Mittwoch, 16. September 2009

Irgendwann mal

Eines Tages kommt vermutlich auch für mich dieser Zeitpunkt. Der Zeitpunkt, an dem ich eine Entscheidung treffen muss: versuche ich das hier weiter, oder gebe ich auf und konzentriere mich in Zukunft mehr auf das, was ich habe als auf das, was ich nicht haben kann? Das macht mir manchmal ein bisschen Angst. Ich hab von so vielen gelesen, die so lange so tapfer durchgehalten haben, und die irgendwann trotzdem mürbe geworden sind. Und ich hoffe, der Punkt kommt bei mir sehr spät. Außerdem hoffe ich, dass ich nie vergesse, was ich habe und nie das Gefühl bekomme, ich würde es vernachlässigen. Wenn ich irgendwann mal keinen Urlaub mehr plane und die Zeit zwischen zwei Versuchen nur noch tote Zeit ist, wenn ich mich nur noch lebendig fühle in den 14 Tagen zwischen Übertragung und Test, dann ist es vermutlich so weit. Also hoffentlich nie. Ich weiß schon, dass wir auch ohne Kind großes Glück gehabt haben. Aber weil ich ein Fall bin, bei dem die medizinischen Ursachen ganz klar zu sehen sind, weiß ich auch, dass für uns das hier der einzige Weg ist. IVF aufzugeben, würde bedeuten, tatsächlich kein Kind zu bekommen. Für uns würde es das nicht geben, sich eines Tages zu wundern, wo denn nur die Periode bleibt, und dann plötzlich das Wunder: wir sind schwanger! Und dabei können wir doch gar nicht schwanger werden! (Jedenfalls wäre ich sehr dankbar, wenn wir irgendwann demnächst mal auf der guten Seite der Statistik landen und deshalb keine Gelegenheit bekommen, das herauszufinden.)

Wundert euch nicht, Herbst macht mich melancholisch. Vermutlich deshalb, weil es meine Lieblingsjahreszeit ist und mich allein schon der Geruch völlig durch den Tüdel bringt. Und ich hab schon wieder Lust zu rauchen, verflixt. Ich möchte in einer Tweedjacke im Park sitzen, Rotwein trinken, ein Buch lesen und rauchen. Und dann möchte ich nach Hause kommen, und auf dem Küchentisch soll eine große Schale mit Birnen stehen.

Kommentare:

  1. Hei, Flora, tapfer bleiben!
    Brauch Dir wohl nicht zu sagen, dass ich das Gefühl kenne - warum sollte ich sonst immer grade hier lesen? Habe heute von einer guten Freundin wieder so eine Geschichte gehört: hach, bin übrigens schwanger; tralala, irgendwie so passiert im Urlaub. Ha! Nun, ja, man freut sich irgendwie (jaaaaa) aber schluckt halt. Habe übrigens nach langen, üppigen Panoramaschleifen durch Ärztepraxen dann doch bei der ersten IVF einen Sohn bekommen; seit zwei Jahren versuchen wir ein Geschwisterkind und alles ist furchtbar. Das Kind ist natürlich supersuper; alles andere wär gelogen. Also weiß ich, dass es sich absolut lohnt, und bin immer wieder bereit, alles auf mich zu nehmen. Inklusive (teilweise Tröten-) Jobs, um das zu finanzieren. Man kann ja nicht entscheiden, ob es irgendwann klappt - nur, ob man weitermacht. Dazwischen halt Kräfte sammeln; Sushi, Wellness, schwerer Rotwein. Neues Spiel, neues Glück!
    Denn: das Ziel ist das Ziel - nicht der Weg!

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  2. hmmm, nach 5 versuchen hier was zu dem thema zu posten (und alle wieder von mir gelöscht wurden)...ich würde so gerne etwas zu diesem thema schreiben, aber ich weiß nicht wie...da ich zu denen gehöre, die "aufgegeben" haben. auch wenn es sich für mich nicht so anfühlt.
    und ab genau hier finde ich keinen weg mehr meine gedanken und gefühle auszudrücken.

    aber meine daumen sind für alle gedrückt, die mitten auf dem weg sind!
    T.

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  3. Liebe Flora,

    du weißt sicher auch, dass es noch viele andere auch erfolgreiche Methoden gibt, mit denen schon "hoffnungslosen", von der westlichen Medizin austherapierten Frauen geholfen wurde. Ich finde es cool und auch völlig stimmig, dass und wie du jetzt diesen medizinischen Weg verfolgst. Und ich wünsche dir sehr, dass er zu deinem Kind führt.
    Aber vielleicht ist es auch eine gute Botschaft, dass es nicht der einzige ist...hinter dem schulmedizinischen Horizont geht es weiter...und wer zum Kind verhilft, hat Recht....
    Liebe Grüße
    Elsa

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