Dienstag, 11. Juni 2013

Unseren Tee nehmen wir heute mal im Jahr 2010

Heute nachmittag besucht mich eine nette Dame vom ORF, um sich mit mir über Kinderwunschbehandlungen zu unterhalten. Wäre das wohl spektakulär, wenn ich währenddessen Würmchen auf einer Picknickdecke im Garten zur Welt bringe, Steißlage und alles? (Und wieder mal bin ich aus unzähligen Gründen froh, dass das eine Radio-Reportage wird.) Bis dahin muss ich alles versuchen, um meine Stimme irgendwie auf Normalniveau zu bringen. Die Erkältung, die L. mir vor ein paar Tagen verpasst hat, ist nämlich auf dem Ekligkeits-Siedepunkt. Sonst werde ich schon leider sehr brüchig und leidgeprüft klingen, und genau so soll es sich nicht anhören, wenn es nach mir geht.

Eigentlich sollte sich das Ganze fast anfühlen wie eine Reise im Zeitmaschinchen: Kinderwunschzeit, das war doch letztes Jahr, jedenfalls früher. Aber ich lese mir die Fragen durch, die sie mir schon mal vorab geschickt hat, und es ist alles noch genau so wahr und da wie irgendwann 2010. Wir sind immer noch ein Kinderwunschpaar, nur eben eins, das zur Abwechslung mal Glück hatte. Wie war das, als ich erfahren habe, dass das nichts wird mit "Huch, ich bin schwanger"? Was habe ich zum Thema Loslassen zu sagen? Wieso hat es jetzt geklappt und früher nicht? Wie sind wir mit den Enttäuschungen umgegangen? Wie hat sich mein erster IVF-Zyklus angefühlt, meine erste Spritze? Ich hoffe, die Dame vom ORF wird nicht enttäuscht sein, aber ich musste nicht das Wochenende damit zubringen, alte Tagebücher und den Blog zu durchforsten, denn die Antworten sind alle noch genau so klar wie vor der Schwangerschaft. Das geht fast aus dem Stegreif.

Was mich aber interessieren würde: wie war das bei euch, liebe Abkürzungsdamen, bei denen es auch irgendwann geklappt hat? War das Abkürzungskapitel irgendwann vorbei? Oder ist es immer noch genau so präsent, auch ohne Blog, der das Flämmchen weiter am brennen hält? Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch einigermaßen entspannen konntet - jedenfalls bis auf das Niveau, auf dem sich auch "natürlich" Schwangere irgendwann mal gemütlich einrichten? War es euch überhaupt wichtig, das hinter euch zu lassen? Natürlich war ich froh, dass die Angst irgendwann nicht mehr ganz so allgewaltig war, aber je länger ich darüber nachdenke, desto weniger wichtig ist es mir - unser Kind ist nach vier Jahren Spritzen und Warteschleifen entstanden, das ist eben so. Und die Angst habe ich vermutlich mindestens genau so stark der Fehlgeburt zu verdanken wie der langen Kinderwunschbehandlung, und Fehlgeburten können ja leider leider auch Nicht-Abkürzungsdamen erleiden.

Ich werde wohl nie vergessen, wie ich zum ersten regulären Termin bei meiner Ex-Frauenärztin am Tresen stand und mit der Sprechstundenhilfe besprach, warum ich hier bin, und sie mit so klitzekleinem Mäusestimmchen ihre Fragen stellte, dass ich keinen Piep verstanden habe: nach der Kinderwunschbehandlung, in welcher Klinik wir waren, wann genau der Transfer war. Und es war auch egal, dass ich bestimmt dreimal gesagt habe "Wie bitte? Sie können ruhig laut sprechen, das ist mir wirklich überhaupt nicht peinlich", ohne dass es irgendwas genützt hätte.

So. Jetzt backe ich noch einen Rhabarberkuchen und überlege mir, an welchem Ort des Hauses es gerade am wenigsten staubt und kracht, damit wir uns da niederlassen können.

