Samstag, 4. Februar 2012

Tag 29.

Gestern Abend bei netten Nachbarn. Wir verstehen uns gut, die Hunde lieben sich, und ich hab sogar auf ihrer Sommerparty zu später, später, viel zu später Stunde erzählt, dass wir eigentlich gerne Kinder hätten und auch schon mal auf gutem Weg waren, nur leider... leider. Aber das Thema IVF hatten wir bisher noch nicht, sowieso hab ich zwar kein Problem, davon zu erzählen, aber verschiebe das immer lieber auf die Zeit zwischen den Versuchen, bevor dann nach dem Stichtag blöde Fragen kommen... kennt ihr. Und ich brauchte eine hormonfreie Erklärung dafür, warum ich keinen Rotwein trinke, sondern Wasser.

Ich: "Nee, ich leider nicht, ich nehme ein Antibiotikum."
Gastgeber: "Ach? Was denn für eins? Das ist doch eigentlich mit Alkohol kein Problem."
Ich: "Aber mein Arzt hat gesagt, dass ich dazu keinen Alkohol trinken darf."
Gastgeber: "Das sagen die gerne mal einfach so, als Gesundheitsnerds."
Ich: "Aber meinem Arzt sehe ich an der fröhlich roten Nase an, dass der nichts gegen Rotwein hat." (Keine Lüge, ich bin sicher, er hätte Verständnis und würde einen mittrinken.)
Gastgeber: "Ich kenne einen Arzt, der hat mir mal erklärt, dass sie das deshalb sagen, weil die Leute im Suff vergessen, ihr Antibiotikum zu nehmen."
Ich: "Ächz..."
Gastgeber: "Jedenfalls, hier ist dein Glas. Prost!"

Und dann hab ich das Glas eben genommen, einen Teelöffel voll getrunken und es extrem unauffällig. Klar, was sonst? Das war wie ein Zauberkunststück, so unauffällig, Oliver Twist oder wie auch immer der heißt hätte das nicht besser hingekriegt - an L. weitergereicht.

Das sind wirklich, wirklich nette Nachbarn, das war ein netter Abend, und die ganze Rotwein-Episode war ja auch nach ein paar Minuten vorbei. Trotzdem frage ich mich manchmal, was machen eigentlich Alkoholiker? Angenommen, ich dürfte tatsächlich nie wieder Alkohol trinken - das wäre hart in mehr als einer Beziehung. Denn mit "Danke, für mich nicht" ist es wirklich selten getan. Wäre ich gezwungen, wirklich jedes Mal, immer, in jeder noch so harmlosen Situation, unter Kollegen oder zu jemandem, der einen meiner Exe kennt und zu dessen Geburtstagsparty ich mitgeschleppt wurde, zu meiner Tante oder meiner Oma oder Gottweißwem zu sagen "Nein danke, ich bin Alkoholiker"? Ich weiß, dass viele Leute zu Antibiotika Alkohol trinken (mir ist eher nicht danach, wenn ich krank bin), aber was soll ich denn machen - weder will ich, dass man mich für schwanger hält, noch will ich, dass man mich für einen Alkoholiker hält. Nichts gegen Schwangere und Alkoholiker! Nur... ach, es ist wirklich trist. Heute Abend läuft die Show dann wieder: bunter Abend mit vielen Mädchen, auf den ich mich seit Monaten freue, und ich werde Apfelschörlchen trinken. Oder vielleicht auch alkoholfreies Hefeweizen, das sieht wenigstens aus wie Alkohol. Und die guten Elektrolyte! Aber so gern ich mein Lieblingsthema auch richtig schön breittreten würde: geht nicht, denn mittendrin sitzt die zauberhafte Frau meines sehr netten Chefs, der in fürchterliche nervöse Zustände geraten würde, wenn er wüsste, dass sein Texterlein versucht, schwanger zu werden und es - wer weiß? - vielleicht sogar schon ist.

Liebe Abkürzungsdamen, ich möchte einen Preis ausschreiben: Wer hat die beste Idee für eine Erklärung, warum man heute keinen Alkohol trinkt? Die Belohnung: beim nächsten Hamburger Stammtisch zahle ich ihr Essen und Getränke. Ja, auch die mit Alkohol! Um den Wettbewerb etwas anzuheizen: "ich bin gefahren" gildet nicht, denn isch abe gar kein Auto, und "ich mach Diät" glaubt mir kein Mensch.

