mitarbeiter einer ganz anderen Tischlerfirma. Unsere Fensterfüchse sind inzwischen auf einer anderen Baustelle verplant, die beiden sind der Ersatz. Sie haben noch nie mit unserer Fensterfirma gearbeitet und umgekehrt. Wäre ich auch selbst drauf gekommen, nachdem sie den ganzen Tag das Haus in Lärm und Staub gehüllt haben und trotzdem nicht mehr als sechs einfache, angeschrägte Bretter an zwei Fenster montiert haben. Morgens hatte ich ihnen noch gesagt (die Putzarie von gestern noch in den Neunmonatsknochen), sie sollten bitte, bitte darauf achten, den Tag über alle Türen hinter sich zuzumachen, damit der Staub nicht in jedes einzelne Zimmer und in jede Ritze quillt. Ergebnis war, dass alles offen stand. Sogar das Kinderzimmer, und in dem hatten sie noch nicht mal zu tun. So dass ich jetzt noch mal die ca. achtzig Strampler und winzigkkleinen Babyschühchen usw., die uns L.s Cousine geschickt hat, waschen, trocknen, falten und anhand ausgebleichter Größenschildchen sortieren muss. Das wird zusätzlich erschwert dadurch, dass der Weg zur Waschmaschine inzwischen völlig verbaut ist mit riesigen Handwerkergeräten, die in unserem Keller zwischengelagert werden. Inzwischen betrachte ich die Aussicht auf die Geburt als willkommene Chance, mal ein paar Stunden ohne Handwerker zu verbringen. Ich hoffe jedenfalls, der Kreißsaal wird nicht gerade neu gekachelt, während ich da liege.
Morgen kommt der Chef der Fensterfirma persönlich hierher, und dann werde ich ihm mal was erzählen. Ein einziges Mal während dieser Monate will ich die Schwangerenkarte voll ausspielen, und er bekommt sie morgen links und rechts um die Ohren. Seit meiner Schulzeit hatte ich nicht mehr sechs Wochen am Stück frei, verdammt. Ich hatte mich seit Dezember auf den Mutterschutz gefreut. Diese Zeit sollte dazu da sein, sich zu sammeln, zu schonen, noch ein paar letzte schöne Dinge in Freiheit zu genießen und sich behaglich auf das Baby zu freuen. Ich dachte, ich verbringe diese Zeit mit einer Gala auf der Couch. Oder mit L. in der Heide. Oder mit meinen Mädchen rippchenessend beim Portugiesen. Stattdessen verbringe ich diese Zeit damit, von fremden Männern auf dem Klo überrascht zu werden, fast täglich um halb sieben aufstehen zu müssen und einen niemals endenden Kampf gegen den Staub zu führen. Und das ist einzig und allein die Schuld dieser beschissenen Fensterfirma. Da kann einem schon mal der Bademantelgürtel ausrutschen, oder?

Außerdem habe ich noch einen Tipp für ein gesundes Sommergetränk: Neulich hatte ich vergessen, dass ich mir einen ganzen Topf Yogi Chai Tee Schoko gekocht hatte. Den losen, nicht den aus Beuteln. Man streut zwei Teelöffel in einen Topf voll Wasser und lässt das alles 10-15 Minuten kochen, woraufhin ein großartiger Duft das ganze Haus durchzieht. Der Topf stand jedenfalls am nächsten Morgen immer noch da. So geht das Getränk: man rührt eine individuelle Menge Honig in den Tee (geht besser, wenn er noch etwas warm ist), nimmt sich ein großes Glas mit Eiswürfeln, füllt es durch ein Teesieb zu zwei Dritteln mit dem zart gesüßten, abgekühlten Yogitee und gießt das Ganze mit kalter Milch auf. Ich trinke davon im Moment ca. zwei Liter am Tag. (Nein, unbekannte und sicher wohlmeinende Kommentatorin, Yogi Chai ist ein reiner Gewürztee und koffeinfrei. Frei, sage ich!)

Kommentare:

  1. Also, wenn ich so überlege dass ich vor einer gefühlt ewig langen Zeit in einem Buchladen in meiner Heimatstadt wo mich jeder kennt, stand und die Verkäuferin angeflüstert habe "Wo finde ich denn bitte Bücher zum Thema kschhhhh...?" - "WAS?" - "Na Bücher zum Thema kscchhhh... Sie wissen schon..." - "Entschuldigen Sie, ich verstehe sie nicht. Was suchen Sie?" - "KnDrWnSchhhhhh...." - "Ach Kinderwunsch. Die stehen hier. Ich empfehle Ihnen Eiertanz." und dann mit deinem Buch zur Kasse geschlichen bin, noch eine Glückwunschkarte zur Hochzeit gekauft habe, obwohl ich gar niemanden kannte der geheiratet hat, nur um den Titel zu überdecken. Und seit dem jeden Tag deinen Blog lese und so gehofft habe, dass nach all den Rückschlägen das olle Jugendamt Euch schnell durchwinkt und Euch hilft. Und wenn ich dann darüber nachdenke, dass du JETZT ungefähr eine Hand breit vor der Geburt deines eigenen Kindes stehst.