Kommentare:

  1. Hallo Flora,
    das Thema war bei mir eigentlich schnell vorbei. Es war gleich nach dem positiven Test ein Gefühl da, als ob ich tausende von Kilos Last abgeworfen hätte.
    Das ich so sschnell damit durch war, liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass ich berets beim ersten Hormontheater Glück hatte.
    Alle haben meinen höchsten Respekt, die dafür mehr als einmal die Nerven aufbringen konnten.
    Ich weiß nicht, ob ich das immer und immer hätte durchstehen können.
    Das einzige was mich noch unterscheidet von einer normalen Schwangeren ist mitlerweile das schlechte Gewissen dass mich stets plagt, wenn ich genervt bin von den Schwangerschaftsunannehmlichkeiten. Ich habe das Gefühl wir müssten viel viel glücklicher als andere Schwangere sein und hätten kein Recht zu leiden.
    LG
    ute

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  2. Ich hatte das große Glück noch 6 Jahren Kiwu, drei Jahren erfolgloser Dauer-Warteschleife und schließlich aufgegebenen Kiwu doch spontan ss zu werden. Meine SS war also eher davon geprägt, dass sie ein großes Geschenk ist - nicht harte Arbeit, wie es nach einer ICSI vielleicht gewesen wäre. Aber ganz aufgehört hat es nie: Ich bezeichne andere Paare noch immer als "auch ungewollt kinderlos" - und dabei raubt mir das große Glück seit 5 Monaten den Schlaf. Und auch der ganze Schmerz der vergeblichen Versuche ist immer wieder da, trotz allem. Und ganz selten auch das Bedürfnis, wieder in die Praxis zu marschieren und den nächsten Versuch zu wagen - was vollkommen absurd ist, da 1. unklar ist, ob es eine Nummer zwei geben soll und 2. ganz klar ist, dass ich keine Behandlung mehr machen werde. Aber ein Mal Abkürzungsdame, immer Abkürzungsdame, das ist wohl so...
    LG Tina

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  3. Ich bin Mutter eines vierjahrigen IVF Wunders (es hat beim 1. Versuch geklappt) und eines zehnmonatigen Kryo-Wunders (entstanden nach 3 IVF Versuchen, einer Fehlgeburt und 2 Kryotransfers) und ich glaube: einmal Abkürzungsdame, immer Abkürzungsdame. Mich prägt es immer noch, der Schmerz genauso wie diese unendliche und tiefe Dankbarkeit, die mich täglich begleitet. Klar ist das Abkürzungsthema mittlerweile weniger präsent, aber es ist nicht weg. Das will ich aber auch gar nicht, es hat mich so vieles gelehrt und ist ein Teil von mir. Und wenn es nicht für meine Jungs wäre, würde ich auch viel offener damit umgehen, aber wer weiß wie das sonst für die ist. Alles Gute von C aus K

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  4. Die Erfahrung, etwas so existenzielles wie den Kinderwunsch (wer ihn hat, für den ist er existenziell, weil er das ganze Leben betrifft) nicht erfüllt zu bekommen, die verschwindet nicht einfach so wieder. Bei mir waren es "nur" drei Jahre, dafür mit 4 erfolglosen ICSIs. Mein Kind habe ich mit Samenspende bekommen, mit der wir (relativ) offen umgehen. Das Scheitern von Plan A und B wird also immer irgendwie präsent bleiben - genauso wie die Dankbarkeit, dieses Kind zu haben. Ich fühle mich seit dieser Zeit demütiger, leider auch weniger belastbar, aber auch glücklicher mit dem, was ich habe. Außerdem wird man aufmerksamer - z.B. auf Zwischentöne bei lange verheirateten Kollegen, die kinderlos sind. Ich hör da immer noch sofort die Flöhe husten.
    Uns jetzt, wo wir übers zweite nachdenken, da kriege ich doch wieder so "nach super, Mutter-Natur, besten Dank auch"-Anfälle. Das einzig schöne ist: Wir müssen nie nie nie über Verhütung nachdenken.
    Übrigens hat bei mir Kaiserschnitt und Stillprobleme nochmal alles aufgewühlt; ich habe mich reproduktionsmäßig als Vollversagerin gefühlt, als wenn mir jemand nochmal extra hätte sagen wollen: 1. ihr solltet einfach kein Kind haben, 2. wärest du samt Kind bei der Geburt umgekommen oder 3. wäre dein Kind, sollte es doch noch irgendwie geklappt haben, anschließend verhungert. Ätsch bätsch denke ich mir allerdings jetzt, wenn ich meinen wohlgeratenen, zufriedenen 2jährigen ansehe.
    Alles Gute für den Endspurt von der anderen Tina