Kommentare:

  1. Bei Rotwein: Histaminintoleranz.
    Aber ganz grundsätzlich: Der einzige Grund, bei der KB keinen Alkohol zu trinken ist, dass die Leber mit der Verstoffwechslung der ganzen Hormonbomben schon genug zu tun hat. Wer dann aber Freßattaken mit viel Fett (Schokolade, Sahnetorte, Sahnesaucen, fetter Käse, Salami,Leberwurst...) auslebt, gibt der Leber genau so viel zu tun. Dem Embryo kann man in der Warteschleife mit Alkohol kaum schaden: Er ist noch nicht mit der Mutter via Plazenta verbunden. Also: Entspannt Euch mal alle ein wenig....

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  2. Ich sag gerne, dass ich grad eine Entsäuerungskur mache. Hab ich tatsächlich mal gemacht und mir gings super dabei. Ich durfte damal weder Alkohol noch Zucker zu mir nehmen, auch kein Weißbrot, Schweinefleisch und alles von der Kuh. Stattdessen basische Ernährung, viel Gemüse, Obst und Dinkelvollkornprodukte, whatever..schwanger wurde ich nicht davon.Wenn du dann gerade ein schönes Nackenkotelett auf den Teller packst, isses natürlich wenig glaubwürdig. Aber so genau kennen sich die meisten damit ja auch nicht aus.Und deine Heilpraktikerin hat dir das eben auf den Leib geschneidert, was du darfst und was nicht;)Ich fahr jetzt erstmal zu Opas Geburstag-Eierlikörtorte ich komme!
    Genieß die Sonne!
    Cetro-Tine

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  3. Ich bin keine deiner Abkürzungsfrauen, aber dein Gefühl, lieber abstinent bleiben zu wollen, kann ich nachvollziehen. Wenn du also komplett nüchtern bleiben willst, würde ich an deiner Stelle vielleicht was von "heute irgendwie Unruhe im Gedärm" murmeln, dabei verlegen gucken (kannst ja noch ein paar Stunden üben ;-)) und dazu setzen, dass du diese Unruhe nicht durch Alkohol forcieren möchtest. Wer hätte schon gern Durchfall aufm Kneipenklo? Da hat ganz bestimmt jede für dich Verständnis.
    Liebe Grüße und toi toi toi!!! Andrea

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  4. "Vorgezogene Fastenzeit", da ihr zur eigentlichen Fastenzeit Urlaub plant, du da nicht abstinent bleiben willst, aber einmal im 40 Tage gar kein Alkohol auch nicht schaden :-) - (ich zieh das tatsächlich vor, wenn wir Skifahren sind in der Fastenzeit)

    Grüße
    Barbara

    P.S. Eigentlich lohnt es sich gar nicht, bei deinem Preisausschreiben mitzumachen - denn jedenfalls mit dir wird es kein Abkürzungstreffen ja nicht mehr geben, da du ja im Oktoberbus sitzt :-)

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  5. Liebe Abkürzungsdamen,

    das mit der Placenta und "alles halb so wild" hab ich schon oft gehört, aber mir sitzt meine alte Klinik in den Knochen, in der mir nach der Rückübertragung die mütterliche SpreStuHi sagte "Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt schwanger" und mir in Folge einen doppelseitig bedruckten DIN A 4-Bogen übergab, auf dem alles stand, was ich ab sofort zu unterlassen habe (Sushi, Schinken, Bordsteine höher als 20 cm). Außerdem ist spätestens ab dem Test ja dann auch Schluss, sollte es wider jede Wahrscheinlichkeit geklappt haben, und auch dann brauche ich eine Erklärung. Bevor ich mindestens weit im vierten Monat bin, erfährt von mir außer meinen Mädchen und allerengster Familie niemand, dass ich schwanger bin. Herrje...

    und was das "Sich nicht lohnen" betrifft: nur weil ich dann da bei Erdinger blau sitze, muss das ja nicht heißen, dass ihr euch nicht umschmieren dürft.

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    1. Geschickt, geschickt - wenn's nicht geklappt hat, kann die KiWu-Klinik dann mit hochgezogenen Brauen fragen, ob man denn die Regeln auf dem Zettel auch brav eingehalten hat. So hält man sich als Weißkittel geschickt jede Kritik vom Hals - denn irgendwas vergißt ein hormongeschwängertes Hirn garantiert. Da standen doch bestimmt auch Stofftaschentücher und Spitzenslips drauf und Gummibärchen sowieso, oder? ;-))
      (Spätestens nach so nem Zettel hätte ich die Klinik gewechselt.)

