Freitag, 20. Januar 2012

Tag 14. Eizellen brauchen Eiweiß? Sollen Sie haben.

Als ich sieben Jahre alt war, habe ich pro Woche 50 Pfennig Taschengeld bekommen. Dass man da nicht anfängt, auf eine Eigentumswohnung zu sparen, ist wohl klar, aber auch so blieb nicht viel übrig davon, denn bei uns Zuhause galt die Regel, dass "Killefitt", also fancy Radiergummis mit Sarah Kay drauf oder Uhu Fingerkleber oder auch Chips vom Taschengeld bezahlt wurden.

Ach, Chips. Ungefähr zehn Minuten dauerte der Heimweg vom Spar aus, und auf diesem Weg versuchte ich, meine 49-Pfennig-billig-Chips so langsam und genießerisch zu essen wie nur möglich. Meistens war ich so ungefähr bei Chip Nr.15, wenn ich zuhause ankam. Der Rest kam in eine leere Dänische-Butterkekse-Dose und hielt bis zu zwei Wochen vor. Damals habe ich mir oft ausgemalt, wie das sein muss, erwachsen zu sein. Abgesehen davon, dass man seine Abende in Bars verbringt, wie man sie aus "Derrick" kennt, würde ich doch gewaltige Summen zur Verfügung haben, um Chips zu kaufen? Und dann stellte ich mir vor: irgendwann, eines Tages, wenn du mal wirklich, wirklich reich bist, dann kaufst du dir so viele Chips, wie du nur essen kannst. Bis wirklich kein Krümelchen mehr reinpasst!
Genau so gerne habe ich davon geträumt, mich einmal im Leben bei McDonalds so vollstopfen zu dürfen, bis nichts mehr geht. Davon träume ich ehrlich gesagt heute noch manchmal, und irgendwann, was soll's, sollte ich es vielleicht einfach mal tun. (Auch hier war Knappheit der Auslöser für den Fetisch: als Kinder durften wir nur zu McDonalds, wenn wir beim stundenlangen knallöden Einkaufsbummel durch solche Wahnsinnsläden wie Peek & Cloppenburg "brav" gewesen waren, wobei brav hieß: kein einziges böses Wort, Mundwinkel stramm nach oben, alles super finden, was Mama uns kaufen will, und wehe, es kommt zu solchen Anwandlungen wie "aber ich WILL gar keine Sandalen haben! Sandalen sind doof!". Und wenn wir dann all das getan bzw. gelassen hatten, dann bekamen wir eine kleine Tüte Pommes und mussten uns zwischen Hamburger und Cheeseburger entscheiden. Ein Big Mac war außerhalb jeder Diskussion. Wir armen, armen Kinder.)
Beides sind Träume, die doch eigentlich sehr leicht erfüllbar wären. Trotzdem müssen sie noch ein bisschen warten. Denn heute ist ein anderer Traum dran: der Traum, einmal so unfassbar pervers viel blutiges Steak mit Fritten und Sauce Bearnaise zu essen, wie ich nur kann.

Zu diesem Zweck bin ich heute morgen beim Metzger meines Vertrauens in der Osterstraße gewesen und habe ein 1,8 kg schweres Stück Hochrippe mit Fettrand und Knochen gekauft. Zartbesaitete und Vegetarier wegsehen, so sieht es aus:


Nein, ich mache das nicht jeden Tag. Wie gesagt, es ist das erste Mal im Leben. Nein, mir ist auch das Schicksal des Rindes nicht egal, aber wenn es schon geschlachtet wird, ist es doch schöner, als Fest zu enden als als eingeschweißte Plastikwurst.

Morgen gibt es Blinis. Und vermutlich ziemlich viele Roastbeefsandwiches.

Kommentare:

  1. Hmmmm lecker!! Lass es dir schmecken!!

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  2. Hm. Dieser Fleischbatzen gehört zu den wenigen Dingen, bei denen ich das Gefühl habe, dass Du mir nicht aus der Seele sprichst. Na egal, lass krachen!!! Rinnjehaun! Und mal ne Frage, kann es sein, dass mit der Kommentarfunktion was nicht stimmt? Irgendwie hakt das bei der Eingabe manchmal und es sieht insgesamt auch etwas anders aus...
    LG Juli

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  3. oh, sieht super lecker aus! Lass es Dir schmecken!
    Roastbeef gab's bei mir heut auch auf Abendbrot. *nam-nam* :-)

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  4. wow !!!
    und nochmal wow!! endlich mal ein foto.
    LG MINE

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  5. Denselben McDonald`s Traum hatte ich auch immer und auch dieser entstand nach Mutters Streifzügen durch den Einzelhandel, nachdem ich auch immer genau EINEN Cheeseburger essen durfte. Ich habe mir den Traum auch inzwischen erfüllt- es lohnt sich nicht.
    Aber du hast Recht- erwachsen sein heißt: So viel Unsinn essen, wie man möchte! Und deshalb esse ich jetzt zum Frühstück erstmal Kekse- Hah!
    Grüße von Edda

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  6. Ich lach mich tot, denn ich habe auch grade zum Keks gegriffen!Pfeffi- Steffi

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