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  5. Auch ich wurde nach 2 Jahren KiWu Behandlung (bestehend aus mehreren einfachen ,durch Hormonbehandlungen unterstützten Zyklen mit anschließenden "natürlichen " Empfängnisversuchen und 2 IUIs) schwanger nach der 2. IUI. Hatte dann eine frühe Fehlgeburt und wurde dann spontan im Folgezyklus schwanger, und mein Kindist nun schon 2 Jahre alt. Die Schwangerschaft war die ersten 4 Monate der absolute Spießrutenlauf : Ich konnte sie überhaupt nicht genießen. Bei jedem Toilettengang ein misstrauischer Blick auf das Papier und in die Schüssel,bei jedem Ziepen oder auch ausbleiben jeglicher SSsymptome schrillten die Alarmglocken!
    Danach kamen ein paar entspanntere Monate,aber immer mit dem Gefühl : "Na mal sehen,was noch schiefgeht...Kann ja gar nicht gut gehen...bei uns doch nicht.."
    Aber es ging gut...

    Aber bis heute ist da ein riesengroßes Neidgefühl ,auf Paare die diese Probleme nicht kennen.Habe auch keine Lust mich mit Ihnen über ihre und meine SS zu unterhalten,da die Geschichten und Erlebnisse meilenweit von meinen Erfahrungen und Gefühlen abweichen, und ich ein großes Defizit verspüre.Und mein Herz setzt noch immer einen Schlag aus,ich fange an zu zittern und werde innerlich ganz panisch,wenn ich von einem Paar höre ,bei welchem es Schwierigkeiten gibt...Obwohl es nicht mehr direkt mein Problem ist,fühle ich so als wäre ich unmittelbar wieder betroffen,und alles ist sofort wieder präsent...Und das Glück welches wir hatten wird so wieder deutlicher ,aber das "Warum hatten wir Glück?" leider auch...
    Kurz gesagt, ich fühle mich mies.Den problemlos-schwanger-Paaren gegenüber ,genauso wie den -noch-in der-Warteschleife-Paaren.
    Das wird wohl immer ein Teil von mir/uns bleiben.

    Alles Liebe für Dich Flora,ich freu mich so für Euch!!

    Claudia

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  6. Liebe Flora,

    ich hatte das riesige, immer noch unfassbare Glück, bei der ersten ICSI-Behandlung sofort schwanger zu werden, und bin jetzt Mutter einer quietschfidelen, fünf Monate alten Tochter. Manchmal schaue ich sie an und kann trotzdem kaum glauben, dass es sie tatsächlich gibt...

    Die Abkürzungsdame in mir hat mich in der ersten Schwangerschaftshälfte treulich begleitet, als ich meinen Zustand kaum glauben konnte, aus Angst das Joggen und Radfahren gelassen habe und Rohmilchkäse nicht mal angeschaut habe.
    Irgendwann wurde ich entspannter... aber nun holt sie mich wieder ein. Ich wünsche mir so sehr ein kleines Geschwisterchen für unsere Maus, aber habe auch große Angst vor diesem Schritt: Zum einen habe ich keinerlei Lust mehr auf die regelmäßigen Pilgerfahrten zur KiWu-Praxis, auf Untersuchungen, Spritzen, Nervenflattern, gedrückte Stimmung in Wartezimmern, Hoffen und Bangen. Zum anderen sieht es so aus, dass eine weitere ICSI bei uns vermutlich auch die letzte sein müsste - meinem Mann sind die Spermien per Hoden-Biopsie entnommen worden, von einer Wiederholung dieser OP wird abgeraten, und das, was jetzt noch eingefroren ist, reicht für maximal einen Versuch. Wenn der danebengeht, sind wir definitiv am Ende der Fahnenstange.
    Bei dem Gedanken überkommt mich dann wieder der Neid auf alle, bei denen es auf natürlichem Weg klappt...und das miese Gefühl, dass ich furchtbar undankbar bin...