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  6. Liebe Flora,
    oh ich kenne diese Situationen soooo gut. Sonst einem Glas oder sagen wir auch ruhig einem Fläschchen Prosecco oder Sekt nie abgeneigt, muss man plötzlich entspannt, unaufgeregt und völlig selbstverständlich sagen: Nein, danke. Ich nehm ein Wasser! Allein die Blicke, derjenigen, die mich nur ein wenig kennen, reichen mir dann schon aus, um mich den Rest des Abend unwohl zu fühlen. Selbst wenn keine Fragen oder kein Spruch kommt - sehe ich es an den Augen und dem kleinen Schmunzeln - Na, da ist sie wohl schwanger. Ich habe schon alle "Krankheitsausreden" probiert: Antibiotika, Blasenentzündung (was auch immer die mit Alkohol zu tun hat), Migräne, Magenschmerzen....es bleibt das Gefühl, dass es einem niemand glaubt, wenn man dann auch nüchtern den Abend Spaß hat und so gar nicht krank wirkt. Deshalb meine neueste Strategie: Am besten man sagt, dass man am Tag vorher schon etwas zu viel getrunken hat und gerade froh ist, den Kater losgeworden zu sein. Da war der Wein irgendwie nicht gut und hat dolle Kopfschmerzen gemacht. Oder die Begleitung hat einfach ungefragt noch eine zweite Flasche Wein bestellt. ....Heute ist deshalb selbst die Lust auf das kleinste Piccolöchen nicht vorhanden.

    Diese Flunkergeschichte hat beim letzten Mal ziemlich gut funktioniert. Keine weiteren Fragen, sondern eher Verständnis und auch keine Blicke - Na, kann man vielleicht schon ein Bäuchlein erkennen?

    Eigentlich schlimm, dass man Alkohol mit einer Alkohollüge am besten abblockt. Aber während der IVF ist alles erlaubt. Da sind andere Dinge wichtiger. Ich denk an Dich, liebe Flora. Und viel Spaß heute Abend. - Birgit

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    1. Congratulations! Dafür spendier ich Dir'n Käsefondue und evtl. 'ne Flasche Wein, wenn's denn passt mit dem Kater vom Vorabend ;-)

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  7. Bis Ende Januar kann man glaubwürdigerweise was von "guten Vorsätzen" murmeln. Aber Birgits Vorschlag mit dem "hatte gestern schon etwas zu viel" klappt bei mir auch immer (merkwürdigerweise glauben mir das die Leute ;)).
    Aber auch "momentan vertrage ich wenig Alkohol, gestern war mir nach einem Glas Wein total übel" funktioniert gut.

    Liebe Grüße

    Felicitas

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  8. Liebe Flora,
    Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr mir Ausreden einfallen zu lassen. Deswegen regel ich das gerade so: Wenn mein Wundermann in der Nähe ist, kriegt er mein Glas vorsichtig untergeschoben. Natürlich hatte ich es lange genug in der Hand, dass man damit gesehen wurde. In Kneipen mache ich heimlich mit der Kellnerin aus, mir alkoholfreie Cocktails zu bringen. Falls jemand mich wegen des Wassers anspricht, brauche ich das zwischendurch, damit ich nicht so schnell betrunken bin. Bisher hat es funktioniert. Trotzdem, viel Spaß heute Abend! LG, Emma

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  9. Libe Flora,
    ich habe in der Warteschleife und auch noch bis zum Ende des dritten Monats einfach gesagt: Nein danke, ich habe im Moment keine Lust auf Alkohol. Da haben selbst meine wild schnapstrinkenden Mädels nicht mehr weitergefragt, ich war selbst überrascht! Und das obwohl man mich in gewissen Kreisen auch den Sombrero ohne Boden nannte weil ich Tequila trank wie....naja, egal. Ausserdem wäre es auch viel zu anstrengend gewesen, mir dauernd was neues auszudenken. Viel Erfolg heute, ich hoffe wir hören wie es ausgegangen ist?
    LG, Murphy

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  10. Da ich sonst durchaus gerne was trinke, und bei passender Gelegenheit es auch nicht unbedingt bei 1 Glas belasse, hat's bei mir auch schon komische Blicke gegeben. Vor allem im Kollegenkreis gab's dann auch schonmal die einen oder anderen Gerüchte (die ja leider bislang alle falsch wahren).
    Wenn ich Ausreden brauche (z.B. auch bei den Schwiedereltern), erzähle ich entweder was von Magenproblemen oder vor kurzem genommenen Kopfschmerztabletten.