    Flora, ich muss heulen.

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  2. Du bist so tapfer, Flora!!! Ich selbst musste bis zur Geburt meines ersten Sohnes auf einer Baustelle hausen, hatte gar nix vom Mutterschutz und war heilfroh, dass das Kinderzimmer und die Küche eine Woche vor Geburtstermin noch fertig wurden und ich wenigstens in dieser einen Woche einmal pro Tag ins fertige, saubere Kinderzimmer gehen konnte, um mich der Vorfreude endlich ganz hingeben zu können :o), ich weiß also in etwa, wovon du da erzählst. Übrigens ist es gemäß der Erfahrung meiner Hebamme wohl oft so, dass die Frauen, die unbedingt noch eine bestimmte Sache (z. B. eine Hochzeit, einen runden Geburtstag oder eben ein Baustellenende) vor der Geburt schaffen möchten, ihr Baby tatsächlich erst nach diesem Ereignis bekommen, weil sie sich so reinsteigern. Bei mir hats funktioniert, Baby kam 5 Tage "zu spät" und erst dann, als ich wirklich abschalten und sagen konnte: jetzt kanns losgehen!
    Ich wünsche dir jedenfalls, dass du allen Staub und Dreck bis zur Geburt loswirst und wenigstens ein paar Tage hast, um noch mal zu entspannen (was mit Riesenbabybauch dann ja leider sowieso schwierig ist :o()!

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  3. Liebe Flora,

    erst mal alles Gute für die Geburt. Ich freue mich riesig mit dir.
    Mein 13. Versuch macht gerade seinen Mittagsschlaf.

    Nun zu den Handwerkern: an die Wand bügeln den Chef!! Mit nichtzahlung drohen und Termin setzen, auf die bekannten Monteure bestehen, richtig mächtig Theater machen. Wenn er Leute abzieht, haben andere Kunden lauter gemotzt, also spiel deine SSkarte so richtig aus.
    Und bevor hier jemand motzt, bin selbstständig im Handwerk mit mehreren Mitarbeitern, sowas geht echt g a r nicht.
    Aus Erfahrung weiß ich selbst nur zu gut, wer am lautesten motzt wird am schnellsten bedient. Zumindest dann, wenns hart auf hart kommt. Also, viel Erfolg für das Chefgespräch, hau richtig drauf.

    Ich finds so schade um die schönen Wochen.

    Alles Gute dir und dem großen Würmchen.

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  4. Hallo Flora,
    das mit den Handwerkern ist wirklich sehr lästig, bin selbst mit Mann aus unserem Baustellenhaus vor der Parkettsäge unseres " Dauerhandwerkers" geflüchtet, der hat sich sogar zur Pause auf unser Bett gesetzt! Ich hätte ihn umbringen können! Nach einem ordentlichen Donnerwetter meinerseits-mein Mann ist dafür nie zuständig, war der Typ dann innerhalb von zwei Tagen fertig, grrrr....
    Jetzt bin ich ss mit dem 2. und genieße meine Handwerkerfreie Wohnung.
    Noch ein Tipp am Rande:ich hab wie du die Ferro Sanol ganz schlecht vertragen, hab jetzt Tardyferon bekommen und hab keine Probleme mehr! Wahrscheinlich werden wir ja Eisen auch während der Stillzeit nehmen müssen, letztes Mal hab ich's nicht getan und mir ging's richtig elend...Ist ne Retardtablette und sie macht mich bloß müde, nehm sie eine Std. vorm Abendbrot und schlafe wie ein Baby!

    Alles erdenklich Gute wünsche ich dir für die Geburt und daß die Fensterbauer mal fertig werden und du vielleicht noch ein paar ruhige Tage vor dem großen Ereignis hast! Bin selbst 4 Wochen nach dir dran und freu mich auf deine weiteren Berichte!
    LG aus dem regnerischen( der Wettergott ist gnädig mit uns Dickbäuchen)Rheinland

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  5. Hallo!

    Gestern habe ich zu Recherchezwecken angefangen, den "Eiertanz" zu lesen und war nun neugierig, wie es nach dem Buch weitergegangen ist.

    Wie schön, dass es geklappt hat mit der Schwangerschaft! Ich wünsche dir eine problemelose Geburt!

    Herzlichst
    Marie

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