    Liebe Grüße und alles Gute, Flora, für Dich, L. und das Würmchen!
    Andrea

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  7. Einmal Abkürzungsdame - immer Abkürzungsdame. Der Aussage kann ich nur zustimmen.

    Die Wunschzeit und vier Fehlversuche waren eine sehr schwierige Zeit , die einen festen Platz in meinem Leben hat. Vielleicht mittlerweile in einer der unteren Schubladen, aber immer mal wieder springt sie auf. Es sind so viele Tränen geflossen, die ganzen Enttäuschungen bis hin zur Verzweiflung, dass ich es nicht schaffen werde mich vom Kinderwunsch zu verabschieden, so wie es mir meine Ärztin nach dem 3.Fehlversuch geraten hat. "Sie sind wohl doch schon zu alt und die Eizellen nicht mehr so gut. Ersparen sie sich weitere Enttäuschungen". Damals war ich 39 und noch heute (2 Jahre später) denke ich oft an diesen Satz, wenn ich meine nun fast 4 Monate alte Töchter anschaue. Ich bin froh, dass ich und mein Mann die Kraft und den Willen hatten, nicht aufzugeben.

    Die Spritzen, die Punktionen, die befruchteten Eizellen als Hoffnungsschimmer auf einem Bildschirm - das alles bleibt irgendwie als besondere Erfahrung haften. Auch an die Wut, die ich hatte - warum ausgerechnet wir - kann ich mich immer noch gut erinnern. Und den Schmerz bei immer wieder neuen Schwangerschaftsverkündungen aus dem Freundes und Bekanntenkreis. Ich konnte und wollte damals nicht über meine Situation sprechen und wäre fast manchmal am Kloß im Hals erstickt. Heute nervt mich dümmlicher Schwangerschafts- und Babytalk häufig immer noch - aber es macht mich nicht mehr wütend. Ich denke nur, redet ihr nur über den Gestank aus dem Windeleimer - ihr habt doch keine Ahnung, was manche unternehmen müssen, um überhaupt einen Windeleimer kaufen zu können.

    Heute kann ich recht locker sagen, dass es ein langer Weg war - und das alles gar nicht so plötzlich passiert ist und zufällig dann doch noch mit 40. Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema offener und "normaler" wird und nicht immer nur das Getuschel da ist - ach bei denen klappt es wohl nicht" oder "die mag wohl keine Kinder".

    Als ich schwanger war, haben mein Mann und ich die Nachricht wie einen Goldschatz gehütet und es lange geheim gehalten. Zu einen aus Angst, dass doch noch wieder etwas passieren könnte, zum anderen weil mir nicht nach Freudentanz und Verkündungsarie vor anderen war. (Diese "Angeberei" hat mich jahrelang zu sehr genervt). Ich bin sehr sensibilisiert was das Thema Kinderwunsch angeht und ärgere mich immer noch, wenn ich mitbekomme, wenn jemand gefragt wird beim Anblick unseres Babys "Na- da bekommt man doch auch Lust ein eignes zu machen, oder?) In meiner Tasche ballt sich die Faust - und am liebsten würde ich sagen" Auf so eine blöde Fragen, muss man nicht antworten".

    Die Schwangerschaft konnte ich nach dem ersten Screening genießen, als die Ergebnisse gut waren, dann kamen die ersten Tritte und das Wissen, dass es ein Mädchen wird. Die Vorfreude wurde immer größer.