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  11. Ich sage einfach: NEIN DANKE und wers nicht blickt der hat PECH!
    Sowas finde ich unverschämt jemandem Alkohol oder sonstwas schier auf zu zwängen. Ich nehme das Glas und stelle es weg und wenn mir jemand dumm kommt sage ich ihm, dass ich NEIN DANKE gesagt habe und ich muss mich sicher vor keinem rechtfertigen egal ob mit oder ohne Kinderwunsch oder Alkoholikervorgeschichte :D

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  12. Hallo Flora,

    eine Freundin von mir (nicht schwanger) hat eine gute "Ausrede", wie ich finde. Sie sagt, sie trinkt keinen Alkohol, weil sie dadurch besser schläft. Ich finde das einleutend und kann das auch selbst bestätigen. und ich fand, da klingt auch nachvollziehbar und logisch. Allerdings habe ich sie noch nicht selbst ausprobiert. Funktioniert natürlich nur für den abendlichen Alkoholgenuss.
    Ich werde es sicher demnächst mal ausprobieren.
    LG K.

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  13. Also ich würde die Variante mit der Wette wählen: "Ich hab gewettet, dass ich 3 Monate (eben bis du es erählen magst) keinen Alkohol trinke". Oder es als verlorene Wette deklarieren "Ich hab ne Wette verloren, und darf jetzt 3 Monate keinen Alkohol trinken".

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  14. huhu mädels, ich sage immer abwechselnd, dass ich gestern schon zu viel getrunken habe, das mein freund gemeint hat, dass ich nur mit alk lustig sein kann ( das will man ja nicht auf sich sitzen lassen) oder auch wirklich mal die diät/ keine lust/ nicht gut / mag den und den wein nicht. das immer abwechselnd, hat noch nie einer verdacht geschöpft. lg mine

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  15. Ich habe vor einiger Zeit in meinem nahen Umfeld sehr unschöne Erfahrungen damit gemacht, was Alkohol aus Menschen machen kann.

    Deshalb trinke ich seit einem halben Jahr keinen Alkohol mehr. Wenn ich in einer Runde mit Menschen bin, die die Vorgeschichte nicht kennen, gibt es immer gleich vielsagende Blicke auf den Bauch und neugierige Anspielungen oder gleich Nachfragen. Für einen trockenen Alkoholiker wurde ich allerdings noch nicht gehalten ;)

    Das Erklären habe ich aufgegeben. Wenn mir jemand zu sehr auf die Pelle rückt, sage ich es einfach: "Ich habe in meinem nahen Umfeld sehr unschöne Erfahrungen damit gemacht, was Alkohol aus Menschen machen kann. Deshalb trinke ich nichts mehr."

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  16. Die Alkohol-Sache ist schon doof, aber da jeder weiß, dass ich auf Alkohol extrem müde werde und auch gerne mal auf der nächstbesten Sitzgelegenheit einschlafe, sage ich einfach: "Ich möchte heute gerne mal wach bleiben." Das versteht jeder.

    Dir noch alles Gute.

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  17. Ich habe auch so eine Nachbarin. Ich mache es mittlerweile so: ich nehme das Glas, wenn sie es mir wiedermal aufzwingt, auch wenn ich sage: nein, danke. Stoße an und stell es dann demonstrativ vor mich auf den Tisch.
    Zweimal gemacht und mittlerweile ist Ruhe.
    *g* Große Erklärungen gibt es dann keine mehr. Soll'se doch gucken. Das können sie bei mir schon seit einigen Jahren...

    Ich habe oft gesagt: ich mache mittlerweile soviel Yoga. Und gewisse Yogaübungen (ohne Scheiß) sollte man nur machen, wenn man sich vegetarisch und alkoholfrei ernährt. Ich arbeite mich noch in die Richtung vor. Erstmal verzichte ich auf den Alkohol...

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  18. nicht einfach antibiotikum sondern metronidazol ist das zauberwort... enthalten in so schönen sachen wie z.b. flagyl, das gegen infektionen hilft... da heissts kein glas bis einen tag nach der anwendung, sonst kriegt man den schönen antabus-effekt zu spüren, wie alkoholiker die das echte antabus nehmen und trotzdem versuchen fröhlich weiterzubechern: flush, erbrechen, tachykardie...
    ich glaube, da versteht dann jeder, das man gerne auf ein gläschen verzichtet!
    einziger haken bei dieser geschichte: allen erzählt man ja auch nicht gerne, dass man "da unten" einen infekt hat :-)
    s.

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