Samstag, 21. Januar 2012

Tag 15 mit Vorschau auf 16, 17 und 18.

Rechts: eine ziemlich kräftige Eizelle, zwei kleine Mücker.
Links: sieben bis acht Kaventsmänner. Und das trotz zaghafter, fast schon zärtlicher Stimulation. Links: sehr schön gemacht, Mutti ist hochzufrieden.
Rechts: du, lieber anderer Eierstock, wirst vermutlich nicht für meinen Nachwuchs verantwortlich sein. Aber gräm dich nicht, ich bin dir nicht böse. Ich habe beschlossen, dich ab sofort als eine Art dowager duchess, gespielt von Maggie Smith, zu sehen. Du brütest und grantelst so ein bisschen vor dich hin, kommst ab und zu unangekündigt vorbei und hältst nicht viel von solchem neumodischen Kram wie hormonellen Befruchtungsabenteuern. Manchmal rollen wir hinter deinem Rücken die Augen, aber trotzdem wäre es ohne dich nicht das Gleiche.

Wie geht es jetzt weiter? Ich schreibe das nicht auf, weil ich glaube, dass ihr das alle für so höllisch interessant haltet, sondern weil ich es sonst in fünfzehn Minuten spätestens vergessen haben werde.
Also.
Heute (Tag 15): Abends zwei Clomifen, eine Cetrotide.
Morgen (Tag 16): Am späten Nachmittag eine Cetrotide, um punkt 21:30 die Eisprungspritze, und zwar Brevaktid.
Montag (Tag 17): machen wir mal Hormonblau.
Dienstag (Tag 18): Mit L. in die Praxis um halb neun, Punktion um halb zehn.

Ich erwische mich dabei, wie ich mir im Viertel geparkte Autos ansehe und überlege, welche Sorte Familienauto wir dann für die Zwillinge kaufen. L. hängt an seinem ollen Zuhälterzweisitzer, ich würde es nicht übers Herz bringen, die beiden zu trennen, also läuft es für mich auf eine schäbige unambitionierte Schleuder hinaus, die ich trotz der Hamburger Zündelgangs auf der Straße parken kann, ohne deswegen zu hohen Blutdruck zu bekommen. Ich denke über Namen nach. Natürlich rechne ich fest mit Zwillingen, und zwar zwei Mädchen, aber vermutlich werden es zwei Jungs. Müssen wir uns an die Familientradition halten und den Jungen mindestens mit Zweitnamen Henry nennen? Wie schon L.s Ururgroßvater? Finden wir Zweitnamen nicht sowieso affig und protzig? Wenn sie nach L. kommen, werden sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens ziemlich hässlich sein und erst danach gewaltig aufblühen - gar nicht so schlecht, so werden sie gezwungen sein, Humor zu entwickeln, und mir bleibt es erspart, schon in etwas mehr als 15 Jahren Sexgeräusche aus dem Kinderzimmer ertragen zu müssen, weil das alles erst losgeht, wenn die Kleinen ihre erste eigene Wohnung haben.
So mache ich mir meine warmen Gedanken, während ich mit meiner Medizintüte von der Bahn nach Hause spaziere. Und ein großer Teil von mir denkt, Mäuschen, aber du bist wirklich selbst Schuld, wenn in zwei Wochen alles schon wieder heulendes Elend ist, während ein etwas kleinerer Teil hartnäckig darauf beharrt, dass es diesmal klappt. Diesmal sind wir dran.

Kommentare:

  1. Liebe Flora,

    vielen Dank für deinen tollen Blog, den ich total gerne lese! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg für diesen Versuch! Wirst du den Blog denn weiterführen, wenn im November endlich deine Zwillinge da sind? Ich würd mich sehr freuen!
    Alles Liebe

    Marion

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  2. Dein Optimismus ist echt bewundernswert und ansteckend. Ich deücke ganz fest die Daumen, das er belohnt wird!!!!!
    Ivonne

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  3. Gib deinen rechten Eierstock nicht auf ;) Nach 3 ICSIs und einer HI kam bei HI Nr. 2 DIE EINE Eizelle aus meinem schläfrigen linken Eierstock, der bei den ICSIs genauso faul war, wie dein rechter! Quantität ist nicht immer Qualität... Also streichel ihn trotzdem und red ihm gut zu!
    C.

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