    Erst vor kurzem hat mich eine Bekannte nach einer Adresse einer Klinik gefragt und sag, doch mal wie war das denn bei Euch? Ich war hin und her gerissen zwischen: ihr keine Angst machen, was eventuell auf sie zukommen kann und Mut zu machen, dass es viele Möglichkeiten gibt und man bloß nicht aufgeben soll. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung, möchte diesen Hormonzirkus aber nicht nochmal durchmachen. Oder? Wenn ich mir dieses süße Geschöpf anschaue….na mal schaun, bin ja eigentlich schon viel zu alt für den Zirkus :-)

    Liebe Flora, schickst Du den Link, wenn es gesendet wird? Kann man sicherlich im Livestream hören, oder?
    birgit

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    1. Ich finde Deinen Kommentar sehr nachvollziehbar. Nur die ewige Sichtweise des "man soll/darf nicht aufgeben" - die gibt jemandem, der am Ende kinderlos geblieben ist, jedes Mal einen Tritt. Es sagt sich eben so leicht daher: man soll nicht aufgeben, wenn man am Ende mit Baby dasteht. Aber was wenn sich das einfach nicht einstellt? Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da müssen die, die ohne die erhoffte und ! auch ausgetragene Schwangerschaft bleiben einen anderen Weg für sich finden. Und an diesem Punkt trennen sich dann die Erfahrungen ehemaliger Kinderwunschfrauen MIT Kind und denen, denen das nicht vergönnt gewesen ist. Was will man auch machen? Sich zum totalen Wrack werden lassen, weil die, die einfach das Glück ! hatten, ein Kind zu bekommen, einem suggerieren, man dürfe nicht aufgeben? Das wird schon noch? Nein - viel öfter noch, als dass es mit einem Kind endet - endet der Weg der Abkürzungsdamen OHNE Kind. Und das ist der Wahrheit. Und auch die gehört dazu. Ich sage jeder die mich danach fragt: probier es aus. Der Einsatz kann hoch sein. Und es ist ein Glücksspiel. Vielleicht gewinnst Du. Vielleicht verlierst Du. Nobody knows. Behalte Dich und Deinen Einsatz dabei gut im Blick. Und verzocke nicht Deine gesamten Ressourcen. Es ist wie am Roulette-Tisch. Man muss wissen, wann Schluss ist, wenn sich der Gewinn nicht einstellen will.

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    2. Allen ohne Kind einen zusätzlichen Tritt zu verpassen ist das Letzte, was ich möchte. Es tut mir leid, wenn es so rüber gekommen ist, als ob ich dafür plädiere "bloß nicht aufzugeben". Das tue ich nämlich nicht und es war vielleicht an der Stelle nicht ganz richtig ausgedrückt.

      Ich habe mich selbst oft genug gefragt, ob ich das Thema Kinder nicht wirklich lieber abschließen und mich mit meinem sonst schönen Leben einfach zufrieden geben soll. Diesen Gedanken fand ich damals sehr schmerzhaft und ich habe mir wirklich manchmal gewünscht, ich könnte es schaffen, anstatt immer weitere Möglichkeiten nachts im Kopf zu wälzen. Andererseits hat es mir gut getan, von anderen zu hören, dass sie auch mehr als 3 Versuche gebraucht haben und es auch noch andere Wege im Leben gibt als ein leibliches KInd (Pflege- oder Adoptivkinder, Samen- oder Eizellenspende). Hier muss natürlich auch jeder für sich entscheiden, ob man dies wirklich möchte mit allen Konsequenzen später. Für mich stand nie die Schwangerschaft als großer Wunsch an erster Stelle, sondern der Wunsch eine Familie zu werden. Und ich hätte mir mehr Unterstützung und Beratung von meiner Ärztin über eventuell alternative, andere Wege gewünscht, anstatt nach 3 ICSIs zu sagen, dann verabschieden sie sich mal besser von ihrem Kinderwunsch. Wie soll man einfach das Rad anhalten, das plötzlich ins rollen gekommen ist? Zumal ich auch glaube, dass wir Frauen zusätzlich durch die Hormone gesteuert sind, die den Kinderwunsch antreiben und die sich nicht rational unter Kontrolle bringen lassen. Ich wollte mit meinem Kommentar nur deutlich machen, dass es sehr schwierig ist, dass Thema einfach abzuschließen.

