Sonntag, 19. Februar 2012

Brav, ganz brav. Feiner Hund.

Gerade in der Bahn, ich hab meine Schwester am Bahnhof abgeliefert, nachdem wir mit Lili an der Elbe spazieren waren. Der Hund ist völlig durch, Sand macht sie immer wahnsinnig, und es ist schon ein paar mal vorgekommen, dass sie wie irre auf einen Spielplatz voller Kinder gerast ist und dann zwei Minuten lang wie ein besoffener Springbock durch die Sandkiste tobt, während die Kinder teils begeistert, teils panisch sind und die Kindergärtnerinnen zum Glück nicht bewaffnet, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls war sie zwei Stunden lang am Strand unterwegs, hat sich ein paar Mal fast ins Treibeis geworfen, um Frauchen eine Ente zu fangen, das gute Tier, und nach einem langen gemütlichen Geschwisterwochenende sitzen wir beide ein bisschen kaputt in der Bahn. Da setzt sich eine vielleicht zwanzigjährige Mutter mit ihrem einjährigen Töchterchen zu uns, und das Kind hat einen Lolli und ganz klebrige Hände, und sie will den Hund streicheln. Und die Mutter ist so zauberhaft mit dem Kind, es kann sich schon selbst mit einem feuchten Tuch das Gesicht abputzen, und sie erklärt ihm liebevoll, aber bestimmt, was mit einem Hund geht und was nicht. Und dann zwickt das kleine Mädchen Lili in die dicke schwarze Nase, zieht ganz vorsichtig an ihren Ohren, und meine borstige müde Hummel sitzt lammfromm vor ihr und leckt ihr ein bisschen Lollikleister von den Fingern, und das Mädchen kräht vor Glück, und die Mutter bleibt ganz entspannt, obwohl ihr Baby gerade seine Seesternbabyhände in den Mund eines fremden Hundes mit riesigen Zähnen schiebt, der ohne weiteres imstande ist, einen fünf Zentimeter dicken Ast einfach durchzubeißen. Je nach Beschaffenheit des Astes natürlich. Und ich bin ganz stolz auf meinen braven Hund, und ich hoffe sehr, dass sie ihre Qualitäten irgendwann auch bei einem weniger fremden Kind zum Einsatz bringen kann, und dass wir darauf nicht mehr zu lange warten müssen. Und dann fange ich tatsächlich in der Ubahn an zu heulen, aber nur ein bisschen, ist auch gleich wieder gut. Hat auch niemand gesehen. Außer Lili, die hört auf, dem Kind die Finger zu lecken, und leckt stattdessen Frauchens Hände. Hapüh.

Kommentare:

  1. Deine Lili klingt echt wie ein toller Hund! Wahrscheinlich hast Du's schon irgendwo geschrieben, aber ich weiss es leider nicht mehr: was ist sie denn für eine Rasse?
    Und weisst Du was: mir sind beim Lesen gerade auch die Tränen kommen... (sch.. Hormone)

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  2. Püschi, nicht heulen jetzt! Lili ist ein Airedale. Die sind dafür bekannt, dass sie sehr tapfer, schlau, lustig und kinderlieb sind. Und niedlich außerdem, sie sieht aus wie ein großer schlaksiger Teddy. Kinder lieben sie, jedenfalls die, denen von ihren Eltern keine Hundeangst eingeimpft wurde.

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  3. Sehr rührend und so schön erzählt, liebe Flora. Ich bin einmal mehr begeistert von Deinen Erzählkünsten. Hochachtungsvoll, Jule

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  4. Geht schon wieder, waren nur ein paar Tränen, dann musste ich wieder in die Küche zum Abendessen ;-)
    Hab mal gegoogelt: Airedales sehen ja wirklich knuffig aus. Wir hatten früher auch immer Hunde - als ich ganz klein war Dackel, und danach einen Deutschen Wachtel.
    Leider hat mein Mann Angst vor den meisten Hunden - stand als kleines Kind direkt daneben, als sein Cousin ziemlich schlimm gebissen wurde. Aber in unserer Wohnung würde es eh nicht gehen mit Haustier :-(

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  5. Deine Lili ist wie unser Nano ein Engel und er würde auch alle lecken was er könnte.
    Wir haben oft Kinder da und es ist nie ein Problem, klar es ist immernoch ein Hund und zu 100% trauen kann man nie. Jedoch hat die Dame bei uns vom Jugendamt Angst vor Hunden und schier die Augen verdreht, als ich Ihr sagte, dass ich durch meine Tierschutzarbeit eben 2 davon habe :D Ich hoffe, dass dies kein Ausschlusskriterium für uns ist. Immerhin gehören die Hunde genauso zur Familie wie mal ein Kind, man muss nur eben beide mit Respekt aneinander gewöhnen und wenn man wie ich, mit Tieren groß geworden ist, weiß man was einem fehlen würde.

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  6. Wer hätte das gedacht...
    Bis gestern kannte ich das Wort "blog" nur dem Namen nach (hey, ich bin immerhin schon 37) - und jetzt habe ich schon das Gefühl, dir gratulieren zu müssen!
    Wie kommt`s? Du erschienst als einzige im WWW mit exakt den Worten, die ich auch wählen würde, wenn ich meinen eigenartigen Fund nach einem Toilettenbesuch gestern Abend beschreiben müsste. Nachdem ich völlig geschockt darauf starrte, probierte ich es ohne viel Hoffnung mal mit googeln. Fensterkitt - ich bin beruhigt, danke!

    Und dann las ich weiter und weiter (iphone im Bett sei dank) und fühlte mich seltsam verstanden und fand mich wieder in so manchem Gedanken und dachte dann doch: so ein blog is gar nich so verkehrt - bis es 1.30 Uhr war und ich auch endlich müde.

    Du schreibst wirklich großartig, witzig (selbstredend), aber auch erwachsen und warmherzig. Na ja, jedenfalls: herzlichen Glückwunsch, auch für deinen Mut!

    Ich wohne übrigens auch in Hamburg und noch vor einem Jahr beim ersten Kiwubesuch dachte ich niiemals, dass auch unsere Akte immer dicker wird und ich schon sehr bald mit dem Wissen über Insemination, IVF- Register- Wahrscheinlichkeitsprognosen, Überstimulationssyndrom und wie man sich am besten spritzt, ohne dass blaue Flecken entstehen, angeben könnte (wenn man das denn könnte).
    Vielleicht hilft`s ja irgendwann mal bei ner Quiz- Show...

    Aber ich will gar nicht meckern, sondern mich weiter fröhlich und positiv in meiner Warteschleife drehen.

    Viele Grüße!

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