Dienstag, 10. Januar 2012

Tag 3

Ich hatte mal Besuch von einer Bekannten und ihrer Mutter, einem reinrassigen Althippie. Sie reisten im VW-Bus an, und als Bettwäsche (meine nach Ariel duftende, frische lehnten sie ab) hatten sie ausgediente Demo-Laken mit Parolen wie „Nato zerschlagen“ und „Kein Blut für Öl“ dabei. Wirklich! Ich denk mir das doch nicht aus! Auch wenn ich damals wirklich gestaunt habe. Die Mutter wollte auch kein Handtuch von mir, „Leb doch mal, Kindchen, statt hier die perfekte Hausfrau zu spielen“, und als ich nach ihr aus der Dusche kam, war mein eigenes schneeweißes Handtuch nicht nur nass, sondern auch voller langer grauer Haare. Meine feine selbstgekochte Esskastaniensuppe schlangen sie wortlos und bis zum letzten Löffel hinunter, meine Ranunkeln fanden sie „teuer und nicht haltbar genug“, und als ich sagte, sie sollte mir aus der Bäckerei einfach was Leckeres zum Frühstück mitbringen, brachte sie mir einfach gar nichts mit, um mir beizubringen, dass wir Frauen in dieser Welt nicht weiter kommen, wenn wir nicht wissen und pausenlos sagen, was wir wollen. Eine Stunde später fiel die Tür hinter den beiden ins Schloss, und dann wurden Handtücher gewaschen und das Adressbuch ausgemistet.

Ich hatte auch mal Besuch von einem Exfreund, der mich erst eine Stunde im Restaurant auf sich warten ließ, um mir dann zu erzählen, mein Leben wäre kleinbürgerlich, ich würde mir mit „meiner Bionade und meinem Milchkaffee“ eine Identität vorlügen, und überhaupt hätte er Verständnis dafür, dass ich nach all den Jahren immer noch ihm hinterhertrauern würde. Dann gingen wir ins Kino, und er fand den ausgezeichneten Film Scheiße und "zu kommerziell", wollte kein Popcorn und hat dann den ganzen Film über in meiner Tüte rumgeraschelt und alles weggefressen.

Dagegen ist der Besuch von Tante Rosa wirklich gut auszuhalten bisher. Trotzdem finde ich, für die nächsten zehn Monate muss sie nicht unbedingt wiederkommen.

Kommentare:

  1. Liebe Flora,
    dein erfrischender Blog lässt mich immer wieder schmunzeln. Deine sowohl unterhaltsamen als auch manchmal ernsten Verknüpfungen zwischen Alltagsgeschichten und deinem Kinderwunsch machen viel Spaß, noch dazu, weil du so schön mit der Sprache spielst!
    Und: Natürlich alles Gute für den nächsten Versuch!
    Anne

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  2. Hast fein geschrieben!

    Die Schoko

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  3. Oh ja, ganz große Klasse :-)

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  4. Liebe Flora,

    köstlich! Ich habe sehr gelacht! Deine Mutter hat recht : schreib ein Buch! Noch eins!

    VG,
    Imke ( eine von den Düsseldorfer Damen)

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