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  8. Bin auch noch nicht fertig mit der Abkürzungszeit...
    Bin nach zwei ICSI's mit meinem Sohn ss geworden, die Schwangerschaft war- nachdem die kritischen 12 Wochen vorbei waren- wunderschön. Nach dem Abstillen wollte ich dann gleich unseren letzten übrigen Kryo zurück, das wurde nichts...
    Habe dann wieder einen vollen Versuch gestartet, dreimal die Woche mit 10 Monate altem Kind in das übervolle Wartezimmer der Kiwuklinik, schlechte Stimmung, nölendes Kind inklusive... Aber ich wollte immer mehrere Kinder und mir von meinem Schicksal mit den kaputten EL nicht den Traum rauben lassen...
    Der Frischversuch war wieder nix, aber ein Kryo aus diesem Versuch hat sich festgebissen und will zu uns kommen!
    Ich war immer regelrecht geschockt und natürlich traurig, wütend, neidisch, wenn mir jemand von seiner Ss erzählt hat, blöd eigentlich, aber ich kam aus dem Gefühlchaos nie raus... Jetzt, in der zweiten Ss sehe ich das was entspannter, habe meinen Traum von vier Kindern aber noch nicht aufgegeben- die verbleibenden Kryos bekommen in der Elternzeit von Kind Nr. 2 ihre Chance und wenn das nichts wird, sind für mich weitere Vollversuche nicht ganz ausgeschlossen, obwohl mein Mann total dagegen ist, aber so weit sind wir noch nicht...
    Bei uns weiß niemand über unsere " Karriere" Bescheid, war mir lieber so und ich hatte keine Lust auf mitleidige Blicke, dummes Gerede hintenrum und der Angst anderer, mir ihre Ss mitzuteilen...
    Ich bin absolut kein bösartiger Mensch, aber ich fand das ganze Kinderwunschthema so belastend, daß ich sehr großen Neid auf alle empfunden habe, bei denen es so licker locker geklappt hat...
    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute, genieß noch die letzten Wochen deiner Ss und ich drücke meine ganzen Daumen für eine komplikationslose Geburt.
    LG

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  9. Liebe Flora,
    es gibt Tage da sitze ich mit dem dicken Bauch auf der Terrasse und lese und lese und lese sogar soweit, dass ich nicht merke, dass ich beim Kapitel Verhütung nach der Schwangerschaft angekommen bin.
    Dann gibts Tage, da denke ich wenn ich die anderen Schwangeren sehe die wissen gar nicht wie schwer und hart es war und die haben doch so ein Glück. Es gibt eben so und so Tage aber grad jetzt wo das Ende näher kommt denke ich mir, wie lang hätte ich das wohl noch durchgestanden mit ICSI Insemination und Co...

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  10. Hallo liebe Flora!
    Mir ging es ganz ähnlich wie dir. Wir haben lange Kinderwunschzeiten hinter uns und in fast drei Jahren vier ICSIs und eine Kryo gemacht. Noch einer Fehlgeburt in der 10. Woche und den anderen kompletten Fehlversuchen, habe ich beim letzten Versuch im Herbst nicht mehr so recht glauben wollen, dass das noch was gibt. Wir hatten bereits ein Gespräch in einer anderen Klinik, weil wir danach wechseln wollten. Und siehe da... Ich wurde dennoch schwanger und bekomme wie du im Juli mein Baby. (Scheint für hoffnungslose Fälle eine ungewohnt fruchtbare Zeit gewesen zu sein im Herbst 2012)
    Die komplette Schwangerschaft verlief kompliziert, ich habe fünf Monate gebrochen, hatte Blutungen und vorzeitige Wehen und pausenlos Angst, dass ich das Baby doch noch verlieren könnte. Nach den Blutungen war's am schlimmsten, die Wehen in Woche 27 waren dann wieder richtig besch... Nun Habich es aber schon in die 34. Woche geschafft und fange so langsam an, mich auf den Gedanken einzulassen, dass tatsächlich ich bald einen winzigen Wurm im Arm halten und knutschen kann! Die Überlebenschancen sind jetzt schon so hoch, dass wohl alles gut gehen wird, jetzt hoffe ich nur noch, dass es gesund ist. Auf die Welt bekomme ich es schon irgendwie, die "Beckenendlage wie aus dem Lehrbuch" kann mich jedenfalls nicht mehr großartig Schocken. Ich habe mich daran gewöhnt, nie den einfachen Weg zu gehen, wäre ja auch zu schön gewesen nach all den Strapazen der Kinderwunschzeit.
    Diese Zeit wird wohl an mir haften bleiben und mich nicht loslassen. Es ist nicht nur die Angst, die bleibt, es ist auch eine gewisse Müdigkeit von all den Arztbesuchen, Hormonen, Warteschleifen, OPs usw. Und dann ist da noch diese Vorsicht... Ich achte permanent darauf, in der Öffentlichkeit nicht meinen Bauch zu streicheln und mich normal zu benehmen, weil ich weiß wie viele Frauen da draußen nun bewundert und frustriert auf meinen Bauch schauen und sich wünschten, dieses Glück erleben zu dürfen. Aber ein wenig stolz und fröhlich macht es mich schon, wenn ich immer wieder verstohlen in den Schaufensterscheiben diese runde Kugel betrachte...
    An dieser Stelle ganz lieben dank an dich für deinen Blog! Ich war begeistert, immer wieder zu lesen, dass du so gleich empfindest wie ich und auch im Gegensatz zu den typischen Damen der einschlägigen Foren normal geblieben bist. Umso mehr hat es mich gefreut, dass es wieder eine Parallele zwischen uns gibt und auch du bald ein Baby bekommst.
    Ich wünsche dir von Herzen alles alles Gute

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  11. Bin nach 10 ICSIs und Kryos ohne Erfolg auch noch nicht durch mit der Abkürzungszeit. "Abgekürzt" ist hier sowieso nix, aber ich Schäfchen stelle mir seit Jahren vor, dass es eines schönen Tages doch noch klappt, da auch bis heute niemand eine Diagnose finden konnte. Und dann bin ich vielleicht um etliche zeitraubende Tätigkeiten und Gedanken-Endlos-Schleifen leichter und stehe mit einer Bombenpsyche und einer Partnerschaft, die nix mehr erschüttern kann, vor der nächsten wundervollen Herausforderung, einem Baby. Das wär`toll! Und dennoch wird vermutlich für niemanden diese Zeit, wie kurz oder lang sie auch ist, je vergessen sein. LG X

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  12. Ich starte diese Woche mit meinem Versuch Nr. 13 ( 7 Ivf's und 6 kryos mit einer Fehlgeburt und einer Eilleiterschwangerschaft bisher). Ich bin seit 13 Jahren dabei und habe so ziemlich alles erlebt auf dem Gebiet (bis auf die intakte Schwangerschaft). Körperlich sind die Behandlungen meist gut erträglich aber für die Seele wirds von mal zu mal schlimmer. Meine beste Freundin entbindet wenn ich anfange zu spritzen...die Situation ist fast unerträglich für mich, aber ich kann nicht aus meiner Haut. Anfang diesen Jahres wollte ich nach einem negativ meine 'Karriere' beenden, aber ohne Hoffnung gings mir noch viel schlechter. Und ausserdem klappts nun eh :-) Flora ist mein Vorbild. Vergessen werd ich diese Zeit niemals aber hoffentlich bald gern dran zurück denken und sagen: das war es wert, hat sich alles gelohnt

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  13. Oh Mann, hab heute morgen schon kommentiert und bin gerade nach dem Lesen der anderen Kommentare total umgehauen von dieser für Nichtsabkürzungspatienten meist unbekannten ParallelWelt voller Kummer, Schmerz, Hoffnung und Enttäuschungen. Danke Flora, das Du uns immer wieder ein solches Sprachrohr gibst. Ich bin so froh, dass es bei Dir geklappt hat und Du damit das gesamte Spektrum +Happy End kennenlernst. Ich wiederhole mich, aber es ist einfach ein Wunderbares Wunder, für das ich täglich dankbar bin! C aus K

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  14. Meine Kinder sind bei der 1. ICSI und bei der 1. Kryo entstanden. Ich war also zunächst nicht lange Abkürzungsdame... Ich war irgendwann im Laufe der Schwangerschaft eine normale Schwangere und hatte es oft nicht so präsent, wie das Kind da reingekommen ist... Aber dankbar für diese Wunder bin ich jeden einzelnen Tag.. sind wahrscheinlich viele Otto-Normalbefruchter auch, aber ich finde das schon etwas besonderes, meine Kinder haben zu dürfen (und nein, ich gucke sie nicht den ganzen Tag verliebt an.. *g* nur den halben.). Aktuell bin ich wieder Abkürzungsdame, und da bin ich wieder im alten bzw. im neuen und nunmehr schmerzhaften Fahrwasser (nach 2 Negativs), aber auf die Behandlung für meine bereits geborenen Kinder wirkt das nicht zurück...

    LG, S.

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    1. "Otto-Normalbefruchter" finde ich sehr gut! :)

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  15. Ich wurde nach 3 Inseminationen mit der ersten ICSI schwanger. Jetzt ist der Zwerg schon 14 Monate...und ich muss immer noch heulen, wenn wir an der kiwu Klinik vorbei fahren...bin einfach nur unendlich dankbar, dass ich Mama werde durfte

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  16. Was ich total vermisse in der Berichterstattung über das Kinderwunschthema sind Berichte über Paare, die die Behandlungen irgendwann hinter sich gelassen haben, obwohl es nicht geklappt hat, und die nicht adoptiert haben. Ich finde es gut, dass in den Medien immer häufiger über das Thema berichtet wird - aber es scheint dann doch immer ein Happy End geben zu müssen, sei es nun dass die Xte Behandlung doch noch klappt, oder es zu einer spontanen Wunderschwangerschaft kommt oder dass adoptiert wird. Aber es muss doch auch Paare geben, bei denen es eben trotz vieler Behandlungen nicht klappt und die aus welchen Gründen auch immer nicht adoptieren... Mich würde interessieren, wie man in dieser Situation zu einem Abschluss und einem Frieden mit der Situation findet...
    LG Annette

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  17. Liebe Annette - da gebe ich dir recht, ich würde auch gerne noch ein Paar interviewen, das "aufgegeben" hat und darüber reden will, wie sie/er damit umgegangen sind bzw. umgehen. Doch sie sind nicht leicht zu finden. Falls jemand - jemanden kennt, der/die noch dazu darüber reden wollen - wäre das super. vielleicht stellt flora zur kontaktaufnahme nochmals ihre e-mail adresse zur verfügung?

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  18. Aufgeben? Was heißt das genau? Oder ab wann setzt oder sollte der gesunde Menschenverstand einsetzen? Darf man bei einem solchen Thema überhaupt über Kosten und Nutzen sprechen? Muss man alles möglich machen was geht? Wir haben aufgegeben bzw. mein Mann wollte uns das nicht mehr antun. Ich konnte nicht abschließen und bin (wieder) depressiv geworden. Ich bin nun nicht nur keine Abkürzungsdame mehr sondern auch keine Ehefrau. Wenn es hilfreich wäre, kann ich mich gerne zum Thema aufgeben mitteilen.
    LG Frau Em

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